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Panorama Konzertprofi greift Loveparade-Macher an
Nachrichten Panorama Konzertprofi greift Loveparade-Macher an
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10:44 26.07.2010
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Berlin. Das „war keine höhere Gewalt wie ein Treppeneinsturz oder ein Unwetter, sondern das Ergebnis eines verhängnisvollen Zusammenwirkens von völlig überforderten Behörden und inkompetenten Organisatoren, die weder mit derartigen Großveranstaltungen vertraut noch in der Lage waren, auf Notsituationen zu reagieren“, teilte Lieberberg am Montag in Frankfurt mit.

Aus Sicht Lieberbergs war das Konzept eines einzigen Ein- und Ausgangs „eine Todesfalle“. Sämtliche Grundlagen für Versammlungen seien missachtet worden. „Ein einziger Eingang über einen Tunnel ist nach der Gesetzeslage eigentlich überhaupt nicht zulassungsfähig. Aber offensichtlich wollten die Verantwortlichen der Stadt Duisburg die Veranstaltung um jeden Preis und haben deshalb offensichtlich über alle notwendigen Sicherheitserwägungen hinweggesehen.“

Der Ordnungsdienst hätte die Besucherströme leiten müssen. „Nach meinem Eindruck hätten bei einem Event dieser Größenordnung mindestens 4000 bis 5000 Ordner im Einsatz sein müssen. Es kann sich tatsächlich nur um einen Bruchteil dieser Anzahl, vielleicht 1000, gehandelt haben.“ Außerdem müsse deren Professionalität entschieden angezweifelt werden. „Eher waren es wohl völlig unerfahrene Helfer, deren einzige Qualifikation im Tragen eines T-Shirts bestand.“

Völlig gefehlt haben laut Lieberberg stabile Ein- und Auslassschleusen. Ein einziger Tunnel und Notausgänge über die Autobahn seien „von vorneherein ein Rezept für den Untergang“ gewesen. „Bei Gefahr im Verzug muss der Veranstalter einschreiten, um auf bestimmte Situationen spontan zu reagieren. Natürlich setzt dies Kompetenz und Erfahrung voraus.“

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Teilnehmer versorgen am Samstag, 24. Juli 2010, in Duisburg, Nordrhein-Westfalen, beim Techno-Musikfestival Loveparade 2010 nach einer Panik kollabierte Teilnehmer. Vor dem Gelaende vor der Loveparade in Duisburg ist es am Samstag zu einer Massenpanik gekommen. Nach Angaben der Polizei wurden dabei zehn Menschen getoetet. (apn Photo/Hermann J. Knippertz) --- Collapsed people get first aid after a panic on this year's techno-music festival "Loveparade 2010" in Duisburg, Germany, on Saturday, July 24, 2010. (apn Photo/Hermann J. Knippertz)

Überdies erinnerte Lieberberg daran, dass Polizisten bei Großveranstaltungen nicht als Ordner eingesetzt, sondern für Notfälle und die Regelung des Verkehrs bereitstünden.

Der wegen der Katastrophe in die Kritik geratene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) schließt seinen Rücktritt nicht aus. „Gestern und auch heute ist die Frage nach Verantwortung gestellt worden, auch nach meiner persönlichen. Ich werde mich dieser Frage stellen, das steht außer Frage“, sagte Sauerland am Montag im Radiosender WDR2. Doch zunächst müsse es darum gehen, die schrecklichen Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. „Und wenn wir wissen, was da passiert ist, dann werden wir auch diese Frage beantworten. Das verspreche ich“, sagte Sauerland zu den an ihn gerichteten Rücktrittsforderungen.

Sauerland sagte, er sei nach wie vor zutiefst betroffen und bestürzt. Gleichzeitig zeigte er Verständnis dafür, dass er bei einem Besuch des Unglücksorts am Sonntag von Trauernden körperlich attackiert wurde. „Da waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben. Das verstehe ich.“ Dennoch verteidigte Sauerland auch die Verantwortlichen der Stadt Duisburg. „Wir haben alles darum gegeben, ein sicherer Austragungsort zu sein, dafür haben wir gearbeitet, dafür haben wir gekämpft.“
Der Oberbürgermeister kündigte an, dass noch im Laufe des Montags ein Kondolenzbuch ausgelegt werden soll. Außerdem stehe die Stadt in Verbindung zu den Duisburger Kirchen, um eine Trauerfeier vorzubereiten.

afp/dpa

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