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Panorama Hildesheimer Firma ist Weltmarktführer für Tragschrauber
Nachrichten Panorama Hildesheimer Firma ist Weltmarktführer für Tragschrauber
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14:04 07.12.2009
In der Luft unterwegs: Gyrocopter aus Hildesheim. Quelle: ddp

Der britische Film-Geheimagent 007 alias Sean Connery lieferte sich 1967 in „Man lebt nur zweimal“ damit eine wilde Schlacht mit vier feindlichen Hubschraubern - und ging natürlich als Sieger hervor. „Little Nelly“ hieß das Modell, damals noch ein exotisches Fluggerät aus der Werkstatt des Geheimdienst-Tüftlers Q. Die niedersächische Firma AutoGyro hat sich auf die Serienfertigung des Ultraleichtfliegers spezialisiert. Mit jährlich produzierten 250 Stück ist sie sogar Weltmarktführer.

Der Grund für den Erfolg ist Platzer zufolge ein Auftriebssystem, das nicht auf Motorleistung setzt, sondern auf Autorotation basiert. Während bei einem Hubschrauber die Rotorblätter direkt durch einen Motor angetrieben werden und für Auftrieb sorgen, nutzt der Tragschrauber die anströmende Luft als natürlichen Antrieb - ähnlich wie bei einem Windrad. Die Rotorblätter des Tragschraubers drehen sich allein durch den Schub, der von einem motorgetriebenen Heckpropeller erzeugt wird.

Daher trägt sich das Fluggerät auch bei einem kompletten Motorausfall von selbst in der Luft. „Man kann sich das vorstellen wie bei einem Ahornblatt, das vom Baum fällt und langsam zu Boden kreiselt“, sagt Platzer. Anders als beim Hubschrauber benötigt der Tragschrauber keinen Heckrotor zur Stabilisierung um die Hochachse. Das Fluggerät kann allerdings nicht, wie ein Hubschrauber, senkrecht starten und landen oder in der Luft schweben. Zum Starten braucht er Motorkraft und 30 bis 70 Meter Startbahn, zum Landen reichen zehn Meter.

Geflogen werden die Tragschrauber aus Hildesheim von Kunden in aller Welt. Bauern in Australien etwa nutzen die Gyrocopter, so ihr internationaler Name, zum Überwachen ihrer Viehherden und Felder. Auch in Namibia, Südafrika oder Costa Rica kommen die deutschen Fluggeräte in der Landwirtschaft, zur Pipeline-Überwachung oder für Touristen-Ausflüge zum Einsatz. In Deutschland werden die Tragschrauber hauptsächlich zum Spaß geflogen, erzählt Platzer.

Eine Ausnahme bildete die Polizei in Brandenburg. Dort wurden die Hildesheimer Tragschrauber im Polizeidienst getestet. Die Brandenburger wollten herausfinden, ob die wendigen und kostengünstigen Flieger zum Beispiel bei der Verkehrsüberwachung auf Autobahnen, als Unterstützung bei Durchsuchungen größerer Objekte oder zur Aufklärung von Waldbränden einsetzbar sind. Brandenburgs Innenminister hatte in den Medien unlängst allerdings das Ende des Projekts bekanntgegeben, weil Aufwand und Nutzen in „keinem vernünftigen Verhältnis“ stünden.

In Niedersachsen wird die Flugtechnik skeptisch beurteilt. „Der Einsatz von Tragschraubern im Polizeidienst ist bei uns nicht vorgesehen und nicht geplant“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums auf ddp-Anfrage. Grund dafür ist unter anderem ein Unfall mit dem Fluggerät im Jahr 2007, den ein niedersächsischer Polizist nicht überlebt hat. Er war privat mit der Maschine geflogen.

Platzer versichert dagegen, dass der Gyrocopter sicher sei: „Unfälle passieren, weil Menschen unachtsam sind oder die Maschine über Grenzen hinaus führen“, sagt er. Von den weltweit 600 bis 700 umher fliegenden Tragschraubern ist nach seinen Worten „noch nie einer aus technischen Gründen abgestürzt“. Er versichert: „Uns würde es als Privatunternehmen nicht mehr geben, wenn wir auf technische Feinheiten nicht peinlich achten würden.“

In Hildesheim sind die Auftragsbücher jedenfalls gut gefüllt. In Zeiten der Wirtschaftskrise blieben zwar einige Flieger am Boden, erklärt Platzer, aber andererseits stiegen viele Piloten auf ein Gerät der kostengünstigen Ultraleichtklasse um. Bestes Beispiel dafür sei ein Juwelier aus Celle, der den Tragschrauber für Dienstreisen nutze. Gebaut wurde der Flieger des Geschäftsmanns natürlich in Hildesheim, verkleidet wurde er auf Wunsch mit Blattgold. ddp

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