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Panorama Hirschrufer röhren in Dortmund um die Wette
Nachrichten Panorama Hirschrufer röhren in Dortmund um die Wette
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18:33 05.02.2010
In Dortmund röhrten Hirschrufer um die Wette. Quelle: dpa
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Dortmund. Es hört sich an wie ein dumpfes Stöhnen, klingt unbehaglich, fast bedrohlich: Quer durch die Dortmunder Westfalenhalle dröhnt am Freitagnachmittag der Ruf eines jungen Hirsches. Auf der Bühne steht jedoch nicht etwa ein echtes Tier, sondern der 63-jährige Jens Sander, der in ein abgegriffenes grünes Plastikhorn bläst. Mit einer laut Jury „absolut naturgetreuen Wiedergabe“ von Hirschen am Brunftplatz hat sich der Berufsjäger aus der Eifel bei der Messe „Jagd und Hund“ den Deutschen Meistertitel der Hirschrufer erkämpft.

In dem spannenden Duell, das zum Schluss in einem Stechen entschieden werden musste, setzte sich der kräftige Mann im grünkarierten Sakko gegen sechs Mitbewerber durch. Mit Hilfe von speziellen Hörnern, Schnecken und Plastikröhren ahmten die Hirschrufer der Reihe nach verschiedene Brunftschreie nach.

Zunächst galt es dabei, einen alten Hirsch zu imitieren, der mit einigem Kahlwild abseits des Rudels steht. Außerdem mussten die Hirschrufer ein suchendes Jungtier und das Rufduell zweier Hirsche mit charakteristischen Stimmen nachahmen. Mit prallen Wangen röhrten die gestandenen Männer nacheinander in ein Mikrofon, während ihre Mitstreiter, im Halbkreis auf Baumstümpfen sitzend, die Darbietung ihrer Berufskollegen genau beobachteten.

Mit seinem Sieg hatte Jens Sander, der bei der Meisterschaft im vergangenen Jahr den zehnten von zehn Plätzen belegt hatte, am Morgen überhaupt nicht gerechnet. „Das hätte ich wirklich nicht gedacht, gerade weil ich gestern so heiser war“, sagt der 63-Jährige, und lacht: „Aber vielleicht war das auch ein Vorteil.“ Der Jäger nutzt das Hirschrufen seit über 30 Jahren zur Rotwildjagd und ist daher stets geübt. Leicht hatte er es bei der 12. Deutschen Meisterschaft der Hirschrufer trotzdem nicht. Denn die Männer maßen sich auf „sehr hohem Niveau“, lobte Jurymitglied Konrad Esterl die sieben.

Unterschiede habe man dennoch feststellen können - vor allem, als es beim Stechen darum ging, einen alten, abgekämpften Hirsch am Ende der Brunft nachzumachen. „Der röhrt nicht mehr, wie einer der Teilnehmer es getan hat, sondern brummt nur noch vor sich hin“, sagt der erfahrene Jäger Esterl, der extra aus Bayern angereist ist. Hinter einem Holzverschlag, der als Sichtschutz diente, beurteilte die dreiköpfige Jury die Brunftschreie der Männer.

Hunderte Messebesucher verfolgten den kuriosen Wettstreit über eine knappe Stunde - teils belustigt, teils erstaunt. „Ich bin nur zufällig stehengeblieben, weil das hier so skurril ist“, erzählt Messebesucher Fritz Ettwig, „auch wenn ich weiß, dass viele Jäger das Hirschrufen durchaus ernst nehmen“. Die Rufjagd gehört für Wildjäger schließlich zu einer jahrhundertealten Tradition. Mit der Nachahmung der Laute können sie das Rotwild während der Brunftzeit aus der Deckung locken, indem sie zum Beispiel dem Platzhirsch am Brunftplatz einen Nebenbuhler vortäuschen.

Gemeinsam mit den Zweit- und Drittplatzierten darf Hirschruf- Meister Jens Sander nun an der Europameisterschaft der Hirschrufer Mitte Mai in Polen teilnehmen. Der kuriose Wettbewerb in den Westfalenhallen wurde wie in den vergangenen Jahren von einer Jagd- Fachzeitschrift veranstaltet. Die Messe „Jagd und Hund“ findet noch bis zum Sonntag in Halle 4 statt.

dpa

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