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Panorama Hannah Herzsprung: „Ich bin gar nicht so gern in der Öffentlichkeit“
Nachrichten Panorama Hannah Herzsprung: „Ich bin gar nicht so gern in der Öffentlichkeit“
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23:05 08.02.2019
Schauspielerin Hannah Herzsprung spricht im RND-Interview über Freundschaften und Romantik. Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Frau Herzsprung, wie sind Sie an Ihren wohlklingenden Namen gekommen?

Meinen Sie jetzt Herzsprung oder Hannah? Der Vorname kommt aus dem Hebräischen, auch die Schreibweise mit dem „h“ am Ende. Bei Herzsprung weiß ich es gar nicht so genau. Familienintern konnte ich das nie recherchieren. Als Mädchen habe ich den Namen jedenfalls oft gezeichnet, gern auch als Unterschrift in Poesiealben – ein Herz mit zwei Beinen dran, die wegspringen. Das fand ich als Kind wirklich romantisch.

Sind Sie immer noch eine Romantikerin?

Oh, ja, zum Beispiel beim Filme­schauen bin ich eine große Heulsuse. Wenn es mich packt, dann so richtig. Kürzlich hat es mich bei „Ziemlich beste Freunde“ wieder richtig zerrissen. Und im Flugzeug habe ich mich kürzlich noch einmal von dem Hundefilm „Marley & Ich“ über eine Familie und ihren Labrador anrühren lassen. Immer wenn der Filmhund Marley stirbt, ist es um mich geschehen. In diesem Fall habe ich mit Tränen in den Augen auf meinem Flugzeugsitz gehockt, dann kam die Stewardess vorbei und hat mich ganz mitfühlend gefragt, ob bei mir wirklich alles in Ordnung ist. Ich bin nun mal mit Hunden aufgewachsen. Da geht einem so eine Beziehungsgeschichte zwischen Vierbeiner und Mensch zu Herzen.

Welches war denn der größte Liebesfilm, in dem Sie selbst mitgespielt haben?

Ich würde sagen: „Die geliebten Schwestern“ von Dominik Graf. Dieses Ménage-à-trois um den deutschen Dichter Friedrich Schiller und die zwei Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld, die sich beide in ihn verlieben: Das war eine hoch emotionale Angelegenheit.

„Ich mag zupackende Rollen“

In Ihrem aktuellen Film „Sweethearts“ kommt Ihre Figur gut ohne Mann aus: Sie spielen eine toughe, alleinerziehende Mutter, die ihrer Tochter erst ein Wonder-Woman-Kostüm verspricht und dann mal eben zum Juwelenraub aufbricht: Tun Mütter so was?

Diese Mutter schon. Solche zupackenden Rollen mag ich. Mel möchte eine bessere Perspektive für ihr Kind – eine Chance, wie sie selbst sie nie hatte, weil sie in kriminelle Kreise geraten ist. Allein mit diesem Ziel lässt sie sich auf den Juwelenraub ein. Mel weiß genau, wenn sie das jetzt nicht tut, dann wird die Chance nie wiederkommen.

Dann läuft der Raub aber komplett aus dem Ruder ...

... stimmt genau, und Mel sieht sich plötzlich gezwungen, ausgerechnet eine Frau als Geisel zu nehmen, die schon im normalen Alltag ein Nervenbündel ist und in ihrer Dauerpanik von dem Überfall gar nichts mitbekommen hat – gespielt von Karoline Herfurth, die auch Regie geführt hat.

Da Sie vermutlich bislang noch kein Juweliergeschäft überfallen haben: Was haben Sie in dieser Mel gefunden?

Na ja, genau wie Mel konnte auch ich mich bei einem Überfall mit anschließender Geiselnahme nur an Erfahrungen aus Filmen orientieren. Da hatten Mel und ich also schon mal etwas gemeinsam. Nachvollziehen kann ich aber auch ihr Gerechtigkeitsgefühl ihren Mitmenschen und auch sich selbst gegenüber. Sie verkörpert die Kraft, eine einmal begonnene Sache bis zum Ende durchzuziehen, egal wie hoch der Preis dafür ist. Diese Eigenschaft kenne ich durchaus auch von mir.

