Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Giftschlamm erreicht die Donau
Nachrichten Panorama Giftschlamm erreicht die Donau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:56 07.10.2010
Retter überprüfen das Wrack eines Autos, das von der Giftlawine auf einen Acker gespült wurde. Quelle: ap
Anzeige

Am Zusammenfluss von Raab und Donau seien vereinzelt tote Fische entdeckt worden, sagte der Chef der regionalen Katastrophenschutzbehörde, Tibor Dobson, der Nachrichtenagentur AFP.

An der Raab-Mündung sei im Wasser der Donau ein pH-Wert von 9,1 gemessen worden. „Diesen Wert können Fische nicht überleben“, erklärte Dobson. Auf einer bis zu 14 gehenden Skala sind pH-Werte bis sechs sauer und ab acht alkalisch. Werte zwischen sechs und acht sind neutral. Normalerweise hat das Wasser einen Wert von acht.

Nach dem Unfall am Montag waren Schutzmaßnahmen eingeleitet worden, um die Ausbreitung der giftigen Schwermetalle in den Flussgebieten westlich von Budapest zu verhindern. Arbeiter und Feuerwehrleute verteilten mehrere Tonnen Gips zur Neutralisierung des Gifts. „Das war umsonst“, sagte Dobson der ungarischen Nachrichtenagentur MTI. So sei das gesamte Ökosystem des Raab-Zuflusses Marcal zerstört. „Alle Fische sind tot, und wir konnten auch die Vegetation nicht retten.“

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban sagte bei einem Besuch in dem von dem Unglück betroffenen Dorf Kolontar, der vollständige Wiederaufbau der Siedlung werde vermutlich nicht möglich sein. „Wahrscheinlich muss ein neuer Ort für die Bewohner gefunden werden, denn hier zu leben ist unmöglich.“ Finanzielle Hilfe aus dem Ausland brauche Ungarn nicht, aber das Land sei offen für Ratschläge von Experten. Die EU-Kommission bot Ungarn und anderen betroffenen Staaten Hilfe an.

Die rumänische Wasserbehörde rechnete am Donnerstag nach Angaben eines Sprechers damit, dass das Gift in der Donau Rumänien am Samstag erreichen könnte. Die Behörde stehe in engem Kontakt mit den ungarischen Kollegen, sagte der Sprecher. Mitarbeiter der Behörde beklagten dagegen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP eine unvollständige Informationspolitik hinsichtlich der im Wasser enthaltenen Giftstoffe.

Am Montag waren aus einem Auffangbecken in der Aluminiumfabrik Ajka, 165 Kilometer westlich von Budapest, etwa 1,1 Millionen Kubikmeter hochgiftiger roter Schlamm ausgelaufen. Vier Menschen starben, darunter ein Kleinkind, mehr als 120 weitere wurden verletzt und drei Menschen wurden noch immer vermisst.

Die Umweltschutzorganisation WWF machte die Betreiberfirma, aber auch die Europäische Union für die Katastrophe in der Aluminiumfabrik Ajka verantwortlich. „Nach Behördenangaben sind die nach WWF-Ansicht ohnehin viel zu laschen Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten worden“, erklärte der WWF. Die EU trage eine Mitschuld, weil die Sicherheitsstandards in der Bergbauindustrie viel zu niedrig seien. afp

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige