Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Familienvater gesteht 1000 Sexdelikte
Nachrichten Panorama Familienvater gesteht 1000 Sexdelikte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:37 27.09.2010
Vor Gericht: Der Angeklagte Familienvater aus Altenahr (re.) mit seinem Anwalt Thomas Ohm. Quelle: dpa
Anzeige

Düsseldorf. Ihm werden zwar mehr als 1000 Sexualtaten zur Last gelegt, angeklagt wurde der Mann aber lediglich in neun Fällen wegen Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung. Der Großteil der Taten geht auf eine - nicht strafbare - „Mitleidsmasche“ zurück, mit der sich der Mann sexuelle Befriedigung erschlich. Der Vorsitzende Richter Rudolph Wolff sagte, das Gericht erwäge die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann zwischen 1998 und Februar 2010 fünf Vergewaltigungen und vier Versuche in Köln, Bonn, Düsseldorf und Aachen vor. Der Mann soll aber auch in Belgien Frauen vergewaltigt haben. Dazu sei er nachts maskiert mit einem Nylon- Strumpf seiner Frau und mit einem Messer bewaffnet in Erdgeschosswohnungen eingedrungen, sagte eine als Zeugin geladene Vernehmungsbeamtin. Auch Studentenwohnheime gehörten zu den bevorzugten Zielen.

Die meist schlafenden Opfer bedrohte der Mann laut Anklage mit dem Messer, einige Male flüchtete er bei Gegenwehr. In einem Fall kam es sogar zu einem Gerangel mit dem gerade nach Hause zurückgekehrten Ehemann eines Opfers. Der Angreifer habe dem Ehemann gedroht, ihn „abzustechen“, und sei geflüchtet. Alter oder Aussehen habe bei der Auswahl der Opfer keine Rolle gespielt, sagte die Beamtin. In Deutschland habe der Angeklagte bei den Überfällen in gebrochenem Deutsch gesprochen, in Belgien wurde den Opfern auf Englisch „Befehle erteilt“.

Der Mann gestand außerdem, sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als 1000 Mal als vermeintlich Körperbehinderter mit einer „Mitleidsmasche“ Frauen genähert zu haben. Dabei hatte er an Haustüren geklingelt, eine Armlähmung vorgetäuscht und darum gebeten, die Toilette benutzen zu dürfen. In bis zu 400 Fällen hätten ihn die Frauen auch in die Wohnung gelassen. Dort habe er sie um Hilfe beim Urinieren gebeten und einige überreden können, ihn sexuell zu befriedigen. Laut Gericht fallen diese Taten in einen nicht strafbaren „Grenzbereich“.

Eine weitere Masche des 46-Jährigen: der sogenannte Schamhaartrick. Dabei täuschte er in Bekleidungsgeschäften vor, seine Schamhaare bei der Hosenanprobe im Reißverschluss eingeklemmt zu haben - und Hilfe zu benötigen. Mit Tricks habe er sich außerdem ärztliche Rezepte für Massagen im Genitalbereich erschlichen.

Der „größte Kick“ sei es für den Angeklagten gewesen, wenn er mit seiner Mitleidsmasche „intelligente Frauen“ zu sexuellen Handlungen habe überreden können, ergänzte die Zeugin. Der Angeklagte habe eine Lese- und Schreibschwäche. Seiner Frau und den Kindern habe er sich immer unterlegen gefühlt. Der 46-Jährige sagte unter Tränen, er habe nach seinen Taten ein „schlechtes Gewissen“ gehabt.

Bereits seit 1995 verfügten die Behörden über genetisches Material des mutmaßlichen Täters. Aber erst im März dieses Jahres wurde der mit europäischem Haftbefehl gesuchte Mann gefasst. Auch mit Hilfe der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ war nach ihm gefahndet worden. Den entscheidenden Hinweis gab ein belgischer Polizist. Das Urteil in dem Prozess soll Ende Oktober verkündet werden. dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Köln ist Millionenstadt. Die viertgrößte Stadt Deutschlands und größte Nordrhein-Westfalens kommt auf genau 1.000.298 Einwohner.

27.09.2010

Mit drei Hundertschaften hat die Polizei weiter nach dem seit mehr als drei Wochen vermissten Mirco aus Grefrath gesucht. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, waren auch wieder Spürhunde im Einsatz. 

27.09.2010

Zwischen Frankreich und Russland gibt es nach fast 100 Jahren wieder eine exklusive Zugverbindung.

27.09.2010
Anzeige