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Das Entführungsopfer nimmt der Fall offensichtlich immer noch mit. James A. kamen nach dem Prozess die Tränen.© dpa

Selbstjustiz

Haft für Rentner-Gang nach Entführung ihres Finanzberaters

Weil sich fünf Rentner von einem Finanzberater betrogen fühlten, entführten sie ihn und hielten ihn vier Tage lang in einem Keller gefangen. Aber statt zwei Millionen Euro zu kassieren, müssen die beiden Haupttäter jetzt ins Gefängnis.

Traunstein. Das Landgericht Traunstein verurteilt den 74-jährigen Roland K. am Dienstag wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung zu sechs Jahren Gefängnis. Der vermögende Bauunternehmer hatte seinen Anlageberater James A. mit dem Tode bedroht, um ihn zur Überweisung der angeblich zu Recht geforderten Millionensumme zu zwingen. „Er befürchtete, dass er von K. umgelegt würde“, sagte der Vorsitzende Richter Karl Niedermeier und sprach von einem besonders „spektakulären Fall von Selbstjustiz“.

Der 61-jährige Wilhelm D. wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Zwei Ehefrauen kamen mit 21 und 18 Monaten auf Bewährung davon. Das Verfahren gegen den fünften Täter, einen Arzt aus Schliersee, wurde krankheitshalber eingestellt.

Roland K. und Wilhelm D. hatten den Anlageberater James A. am 16. Juli 2009 in seiner Wohnung „heimtückisch und hinterlistig“ überfallen, gefesselt, geknebelt und mit einer Sackkarre durch die Fußgängerzone zu ihrem Auto transportiert, wo sie ihn in den Kofferraum eines Autos packten und in Roland K.s Haus am Chiemsee fuhren. Dort hielten sie ihn im Keller gefangen, bedrohten und zwangen ihn, Zahlungsanweisungen über 2,2 Millionen Euro auf ihre Konten zu unterschreiben. Auf einem Fax an seine Bank in Zürich konnte der Entführte aber einen versteckten Hilferuf schreiben. In der vierten Nacht seiner Gefangenschaft wurde er von einem Sondereinsatzkommando der Polizei aus seinem Kellerverlies befreit.

Die Männer und Frauen im Alter zwischen 61 und 80 Jahren hatten die gemeinsame Tat im Prozess gestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte zwischen neun und zwei Jahren Haft gefordert, die Verteidiger hatten auf Strafen zwischen vier und anderthalb Jahren plädiert. Ob Revision eingelegt wird, blieb zunächst offen.

Das Bauunternehmer- und das Arzt-Ehepaar hatten bei dem Finanzberater 1,4 Millionen Dollar angelegt und jahrelang horrende Zinsen kassiert. Aber in der Finanzkrise war der Geldstrom plötzlich versiegt. Wilhelm D. forderte als ehemaliger Angestellter des Finanzberaters von ihm noch 0,7 Millionen Dollar angeblich nicht bezahlter Provisionen. „Ob und in welcher Höhe Ansprüche zustehen, konnte in diesem Verfahren nicht geklärt werden“, sagte der Richter.

Die beiden Entführer K. und D. hätten ihr Opfer aber in Lebensgefahr gebracht, weil sie ihm mit Klebeband für Stunden den Mund zuklebten. „Es bestand Erstickungsgefahr“, sagte Niedermeier. Roland L. habe seinem Opfer gegen den Hals und nach einem Fluchtversuch mit Fäusten ins Gesicht geschlagen, bis er blutete. In seinem Haus am Chiemsee habe Roland K. den Finanzberater schließlich mit dem Tode bedroht. „Wenn er wieder sagen würde, er habe kein Geld, werde er ihn umlegen“, sagte der Richter. Die anderen seien einverstanden gewesen, den Finanzberater festzuhalten, um ihre Geldforderungen durchzusetzen.

Der 74-jährige Bauunternehmer „war der Initiator des Unternehmens. Er hat es mit großer krimineller Energie vorbereitet und D. und seine Frau mit hineingezogen“, sagte der Vorsitzende. Außerdem habe er nur gestanden, was nicht mehr zu bestreiten war. „Seine Einsicht und Reue hielt sich in Grenzen.“ Wilhelm D. hielt das Gericht dagegen sein frühes Geständnis und seine verzweifelte wirtschaftliche Notlage zugute. Er wurde wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. ap


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