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Panorama EKD-Chef: Rücktritte schaden der Kirche - Propst leitet Hamburg
Nachrichten Panorama EKD-Chef: Rücktritte schaden der Kirche - Propst leitet Hamburg
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17:41 17.07.2010
Bischöfin Maria Jepsen unterhält sich mit dem Harburger Probst Jürgen Bollmann, ihrem vorläufigen Nachfolger. Quelle: dpa

HAMBURG. Die Rücktritte der Bischöfinnen Margot Käßmann und Maria Jepsen schaden nach Ansicht des EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider, der Kirche. Die Menschen seien irritiert, dass so etwas überhaupt in der Kirche vorkomme, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Samstag dem Sender NDR Info. Andererseits gebe es viel Respekt dafür, wie die beiden Bischöfinnen zu der Verantwortung des Amtes stünden und es „nicht ins Zwielicht“ geraten lassen wollten.

Nach dem Rücktritt Jepsens als Hamburger Bischöfin am Freitag übernimmt Propst Jürgen Bollmann kommissarisch ihre Amtsgeschäfte. Der 62-jährige Theologe war bisher ihr Stellvertreter. Er ist Propst im Kirchenkreis Hamburg-Ost und für den Bezirk Harburg zuständig. Sozialpolitisches Profil gewonnen hat er in den Bereichen Arbeitswelt und Behinderte, theologisch liegen ihm die Weltmission und die Ökumene besonders am Herzen.

Missbrauchsopfer und deren Angehörige haben unterdessen den Rücktritt Jepsens verhalten aufgenommen und eher als Überreaktion bewertet. „Frau Jepsen trägt vermutlich nur einen vergleichsweise geringen Anteil daran, dass die Missbrauchsfälle in Ahrensburg lange innerkirchlich vertuscht und von der Kirche nicht der Staatsanwaltschaft gemeldet wurden“, sagte Stephan Kohn der Nachrichtenagentur dpa. Der Sprecher der Betroffeneninitiative Missbrauch in Ahrensburg nahm Jepsen vor allzu großen Schuldzuweisungen in Schutz. „Der Rücktritt Jepsens zeugt von Verantwortungsgefühl der Bischöfin für ihre Kirche.“

In den vergangenen Tagen war die Bischöfin im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pastor in Ahrensburg immer stärker in die Kritik geraten. Der Pastor soll vor allem in den 80er Jahren heranwachsende Jungen und Mädchen missbraucht haben. Die Bischöfin will von den Vorwürfen erst im Frühjahr 2010 erfahren haben. Eine Zeugin erklärte in einer eidesstattlichen Versicherung, Jepsen bereits 1999 darauf angesprochen zu haben. Jepsen trat am Freitag zurück.

Kohn, nach eigener Aussage ein Bruder von in Ahrensburg missbrauchten Jugendlichen, sagte: „Ich erkenne in der Reaktion der Kirche, ihre Bischöfin jetzt fallen zu lassen, eine falsche Reihenfolge. Denn die Hauptschuld tragen der Pastor als Täter, und alle die trotz erwiesener Kenntnis der Taten nicht konsequent dagegen vorgegangen sind: die damals zuständige Pröpstin Heide Emse, Pastor Friedrich Hasselmann und dann das disziplinarrechtlich zuständige Kirchenamt.“

„Erst in den letzten Tagen haben wir erfahren, dass Frau Jepsen gar keine Weisungsbefugnis in das Kirchenamt hinein hat“, hieß es in einer Presseerklärung der Betroffeneninitiative. Der strukturelle Aufbau der nordelbischen Kirche sei die wesentliche Ursache dafür, dass die schrecklichen Taten in Ahrensburg über so lange Zeit hätten geschehen können.

Der stellvertretende Pressesprecher der Nordelbischen Kirche, Thomas Kärst bestätigte die Darstellung der Betroffeneninitiative, wonach Jepsen als Bischöfin keine Entscheidungsbefugnis für Versetzungen oder die Eröffnung von Disziplinarverfahren gehabt habe. Dies sei bei Pastoren zunächst der jeweilige Propst und in zweiter Instanz dann der Personaldezernent im Kirchenamt.

Über die Nachfolge Jepsens wird zunächst der Bischofswahlausschuss beraten und erfahrungsgemäß zwei oder drei Kandidaten benennen. Ein Termin für das erste Treffen stehe noch nicht fest, sagte Kärst. Der Vorsitzende der Nordelbischen Kirchenleitung, Bischof Gerhard Ulrich, kündigte im NDR Fernsehen an, eine Synode werde voraussichtlich Anfang nächsten Jahres über die Nachfolge Jepsens entscheiden.

Mit großem Bedauern und Respekt hatte die Nordelbische Kirche auf den Rücktritt reagiert. Es sei „eine besondere Tragik, dass Bischöfin Jepsen mit ihrem Rücktritt Verantwortung für etwas übernimmt, das ihr in keiner Weise als persönliche Schuld angelastet werden kann und darf“, sagte Ulrich.
Für bundesweites Aufsehen hatte auch der Rücktritt Käßmanns als EKD-Ratsvorsitzende und Bischöfin von Hannover am 24. Februar gesorgt. Sie war betrunken Auto gefahren und von der Polizei angehalten worden.

(dpa)

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