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Panorama Eine Stadt hofft auf das Ende des Hochwassers - viele Fotos
Nachrichten Panorama Eine Stadt hofft auf das Ende des Hochwassers - viele Fotos
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18:24 28.08.2010
Ein Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks sichert das Ufer des Flüsschens Dinkel im Zentrum von Gronau mit Sandsäcken ab. Quelle: dpa
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GRONAU. Die ganze Nacht haben Feuerwehrmann Günter Meyer und seine Kollegen geackert, um vor dem St.-Antonius-Hospital im westfälischen Gronau einen kleinen Deich zu errichten. Jetzt sind sie todmüde und warten am Samstagmittag nur noch auf Ablösung. „Ich glaube, das Wasser fällt jetzt wieder“, sagt Feuerwehrmann Meyer. Wie in vielen Orten in der Region um Münster und Osnabrück ist auch Gronau an der niederländischen Grenze von den sintflutartigen Regenfällen der vergangenen Tage schwer betroffen. Und dort wie in vielen anderen Orten heißt es am Samstag weiter: „Land unter“.

In Gronau hat das große Aufräumen nach dem Chaos noch nicht begonnen, dort sind die Einsatzkräfte nach wie vor damit beschäftigt, gegen die Wassermassen anzukämpfen. Feuerwehrmann Meyer schaut auf die Dinkel, die normalerweise ein kleines harmloses Flüsschen ist. Wegen des heftigen Regens der vergangenen Tage schwoll sie zu einem Strom an und fraß sich tief in den Park des Hospitals hinein. Schmutzig-braun leckt das Wasser an dem provisorischen Deich. Meyers Pieper geht. „Ich muss jetzt zur Wache“, sagt er.

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Auch wenn der Pegelstand zum Stillstand gekommen ist, können weitere Regenfälle die Lage in den nächsten Stunden wieder verschärfen.

Etwa einen Kilometer weiter entlang des Flusses steht Cenan Üzel vor den Trümmern ihrer Existenz. Vor vier Monaten erst hat sie ihr Café „Kir Royal“ in der Gronauer Fußgängerzone eröffnet. Jetzt hat das Hochwasser Totalschaden angerichtet. „Als ich das heute morgen gesehen habe, musste ich richtig heulen“, sagt die zierliche dunkelhaarige Frau. Sie hat schwarze Ringe unter den Augen. Seit drei Uhr nachts habe sie mit ihrem Bruder Sandsäcke geschleppt.

„Sehen Sie sich das an“, sagt sie verzweifelt und geht in die Gaststube, die direkt neben dem Fluss an einer Brücke liegt. Das frisch gelegte Laminat ist aufgequollen. „Der Tresen hat sich voll Wasser gesogen. Alle Maschinen sind kaputt. Auch der Öltank im Keller.“ Sie sieht aus dem Fenster. Das braune Wasser der Dinkel zischt tobend wenige Zentimeter unter der Fensterbank entlang. Der Biergarten, der zu ihrer Kneipe gehört, steht auch unter Wasser. Üzel weiß noch nicht, ob und wie viel die Versicherung zahlt.

Üzels Nachbarin Herma ten Wolde steht mit ihrer Zwillingsschwester Nelly ein paar Meter weiter in der Bahnhofsstraße. Auch diese Einkaufsstraße ist zu großen Teilen überschwemmt. Gurgelnd dreht sich das Wasser in einem Gully. „Seit Donnerstag haben wir Wasser im Keller“, erzählt die Niederländerin, die seit 20 Jahren in Gronau wohnt. „Noch zwei Zentimeter höher, und unsere Heizung ist kaputt.“

Matthias Sandkamp radelt mit seiner siebenjährigen Tochter Lina durch Gronau. „Jetzt muss man zusammenhalten“, sagt er. Zuletzt war Gronau in den sechziger Jahren komplett überschwemmt. „Davon haben wir noch Bilder zu Hause.“

Wie in den anderen vom Hochwasser betroffenen Städten hört man auch in Gronau seit Donnerstagabend ständig Martinshörner. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk fahren durch die Straßen. „Die Situation stagniert“, sagt der Leiter des Krisenstabs in Gronau, Norbert Wiethöft. Das Wasser fließe zwar ab, aber für eine Entwarnung sei es noch zu früh. Wie lange die Gronauer weiter um ihr Hab und Gut bangen müssen, das steht an diesem Samstagmittag noch nicht fest. (dpa)

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