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Desinfektion eines Pflegers in einem Krankenhaus in Liberia. Nun hat sich auch ein Arzt in Nigeria infiziert, weitere Menschen zeigen Symptome.

Desinfektion eines Pflegers in einem Krankenhaus in Liberia. Nun hat sich auch ein Arzt in Nigeria infiziert, weitere Menschen zeigen Symptome. © Ahmed Jallanzo

Wissenschaft

Ebola nun auch in Nigeria

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat jetzt auch Nigeria erreicht. Ein Arzt, der einen kürzlich in Lagos verstorbenen Fluggast aus Liberia behandelt hatte, sei mit dem Virus infiziert, teilte Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu am Montag mit.

Abuja/Atlanta. Zwei weitere Menschen, die in Kontakt mit dem Mann waren und auf Isolierstationen liegen, zeigen demnach ebenfalls Symptome. Insgesamt befänden sich acht Nigerianer in Quarantäne, mehr als 60 weitere würden überwacht. Lagos ist eine Megametropole mit rund zehn Millionen Einwohnern, Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Die Weltgesundheitsorganisation meldete neue Zahlen zur Epidemie: Demnach hat Ebola in Westafrika inzwischen mindestens 887 Menschenleben gefordert.

Die Zahl registrierter Infektionen stieg bis zum 1. August auf 1603. Binnen zwei Tagen gab es damit 163 neu erfasste Fälle und 61 weitere Tote, 28 davon in Liberia, 21 in Sierra Leone und 12 in Guinea. Nach diesen Zahlen setzt sich die Epidemie ungebremst fort.

Der Zustand des in den USA behandelten Ebola-Arztes hat sich unterdessen ersten Berichten nach leicht gebessert. "Es ist ermutigend, dass es ihm besserzugehen scheint", sagte der Direktor der amerikanischen Seuchenbehörde CDC, Tom Frieden, dem US-Sender CBS. Das Krankenhaus der Emory-Universität in Atlanta hielt sich mit einer Bestätigung am Montag zunächst zurück. Der 33-jährige Kent Brantly ist der erste in den USA behandelte Ebola-Patient überhaupt.

Frieden gab sich kämpferisch: "Wir wissen jetzt, wie wir Ebola stoppen können", sagte er. Zwar sei der Ausbruch derzeit außer Kontrolle, die für den Kampf gegen die Seuche nötigen Methoden seien aber bekannt und erprobt. Der CDC-Direktor kündigte an, dass in den kommenden 30 Tagen insgesamt 50 US-Experten nach Westafrika geschickt werden.

Für Dienstag wurde die Ankunft einer mit Ebola infizierten US-Amerikanerin erwartet: Nancy Writebol hatte als Schwester und Missionarin in Liberia gearbeitet - ebenso wie Brantly für die Hilfsorganisation Samaritan's Purse. Der Arzt war am Samstag in den USA gelandet.

Die nächsten Tage sind Experten zufolge noch kritisch für den 33-Jährigen. Er hatte vor etwa einer Woche erste Ebola-Symptome gezeigt. Die WHO-Daten zeigen, dass bei der aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika gut die Hälfte der erfassten Infizierten nicht überleben. Brantlys Frau Amber habe nach einem Besuch in der Klinik erzählt, ihr Mann sei positiv gestimmt, hieß es von Samaritan's Purse.

Die frühere Gesundheitsministerin von Mali, Fatoumata Nafo-Traoré, warnte am Montag vor einer möglichen Ausbreitung des Virus auf andere Länder oder sogar Kontinente. "Ebola könnte andere Staaten erreichen, auch in Europa, weil die Leute weiter reisen und die Kontrollen und Tests an den Grenzen und Flughäfen häufig noch unangemessen sind", sagte die Gesundheitsexpertin.

Die Stadt Frankfurt mit Deutschlands größtem Flughafen wäre nach eigenen Angaben für einen Ebola-Fall gerüstet. Für den Fall, dass ein Passagier während des Flugs erkrankt, gebe es Notfallpläne, sagte Gesundheitsamts-Chef René Gottschalk. Die sei aber "extremst unwahrscheinlich". 2003 war der erste SARS-Patient auf europäischen Boden in Frankfurt gelandet, 2006 gab es einen Fall von Lassafieber.

Vorbereitet sieht sich auch die Bundeswehr für ihre in Westafrika stationierten Soldaten. "Der Truppenarzt der mehr als 150 deutschen Soldaten in Mali ist Tropenmediziner und hat längst einen Notfallplan für ein mögliches Übergreifen der Epidemie aus den Nachbarländern erarbeitet", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam.

Ohnehin gälten in Ländern mit gefährlichen Tropenkrankheiten spezielle Sicherheitsvorschriften - zum Beispiel dürften bestimmte Nahrungsmittel nur aus Europa kommen. In dem an Guinea grenzenden Mali trainiert die Bundeswehr im Rahmen einer EU-Mission einheimische Soldaten. Im ebenfalls angrenzenden Senegal sind 35 Bundeswehrsoldaten einer UN-Mission stationiert.

Die afrikanische Expertin Nafo-Traoré sieht die Hauptursache dafür, dass die Ebola-Epidemie in Guinea, Sierra-Leone und Liberia so außer Kontrolle geriet, in den schlechten Gesundheitssystemen der Länder. "Aber auch die religiösen und kulturellen Überzeugungen in der Region haben dazu geführt, dass Menschen ihre ebolakranken Angehörigen in ihren Häusern verstecken, statt sie an die Gesundheitsbehörden zu überstellen." Es herrsche große Angst, dass Familienmitglieder im Falle ihres Todes ohne die gängigen religiösen Riten und in namenlosen Gräbern beigesetzt würden.

Derweil gibt es aber auch Berichte, wonach in Liberia Ebola-Tote einfach am Straßenrand zurückgelassen werden. Zahlreiche Dorfbewohner meldeten sich bei den Gesundheitsbehörden und forderten diese auf, herumliegende Leichen abzuholen, berichtete die Zeitung "Front Page Africa" am Montag. Jedoch weigerten sich viele Gemeinden, die Toten auf ihrem Boden beisetzen zu lassen - aus Angst, auch dort könne es dann zu Infektionen kommen.

dpa


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