Geiselnahme: Hannah Herzsprung (r.) mit Karoline Herfurth in „Sweethearts“. Quelle: Reiner Bajo

In „Sweethearts“ kommen sich Entführerin und Entführte näher und werden zu Vertrauten: Was ist das Besondere an einer Frauenfreundschaft?

Leider weiß ich nicht so viel über Männerfreundschaften, um da unterscheiden zu können. Männerfreundschaften sollen ja auch etwas ganz Besonderes sein. Angeblich sind Männer untereinander nicht so kommunikativ, aber vermutlich stimmt das überhaupt nicht. Ich nehme an, Männer quatschen mindestens genauso viel wie Frauen, richtig?

Na ja ...

... Sehen Sie! Bei Frauen jedenfalls ist der Austausch untereinander das Tolle. So eine Freundschaft wird von Vertrauen getragen, da muss sich niemand groß erklären. Die Freundschaft wird beim nächsten Wiedersehen einfach fortgesetzt, so als wäre sie nie unterbrochen gewesen – egal, ob ein paar Jahre dazwischenliegen. Die zeitliche Distanz spielt überhaupt keine Rolle. So funktioniert das aber nur bei ganz wenigen Menschen. Das ist ein großes Geschenk und hat viel mit geben und nehmen zu tun – und auf Dauer gleicht sich beides garantiert immer wieder aus.

Sind Sie das, was man eine treue Seele nennt?

Ich glaube schon. Tatsächlich habe ich aus jedem meiner verschiedenen Lebensabschnitte noch immer Freundinnen. Und da sind inzwischen schon einige Stationen zusammengekommen: Ich bin in Hamburg geboren, in München aufgewachsen, habe in England mein Abitur gemacht und in Wien Kommunikationswissenschaften studiert.

Seit der US-Komödie „Harry und Sally“ wissen wir, dass Freundschaft zwischen Mann und Frau ohne Sex nicht möglich ist. Stimmen Sie diesem Befund zu?

Sehe ich nicht so. Ich bin seit meiner Jugend mit zwei Männern befreundet. Und da waren nie Gefühle im Spiel – auch nicht, wenn einer von uns gerade mal Single war. Da hat man sich dann vielleicht nur mal kurz gewundert, dass nichts passiert: Wir verbringen gern Zeit miteinander und können über alles reden. Wir verstehen uns so gut, wir müssten doch ein Superpaar sein.

„Ich nutze Facebook hauptsächlich für Filmprojekte“

Und das war es dann?

Wenn keine Erotik im Spiel ist, tut sich eben nichts, und wissen Sie was: Das ist sogar sehr gut so. Denn dann hält auch die Freundschaft länger.

Wie viel Energie stecken Sie in Ihre digitalen Beziehungen: Pflegen Sie Ihre Facebook-Freunde?

Um ehrlich zu sein: Ich benutze dieses Medium hauptsächlich für meine Filmprojekte. Facebook vereinfacht nun mal den Kontakt mit den Zuschauern. Private Dinge dagegen poste ich kaum. Da denke ich immer: Das interessiert jetzt doch keinen Menschen, das kann ich nicht in die Welt schicken. Und während ich so darüber sinniere, ist die Sache meistens auch schon wieder inaktuell geworden, und ich lasse es bleiben.

Aber Sie haben Ihr Handy doch gewiss ständig dabei?

Ich zücke es aber nicht dauernd und halte es mir vors Gesicht. Und das erwarte ich auch von meinem Gegenüber. Sonst verstumme ich ganz schnell. Die Verbindung zu meinem Gesprächspartner geht ruckzuck verloren. Handys sind wirklich toll, aber die Dinger gehen mir auch zunehmend auf die Nerven. Wenn ich mich in einem Restaurant umschaue, und da sitzen Paare an ihrem Tisch und reden nicht mehr miteinander, sondern starren schweigend auf ihre Smartphones: schrecklich!

