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Panorama Loveparade: Duisburgs OB unter Druck
Nachrichten Panorama Loveparade: Duisburgs OB unter Druck
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16:40 29.07.2010
Demonstranten in Duisburg fordern den Rücktritt von Adolf Sauerland nach dem Loveparade-Debakel. Quelle: dpa
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Duisburg. Die Gedenkfeier am Samstag in einer Duisburger Kirche soll ins Fußballstadion der Ruhrgebietsstadt übertragen werden. Die Demonstranten auf dem Rathaus-Vorplatz fragten auf Plakaten nach den Schuldigen für die Massenpanik vom Samstag, in deren Folge 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden waren. Zugleich verlangten die Demonstrations-Teilnehmer eine lückenlose Aufklärung. Für die Opfer der Tragödie legten sie während der Kundgebung eine Schweigeminute ein. Laut Polizei gab es bei den Protesten keine Zwischenfälle. „Es ist alles friedlich verlaufen“, sagte ein Polizeisprecher.

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) legte Sauerland indirekt den Rücktritt nahe. Der OB und die Verantwortlichen in der Stadtspitze „werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen“, sagte sie der „Rheinischen Post“. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zeigte sich im Sender n-tv überzeugt, „dass der Oberbürgermeister gut beraten wäre, sehr schnell für sich die Antwort auf die Frage zu finden, welche moralische Verantwortung er trägt, und daraus zu handeln“. Der FDP-Landtagsabgeordnete Horst Engel nannte Sauerland im RBB-Inforadio den „Untoten in der Stadtverwaltung in Duisburg“.

Sauerland wies allerdings eine Mitschuld am tödlichen Ausgang der Loveparade von sich. Er habe „keine einzige Genehmigung“ für die Veranstaltung unterschrieben, sagte Sauerland der „Bild“-Zeitung. „Das ist gar nicht der Job des Oberbürgermeisters, Genehmigungen zu unterschreiben.“ Die Abschlussgenehmigung habe „einer unserer besten Kollegen“ abgezeichnet. Einen Rücktritt lehnte Sauerland erneut ab. „Ich habe mein Leben - 21 andere Menschen haben es verloren. Ich will erst wissen warum. Danach entscheide ich über persönliche Konsequenzen.“

Gleichzeitig bat Sauerland in den Zeitungen der WAZ-Gruppe die Angehörigen der Opfer um Entschuldigung für die „Fehlinformation“, diese seien auf der Flucht aus einem überfüllten Zugangstunnel von einer Treppe zu Tode gestürzt. Er habe diese Meldung nur weitergereicht. „Diese Aussage war definitiv falsch, und ich entschuldige mich für diese Aussage bei allen, vor allen bei den Angehörigen der Opfer.“ Die Obduktion hatte ergeben, dass die Opfer an Brustquetschungen gestorben waren und keines durch einen Sturz.

Die zentrale Trauerfeier für die Opfer findet am Samstag in der Duisburger Salvatorkirche statt. Die Gedenkfeier soll auf Großleinwände in die Duisburger MSV-Arena und auf den Vorplatz des Stadions übertragen werden. Zu den Trauerfeierlichkeiten in der Ruhrgebietsstadt werden nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 10. 000 Teilnehmer erwartet. Es könnten jedoch auch deutlich mehr Trauergäste kommen, sagte ein Polizeisprecher.

Zu der Trauerfeier werden auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Sauerland will dagegen nicht teilnehmen. Ein Stadtsprecher hatte zur Begründung gesagt, der OB wolle „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“. afp

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