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Panorama Frau schlägt Wolf mit Walkingstock in die Flucht
Nachrichten Panorama Frau schlägt Wolf mit Walkingstock in die Flucht
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18:15 12.12.2017
In Brandenburg leben mittlerweile wieder zahlreiche Wolfsrudel (Symbolbild).   Quelle: dpa
Gerbs

 Es passierte dicht am Berliner Fernsehturm. Monika Wolter war auf dem Weg zu einer Nachbarsfamilie, in deren Garten seit 1977 ein Nachbau des hauptstädtischen Wahrzeichen steht, als ihr im Schein der Straßenlampe zum ersten Mal im Leben ein Wolf gegenüberstand. Mitten im kleinen Dorf Grebs bei Glienecke. Es war erst kurz nach acht am Abend. Zwar verschlug es der Rentnerin die Sprache, doch nicht freudig überrascht wie bei der Begegnung mit einem als verschollen geglaubten Verwandten.

„In Lauerstellung stand er mir auf der anderen Fahrbahnseite gegenüber. Von Scheu keine Spur. Ich habe gedacht, der springt mich gleich an“, erinnert sich Monika Wolter. Sie stand wie versteinert am Straßenrand, der Wolf behielt die Frau im Auge. Nach dem ersten Schock besann sich die Grebserin auf ihre einzige Waffe – ein Walkingstock.

Mulmiges Gefühl bei den Bewohnern

„Ich fuchtelte mit dem Stock in der Luft herum. Außerdem fing ich an zu schreien, um dem Wolf Angst und mir selbst Mut zu machen.“ Die Vergrämung funktionierte. Isegrim drehte eine Schleife und machte sich davon. Doch im Dunkeln mag Monika Wolter ihr Haus nicht mehr verlassen.

Dass sich der Wolf im Umkreis ihrer 60-Seelen-Ortschaft herumtreibt, ist für die Grebser zum Alltag geworden. Immer wieder werden Fährten entlang der Waldränder entdeckt. Von dort aus sollen Wölfe seelenruhig eine Mutterkuhherde beobachtet haben. Doch dabei bleibt es nicht. Bauer Bernd Tietz hat in diesem Jahr den Verlust von sechs Kälbern zu beklagen. Alle diese Weidetiere auf den Wiesen wurden von Wölfen getötet. „Das ist schlimm genug. Aber dass die Wölfe so nahe an unsere Häuser heranrücken, sorgt bei unseren Einwohnern für ein mulmiges Gefühl“, steht für Bauersfrau Silvia Tietz fest.

Seit der Wolfsbegegnung von Monika Wolter steht fest, dass die Räuber nicht aus Langeweile durchs Dorf schnüren. Sie machen in unmittelbarer Nähe der Menschen Jagd auf Wild, das sich in Siedlungen zurückzieht. So war es kein Zufall, dass sich mindestens ein Wolf am Wochenende in der Grebser Ortslage aufhielt. Er wollte zu seiner Beute zurück. Auf einem freien Grundstück neben dem Trekkerschuppen entdeckten die Grebser ein gerissenes Stück Damwild. Das Kalb wurde nur wenige Meter vom nächsten Haus gerissen. Solch einen Fall hat es im Dorf bisher nicht gegeben.

Höhere und dichtere Zäune

Aufpassen muss auch die Familie von Manfred Geserick. Diese hält ein Pony und zwei Alpakas. „Die großen Spuren waren dicht an unserem Gehöft zu erkennen. Inzwischen haben wir zwei Wildkameras aufgestellt. Ein Wolf war noch nicht dabei. Aber die Aufnahmen zeigen, wie unser Pony nachts im Kreis läuft. Das macht es immer, wenn es sehr aufgeregt ist“, berichtet der pensionierte Schulleiter.

Wolfsbeauftragte und Behörden raten gebetsmühlenartig zu höheren und dichteren Zäunen. Bei Weidetieren am besten mit vier bis fünf stromführenden Litzen. Möglicherweise gehören die Grebser Wölfe zum Rudel im benachbarten Gräben. Die Ausläufer des Vorflämings sind wildreich und bieten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten.

Monika Wolter hat beim Besuch vom Wolf nicht nur Angst um sich gehabt. Sie ist Halterin einer Herde Kamerunschafe: „Nachts kommen alle Schafe in einen Bereich mit extra hohen Zaunlatten.“ Bis jetzt ist sie von Tierverlusten verschont geblieben. Doch was bedeutet das schon? Dass sie eines Tages auf der Dorfstraße einem Wolf Auge in Auge gegenübersteht, hätte vor ein paar Jahren auch kein Mensch für möglich gehalten.

Von Frank Bürstenbinder MAZ/RND

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