Der Kinodurchbruch: Jenny (Hannah Herzsprung) hat ihre Gewaltausbrüche in dem Film „Vier Minuten“ nicht unter Kontrolle. Quelle: SWR/Arte

Ihre Popularität, egal ob mit oder ohne Facebook-Output, ist groß: Spüren Sie eine Verantwortung, sich auch politisch zu den nicht unbedingt beruhigenden politischen Entwicklungen in diesem Land zu Wort zu melden?

Wir Schauspielerinnen und Schauspieler haben tatsächlich die Möglichkeit, uns politisch zu äußern und dabei eher als andere Eindruck zu hinterlassen. Wir werden gehört. Gleichzeitig ist das ein ziemlich schmaler Grat. Ich finde es toll, wenn Kollegen Stellung beziehen. Das darf aber keine einmalige, zufällige Veranstaltung sein, sie müssen der Welt wirklich etwas zu sagen haben.

Dann legen Sie doch jetzt gleich mal los.

Moment noch, ich bin ja noch nicht fertig mit meiner Antwort: Gleichzeitig finde ich, wenn jeder zu allem seinen Senf ungefragt dazugibt, dann ist das zu viel. Mein Beruf hat ja zunächst rein gar nichts mit Öffentlichkeit zu tun. Mein Arbeitsalltag besteht darin, mich vor eine Kamera zu stellen und für die Zuschauer eine Rolle so überzeugend wie möglich abzuliefern.

„Die Person Hannah Herzsprung ist nicht gern in der Öffentlichkeit“

Und wann reizt es Sie, mal deutlich zu werden?

Manchmal möchte ich schon eine Botschaft raushauen. Vielleicht kommt das ja auch noch, warten Sie es ab. Aber dann muss das Ganze auch wirklich Substanz haben. Die Person Hannah Herzsprung ist gar nicht so gern in der Öffentlichkeit präsent. Ich zeige mich lieber über meinen Beruf.

Aber Sie führen doch auch viele Interviews, so wie jetzt hier in diesem Berliner Hotel.

Stimmt, aber all dies kommt erst nach der Schauspielerei, auch die Arbeit mit den Medien. Ich habe diesen Beruf ja nicht gewählt, um berühmt zu werden. Sowieso musste ich auch erst mal lernen, Interviews zu geben. Manchmal schüchtern mich solche Gespräche heute noch ein.

Gehen Sie auf die Straße und demonstrieren?

Ja, und dann ist es mir auch nicht wichtig, ob mich jemand erkennt oder nicht. Meistens passiert das aber gar nicht – und wenn doch, dann sind das zumeist angenehme Begegnungen. Ich demonstriere nicht als Prominente, sondern als Bürgerin dieses Landes. Zum Beispiel war ich im Oktober bei „Unteilbar – Solidarität statt Ausgrenzung“ dabei, einer Demo für Solidarität, ziviles Engagement und gegen Rassismus in Deutschland.

Regisseurin und Hauptdarstellerin Karoline Herfurth (l) und Hannah Herzsprung bei der Weltpremiere des Films "Sweethearts" im Zoo Palast Berlin. Der Film kommt am 14.Februar in die Kinos. Quelle: Gerald Matzka/dpa

Bewirkt auch der zunehmende Protest der Frauen in Ihrer eigenen Branche etwas: Nimmt die Ungleichbehandlung im Kinogeschäft erkennbar ab?

Es gibt immer noch mehr starke Männerrollen, gar keine Frage. Aber wir Frauen arbeiten daran, dass sich das ändert und das Bewusstsein für Gleichberechtigung auch auf der Leinwand weiterwächst. Nehmen Sie nur Karoline Herfurth. „Sweethearts“ ist bereits ihr zweiter Film. Karoline hat den Mut, wunderbare Frauenrollen zu schreiben. Und der aktuelle Film ist noch gar nicht im Kino angelaufen, da hat sie schon wieder den dritten in der Mache.

Haben Sie immer noch die Angewohnheit, bei Castings zu flunkern, wenn Sie eine Rolle partout haben wollen?

