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Panorama Ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe bleiben viele Fragen ungeklärt
Nachrichten Panorama Ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe bleiben viele Fragen ungeklärt
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13:49 22.07.2011
Massenpanik: Im Gedränge starben 21 Menschen, totgetreten aus Panik. Quelle: dpa
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Duisburg. Unmittelbar vor dem Jahrestag der Loveparade-Katastrophe hat der nordrhein-westfälische Landtag demonstrativ auf politischen Streit über die Ursachen des Unglücks verzichtet. "Statt Schuld hin und her zu schieben, ist es die Stunde, Mitgefühl zu zeigen", sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Freitag.

Abgeordnete von SPD, Grünen, CDU und Linken mahnten übereinstimmend, auf "parteipolitisches Gezänk" zu verzichten. Nur die FDP nutzte die von ihr beantragte Debatte zu Angriffen auf den Innenminister. "Die Verantwortung des Parlaments gegenüber den Opfern liegt gerade darin, die Ursachen der Katastrophe entschlossen aufzuklären", sagte FDP-Innenexperte Horst Engel. Er warf Jäger vor, den Landtag nicht sauber über den Einsatz der Polizei, ihre Zuständigkeiten und Befugnisse, aber auch über die katastrophale Kommunikation informiert zu haben.

Bei der Massenpanik während der Techno-Veranstaltung am 24. Juli vergangenen Jahres waren 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden verletzt. Die Schuldfrage ist ungeklärt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 16 Beschuldigte. Der Veranstalter Rainer Schaller und der umstrittene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sind nicht darunter.

Am Sonntag soll bei einer Gedenkfeier in der Duisburger MSV-Arena um die Opfer getrauert werden. Man habe sich bewusst für das Fußballstadion entschieden, um keine Enge aufkommen zu lassen, sagte Jäger. An der Trauerfeier wird auch das NRW-Kabinett teilnehmen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) spricht die Fürbitten.

Im Landtag bat CDU-Rechtsexperte Peter Biesenbach aus Respekt vor Todesopfern, Angehörigen und Verletzten, die politische Debatte zu verschieben - und ließ seinen eigenen Redebeitrag ausfallen. Für die SPD sagte der Landtagsabgeordnete Thomas Stotko: "Das ist ein Tag der Trauer und nicht ein Tag der Schuldzuweisungen." Es sei daher unwürdig, in "parteipolitisches Gezänk" zu verfallen. Teilnehmer der Loveparade, wie auch Helfer, Seelsorger und Ärzte hörten heute noch die Schreie, lebten in Angst mit schrecklichen Bildern und Erinnerungen, die präsent seien wie am ersten Tag.

Die Grünen riefen dazu auf, den "Geräuschpegel" zu senken, um in Würde und Anstand gedenken zu können. Viele seien am Tag der Katastrophe über sich hinaus gewachsen und hätten vorbildlich geholfen, erinnerte Matthi Bolte. Sie sollten neben den Opfern im Mittelpunkt stehen. Das Parlament werde darüber wachen, dass "kein Gras darüber wächst". Auch die Linken gedachten der Opfer.

Die FDP warf Innenminister Jäger eine unzutreffende und unvollständige Information des Parlaments vor. "Sie haben uns sogar Märchen aufgetischt, um nicht zu sagen: Eine Lügengeschichte", sagte Engel. Der Innenminister habe versucht, Defizite beim Polizeieinsatz zu verschleiern. Jäger betonte, die Ermittlungen seien nicht abgeschlossen. "Ich vertraue der Unabhängigkeit der Justiz, Klarheit zu schaffen", sagte er. Unter den 16 Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist ein Polizeiführer.

dpa

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