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Panorama „Jamaika-Aus“ ist das „Wort des Jahres“
Nachrichten Panorama „Jamaika-Aus“ ist das „Wort des Jahres“
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11:25 08.12.2017
Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat das „Wort des Jahres 2017“ gewählt. Quelle: dpa
Wiesbaden

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat am Freitag in Wiesbaden das „Wort des Jahres“ gekürt. Nach Ansicht der Experten hat 2017 der Begriff „Jamaika-Aus“ die öffentliche Diskussion am meisten geprägt hat. Der Begriff stehe nicht nur für die schwierige Regierungsbildung, sondern sei auch sprachlich interessant, erklärte die GfdS.

Auf dem zweiten Platz landete „Ehe für alle“, dahinter „#MeToo“. In die Liste schaffen es Begriffe, die nach dem Urteil der Sprachexperten für 2017 gesellschaftlich und politisch besonders relevant sind. Die Häufigkeit der Wörter ist weniger entscheidend.

Neue Bedeutung des Begriffs

Der Name des Staates Jamaika habe in Deutschland eine neue Bedeutung bekommen – weil die Farben seiner Flagge für die (gescheiterte) schwarz-gelb-grüne Koalition stünden. Außerdem sei die Aussprache eingedeutscht worden. Mit dem Zusatz „Aus“ werde umgangssprachlich auf das erfolglose Ende der Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen verwiesen.

„Ehe für alle“ beschreibt die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Dabei könne der Ausdruck auch falsch interpretiert werden, denn „alle“ würde ja beispielsweise auch Kinder umfassen, sagte der GfdS-Vorsitzende Peter Schlobinski. Die Bedeutung des Begriffs „Ehe“ sei mit der neuen Regel erweitert worden.

Auch das Kunstwort „covfefe“ ist auf der Liste

Mit dem Internet-Schlagwort „#MeToo“ prangern Frauen weltweit sexuelle Übergriffe an. Auslöser für die Kampagne im Herbst 2017 waren Vorwürfe gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein. Die Opfer wollten auf das Ausmaß des Problems aufmerksam machen, erklärte die GfdS. Auf den weiteren Plätzen der Zehner-Liste landeten unter anderem „Obergrenze“, „Diesel-Gipfel“ und „Videobeweis“. Auch ein Begriff ohne erkennbare Bedeutung ist darunter: „covfefe“. US-Präsident Donald Trump nutzte das Wort in einem Tweet.

Das ist die Liste der „Wörter des Jahres 2017“:

1. Jamaika-Aus

2. Ehe für alle

3. #MeToo

4. covfefe

5. Echokammer

6. Obergrenze

7. Diesel-Gipfel

8. Videobeweis

9. „Denkmal der Schande“

10. hyggelig

Die Jury wählt Begriffe aus, die laut GfdS „den sprachlichen Nerv des Jahres treffen und einen Beitrag zur Zeitgeschichte leisten“. Das „Wort des Jahres“ wurde erstmals 1971 und seit 1977 regelmäßig gekürt. Mit der Liste sei „keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden“, sagen die Sprachforscher.

„Jamaika-Aus“ löst „postfaktisch“ ab

Für die Auswahl entscheidend ist der Sprachgesellschaft zufolge aber nicht, wie häufig ein Ausdruck benutzt wurde. Es geht vielmehr um seine Signifikanz, Popularität und sprachliche Qualität. Die Experten-Jury wertete mehrere tausend Fundstellen in Medien und externe Vorschläge aus, um aus den zehn wichtigsten Wörter des Jahres eine Rangliste zu erstellen. Eine Wertung oder Empfehlung ist damit aber nicht verbunden.

2016 war der Begriff „postfaktisch“ ausgewählt worden, im Jahr zuvor „Flüchtlinge“. Die Berliner „Lichtgrenze“ zum Mauerfall-Jubiläum war das „Wort des Jahres“ 2014. Den sprachlichen Nerv der Zeit hatten in den Jahren zuvor - nach dem Urteil der Jury - die Abkürzung „GroKo“ für Große Koalition (2013), die „Rettungsroutine“ (2012) und der „Stresstest“ (2011) getroffen.

Von RND/dpa

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