Jetzt spielen Sie auf „Vier Minuten“ an, richtig? Das war mein erster richtig großer Kinoerfolg, als ich mich um die Rolle der musikalisch hochbegabten und um sich boxenden Gefängnisinsassin Jenny beworben hatte – leider ohne Klavier spielen oder kickboxen zu können, wie es beim Vorsprechen verlangt wurde.

Genau. Würden Sie das heute wieder so halten?

Das würde ich tatsächlich immer wieder tun. Aber das war ja damals keine bewusste Lüge. Das ist so passiert, ich war mir über die Konsequenzen gar nicht recht im Klaren. Allerdings würde ich nie etwas behaupten, was ich dann nicht auch hinkriegen würde. Ich will ja gut sein in dem, was ich zeige. Damals bei „Vier Minuten“ habe ich alles dafür getan, damit diese kleine Notlüge niemandem Probleme bereitet – auch nicht mir selbst. Monatelang habe ich mich voll und ganz in die Rolle reingehängt und von morgens bis abends trainiert. Das hat ja dann zum Glück auch ganz gut geklappt.

Zur Person: Hannah Herzsprung

Berühmt gemacht hat Hannah Herzsprung der Film, in dem sie mit Handschellen Klavier spielt und mit voller Wucht gegen eine Panzerglasscheibe anrennt: Im Kinodrama „Vier Minuten“ (2006) verkörpert sie die wegen Mordes verurteilte Jenny. Die Gefängnisinsassin. gilt als unberechenbar, ist aggressiv und vor allem: Jenny ist musikalisch hochbegabt.

In der deutschen Kinolandschaft sorgte dieser Auftritt (an der Seite der inzwischen verstorbenen Monica Bleibtreu) für Beifallsstürme. Für den Film brach Herzsprung ihr Studium der Kommunikationswissenschaften in Wien ab und widmete sich ganz der Schauspielerei. Von nun an galt sie als Frau für extreme Aufgaben.

Man könnte meinen, dass für die 1981 in Hamburg geborene Tochter des Schauspielers Bernd Herzsprung und der Modedesignerein Barbara Engel die Karriere vor der Kamera selbstverständlich war. Doch bei ihr zu Hause wurde stets zwischen Familie und Schauspielerei getrennt. Die Tochter sollte ihren eigenen Weg gehen: Herzsprung besuchte ein Internat in England, nahm später Ballett- und auch privaten Schauspielunterricht. Zwischendurch arbeitete sie ein Jahr lang als Produktionsassistentin in der „Bullyparade“ von Michael Herbig.

Inzwischen gilt Herzsprung als eine der erfolgreichsten Darstellerinnen ihrer Generation. Sie spielte im „Baader-Meinhof-Komplex“ (2008) die RAF-Terroristin Susanne Albrecht, in „Werther“ (2008) dessen geliebte Lotte und in „Ludwig II“ die Sissi (die bis dahin alle mit dem Gesicht von Romy Schneider verbanden).

Genauso war Herzsprung dabei im Hacker-Thriller „Who Am I“ (2013) und in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ (2018). Auch die boomenden Serien hat Herzsprung längst schon für sich entdeckt: „Weissensee“, „Babylon Berlin“, „Dogs of Berlin“ – überall ist sie mit von der Partie.

Vivian Naefe, ihre Regisseurin in dem Familiendrama „Der Geschmack von Apfelkernen“ (2013), machte ihr ein Kompliment, auf das sie besonders stolz ist: Hannah Herzsprung habe die Fähigkeit, das Innerste ihrer Figuren nach außen zu kehren.

Nun spielt Herzsprung in Karoline Herfurths Feel-Good-Movie „Sweethearts“ eine Mutter, die mal eben für ihre Tochter einen Juwelier überfällt, bald schon zwei Geiseln (Herfurth und Frederick Lau) in Schach halten muss und darüber hinaus eine unbarmherzige Polizistin (Anneke Kim Sarnau) auf ihren Fersen weiß. Das Roadmovie mit Romantiktouch startet am 14. Februar in den Kinos.

Von Stefan Stosch

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