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Panorama Lange Haftstrafen für Prominente in Kinderschänder-Affäre
Nachrichten Panorama Lange Haftstrafen für Prominente in Kinderschänder-Affäre
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19:51 04.09.2010
Jorge Ritto, ehemaliger Diplomat und UNESCO-Botschafter, wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Quelle: AP
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LISSABON. Nach einem fast sechsjährigen Mammutprozess verkündeten die Richter am Freitag in Lissabon das Strafmaß für sechs der sieben Angeklagten: Die älteren Männer sollen zwischen knapp sechs und 18 Jahren ins Gefängnis. Eine Frau, deren Haus als Tatort diente, wurde freigesprochen.

Die Täter wurden unter anderem der Vergewaltigung, des Kindesmissbrauchs sowie der Kuppelei für schuldig befunden. Sie haben sich jahrelang an mindestens 32 Minderjährigen des staatlichen Waisenhauses „Casa Pia“ in der portugiesischen Hauptstadt vergangen.

Der bekannteste unter den Tätern ist Showmaster Carlos Cruz, der bei Ausbruch des Skandals im November 2002 einer der beliebtesten Fernsehmoderatoren Portugals war. Der 68-Jährige muss für sieben Jahre hinter Gitter. Der einzige Geständige, der ehemalige Gärtner und Fahrer des Heimes, Carlos Silvino, bekam 18 Jahre.

Politiker Jorge Ritto, ein früherer Unesco-Botschafter und mit 73 Jahren ältester Angeklagter, wurde zu sechs Jahren und acht Monaten verurteilt. Der Arzt João Ferreira Diniz bekam sieben Jahre, Anwalt Hugo Marçal sechs Jahre und zwei Monate und der Unternehmer Manuel Abrantes fünf Jahre und neun Monate.

Die Täter seien „völlig skrupellose Menschen“, sagte eines der Opfer der Zeitung „Público“. Der heute 23-jährige Miguel fügte an:

„Die bereuen das alles immer noch nicht. All diese Sachen sind immer noch in meinem Kopf, tauchen in meinen Alpträumen immer wieder auf.“ Die zeitversetzt übertragene Urteilslesung erschütterte mit vielen Details der Verbrechen die TV-Zuschauer.

Der Skandal schockierte die Nation nach ersten Enthüllungen der Wochenzeitung „Expresso“ im November 2002 und hielt das Land bis zum Ende des Prozesses in Atem. Medien beklagten zuweilen „Druck höherer Stellen“ auf die Richter zugunsten einiger Angeklagten. Die Urteilsverkündung fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Eine Bombendrohung am Nachmittag blieb ohne größere Folgen.

Die Affäre um TV-Star Cruz, die Verbrechen der vergangenen rund zehn bis 15 Jahre umfasste, war dabei offenbar nur die Spitze des Eisbergs im Waisenhaus „Casa Pia“. Die vor 230 Jahren gegründete Institution war nach Klagen älterer ehemaliger Heimbewohner bereits in früheren Jahrzehnten Schauplatz von Kindesmissbrauch gewesen.

Der Anwalt und Menschenrechtler Pedro Namora war den Tränen nahe, als er während einer Pause in der langen Urteilslesung vor laufenden TV-Kameras forderte: „Die müssen alle verurteilt werden, auch im Namen Hunderter früherer anonymer Opfer des Heimes, die heute immer noch darunter leiden“. Eines der jüngsten Opfer habe neben ihm im Gerichtssaal gesessen und „so sehr gezittert, dass die Bank sich bewegt hat“. Auch Namora wurde als Kind im Heim sexuell missbraucht.

Mit einer Laufzeit von fünf Jahren und zehn Monaten war das Verfahren der längste Prozess in der Geschichte Portugals. Das Gericht tagte 450 Mal, fast 1000 Zeugen und Sachverständige wurden gehört. Immer wieder gab es Kritik an den schleppenden Ermittlungen.

Beobachter meinten jedoch, das Verfahren werde mit der ersten Urteilsverkündung noch längst nicht zu Ende gehen. Die Anwälte der Angeklagten würden auf jeden Fall Berufung einlegen, um irgendwann auf Verjährung pochen zu können, hieß es in den Medien. „Die werden alles versuchen, aber heute sind wir sehr zufrieden“, sagte Namora. (dpa)

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