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Panorama Haiti: Verzweiflung schlägt in Gewalt um
Nachrichten Panorama Haiti: Verzweiflung schlägt in Gewalt um
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14:03 18.01.2010
Verzweifelt: Die Menschen auf Haiti haben Hunger und Durst, Hilfe kommt viel zu spät Quelle: afp
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Doch es gibt auch positive Meldungen: Mehr als fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben ziehen Rettungskräfte weiter Überlebende aus den Trümmern. In dem im Chaos versinkenden Staat werden noch 23 Deutsche vermisst.

Die Polizei fuhr mit Lastwagen in eine Menge am Alten Markt in der Hauptstadt Port-au-Prince, um Hunderte Menschen auseinanderzutreiben, die versuchten, Güter aus teilweise zerstörten Läden mitgehen zu lassen. Im Elendsviertel Cité Soleil beobachtete ein Reporter, wie ein Bewaffneter einem Motorradfahrer einen Sack Reis raubte.



Im Stadtteil Delmas sammelte sich am Sonntag eine Menschenmenge an den Leichen von zwei mutmaßlichen Plünderern, die von aufgebrachten Einwohner erschlagen worden waren. Vermummte junge Männer zogen mit Macheten durch die Stadtviertel. Die Behörden warnten davor, dass sich die Gewalt weiter ausbreiten könnte. Ein Polizist sagte, es gebe die Anordnung, nur im Notfall auf Menschen zu schießen. „Wir sind zu wenig und diese Leute sind zu verzweifelt.“

Rettung nach fünf Tagen

Am Sonntagabend gelang es Rettungskräften, aus den Trümmern eines Supermarkts zwei Überlebende zu bergen. Der 30 Jahre alte Mann und die 40-jährige Frau konnten sich von Lebensmitteln des eingestürzten Ladens ernähren. Zuvor hatte ein Polizist gemeldet, drei weitere Menschen seien gerettet worden. Allerdings sank die Chance für die Verschütteten von Stunde zu Stunde.

Unter den Trümmern eines eingestürzten Hotels entdeckten Helfer mit Suchhunden ein 16 Jahre altes Mädchen und bargen es. Auch auf dem Gelände des zerstörten UN-Hauptquartiers in der haitianischen Hauptstadt wurde am Sonntag ein Mitarbeiter aus den Trümmern gerettet. Mindestens 39 seiner Kolleginnen und Kollegen kamen dort aber um - darunter auch der Chef der UN-Mission, Hedi Annabi.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben mehr als 1.700 Rettungskräfte bislang über 70 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Verschüttete könnten unter optimalen Bedingungen bestenfalls bis (zum heutigen) Montag überleben, erklärte eine UN-Sprecherin.

Mehr UN-Blauhelme und US-Marineinfanteristen

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte am Sonntag bei einem Besuch der zerstörten UN-Mission, das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen wolle eine Million Menschen innerhalb von zwei Wochen Nahrung zur Verfügung stellen. Die Zahl solle in einem Monat verdoppelt werden. Ban rief die verzweifelten Menschen in Haiti zu Geduld auf.

Der Leiter der UN-Friedensmissionen, Alain Le Roy, kündigte an, er werde im Sicherheitsrat beantragen, die Mission mit derzeit 7.000 Soldaten und 2.100 internationalen Polizisten vorübergehend aufzustocken. So habe die benachbarte Dominikanische Republik die Entsendung von 700 Soldaten angeboten. Zudem wurden am Montag weitere US-Marineinfanteristen in Haiti erwartet, um die Hilfsorganisationen bei der Verteilung der Hilfsgüter zu unterstützen.

Erschütternde Szenen in Altenheim

Erschütternde Szenen spielten sich in einem stark zerstörten Altenheim ab. Für die 85 überlebenden Bewohner gibt es weder Lebensmittel noch Wasser oder Arzneimittel. Ein Bewohner ist bereits gestorben, weitere werden unweigerlich folgen, wenn nicht unverzüglich Wasser und Nahrungsmittel in dem Heim nur gut einen Kilometer vom Flughafen entfernt eintreffen, wie Leiter Jean Emmanuel sagt.

Auch gegen Präsident Rene Preval richtet sich der Zorn der Menschen. Bislang ließ sich Preval weder bei den Rettungskräften sehen, noch wandte er sich seit dem Beben direkt an das Volk. Deshalb mehren sich die Rufe nach einer Rückkehr von Jean-Bertrand Aristide, der 2004 abgesetzt wurde und derzeit im Exil in Südafrika lebt.

Westerwelle ruft zu Spenden auf

In Haiti werden laut Bundesaußenminister Guido Westerwelle noch 23 Deutsche vermisst. Am Wochenende war ein erstes deutsches Todesopfer bestätigt worden. In der ARD rief der FDP-Politiker am Sonntagabend zu Spenden auf. „Ich bitte die Bürgerinnen und Bürger von ganzem Herzen darum, jetzt auch ihr Herz und ihr Portemonnaie zu öffnen.“ apn

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