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Panorama Eurostar-Panne: Zehntausende sitzen vor Weihnachten fest
Nachrichten Panorama Eurostar-Panne: Zehntausende sitzen vor Weihnachten fest
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13:42 20.12.2009
Nichts geht mehr: Tausende Reisende sitzen fest Quelle: afp

Zehntausende Menschen mussten am Samstag und Sonntag auf ihre geplanten Fahrten verzichten, weil Eurostar-Loks im Tunnel wegen des Winterwetters weiter ausfielen. In der Nacht zum Samstag hatten 2000 Menschen stundenlang in feststeckenden Zügen unter dem Kanal ausharren müssen.

„Ich kann den Betrieb nicht garantieren“, sagte Eurostar-Chef Richard Brown am Sonntag der BBC. Ob die Züge am Montag fahren, war laut einem Firmensprecher offen, nachdem bei Testfahrten weiter Lokomotiven im Tunnel ausfielen. Laut Eurostar ist dafür der Temperaturunterschied verantwortlich, wenn sie in die wärmeren Tunnel einfahren. Allein am Sonntag konnten deshalb zu Beginn der Weihnachtsferien 24.000 Passagiere ihre Reise nicht antreten. Eurostar bot ihnen eine Erstattung ihrer Fahrscheine sowie ein Gratisticket an; auch Übernachtungskosten und Taxifahrten wollte das Unternehmen übernehmen.

In der Nacht zum Samstag waren fünf Eurostar-Züge im Tunnel ausgefallen. Mehr als 2000 Passagiere saßen dort bis zu sieben Stunden fest. „Es gab Auseinandersetzungen mit dem Zugpersonal, die Leute hielten es nicht mehr aus, eingesperrt zu sein“, sagte der französische Passagier Patrick Dussaut. „Es gab keine Lebensmittel an Bord.“ Auch Wasser fehlte, und der Strom fiel aus. „Es war ein einziger Alptraum“, sagte der Brite Lee Godfrey der BBC, der von einem Besuch im Pariser Disneyland mit seiner Familie nach London zurückreisen wollte. Viele Leute seien in Panik gewesen, die Kinder hätten Angst gehabt.

Die Tunnelbetreibergesellschaft Eurotunnel schickte eigene Züge zu Hilfe. Mehr als 1300 Menschen mussten in die Bahnen umsteigen, die normalerweise Lkw und Autos transportieren. Passagiere kritisierten, sie hätten mit ihrem Gepäck auf den verschmutzten Fahrzeugabstellplätzen auf dem Boden sitzen müssen; ein französischer Fahrgast sprach von „Viehwaggons“.

Die französische Eisenbahner-Gewerkschaft CGT-cheminots warf Eurostar vor, die Wartung der Züge vernachlässigt zu haben. „Die Erklärung kann nicht nur in einigen Schneeflocken und Temperaturwechseln liegen“, sagte ihr Chef Didier Le Reste. „Ich glaube, dass es einen Zusammenhang mit der Verringerung des Wartungspersonals gibt.“

Das Problem mit den Eurostar-Zügen sei bekannt, sagte der Betriebsleiter von Eurotunnel, Pascal Sainson. Der auf den Zügen angesammelte Schnee schmelze bei der Fahrt in den Tunnel und dringe „in das Lüftungssystem ein, wo er einen Kurzschluss im Motor erzeugt“. Danach ließen sich die Loks nicht mehr starten. Bei den Zügen von Eurotunnel gebe es das Problem nicht, weil diese eine andere Bauweise hätten.

Anders als von Eurostar behauptet, war es laut der Londoner „Sunday Times“ auch nicht das erste Mal, dass deshalb Passagiere im Tunnel steckenblieben. So hätten im Februar tausend Fahrgäste drei Stunden lang unter dem Ärmelkanal ausharren müssen. In Großbritannien forderte ein konservativer Abgeordneter den Rücktritt von Eurostar-Chef Brown.

Die Eurostar-Züge verkehren zwischen London und Paris sowie London und Brüssel durch den Ärmelkanaltunnel. Die Verbindung zwischen London und Paris dauert zwei Stunden und 15 Minuten und eine Stunde und 51 Minuten zwischen der britischen Hauptstadt und Brüssel. afp

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