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Milliarden-Projekt: Der Teilchenbeschleuniger in Genf wurde 2007 installiert.

Protonen-Experiment

Die große Angst vorm schwarzen Loch

Kurz vor einem mit Spannung erwarteten Experiment im weltgrößten Teilchenbeschleuniger bei Genf hat das europäische Atomforschungszentrum CERN erneut Einwände von Kritikern zurückgewiesen, es könnten gefährliche schwarze Löcher entstehen.

Berlin.CERN-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer sagte am Montag im Deutschlandradio Kultur, durch die ab Dienstag geplanten Protonen-Zusammenstöße bei bislang nie erreichten Energien würden keine schwarzen Löcher erzeugt. Im Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) könnten eventuell lediglich „mikroskopische schwarze Löcher“ entstehen. Diese würden aber sofort wieder zerfallen.

Zudem mache das Universum seit Milliarden von Jahren pro Sekunde Milliarden derartiger Experimente, sagte Heuer. „Und wir sind immer noch da.“ CERN-Forscher waren zuvor bereits Einwänden entgegengetreten, die hypothetischen winzigen schwarzen Löcher könnten als gefräßige Schwerkraftmonster der Erde gefährlich werden. Kritiker hatten zudem ins Feld geführt, bei den Experimenten im LHC könnten so genannte „Strangelets“ entstehen - hypothetische Teilchen, die den Planeten verschlingen könnten. Heuer sagte dazu, wenn man Grundlagenforschung betreibe und Neuland betrete, gebe es stets derartige Ängste bei den Menschen.

Die CERN-Wissenschaftler wollen ab Dienstag den Versuch unternehmen, erstmals Protonen bei einer Energie von sieben Tera-Elektronenvolt miteinander kollidieren zu lassen. Dazu werden zwei Protonenstrahlen zusammengeführt, die in gegenläufiger Richtung durch den 27 Kilometer langen Tunnel bei Genf kreisen - mit einer Energie von jeweils 3,5 Tera-Elektronenvolt.

Zu einem späteren Zeitpunkt sollen im LHC Protonen sogar bei einer Energie von 14 Tera-Elektronenvolt zusammenprallen. Von den Experimenten erhoffen sich die Wissenschaftler Antworten auf offene Fragen zur Entstehung des Universums und zur Struktur der Materie. Dazu sollen Bedingungen wie unmittelbar nach dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren erzeugt werden.

Heuer sagte, bei dem Experiment am Dienstag würden die Kerne von Wasserstoffatomen extrahiert und anschließend beschleunigt. Diese Protonen würden dann zur Kollision gebracht. „Es ist, als ob Sie zwei Nadeln über dem Atlantik zusammenstoßen lassen wollen.“ Nach CERN-Angaben könnten mehrere Tage bis zu den ersten Kollisionen vergehen.

Als wesentlichen Bestandteil des Experiments nannte Heuer die Suche nach dem sogenannten Higgs-Teilchen. „Das ist nämlich der Mechanismus, den wir suchen, der den Elementarteilchen Masse gibt.“ Wenn dieses Higgs-Teilchen existiere, werde es auch am LHC gefunden. Damit wäre „das letzte fehlende Mosaiksteinchen“ im Standardmodell der Elementarteilchenphysik gefunden, sagte Heuer.

Der LHC-Teilchenbeschleuniger war nach mehr als einjährigen Reparaturarbeiten am 20. November 2009 wieder angelaufen - im September 2008 hatte die milliardenteure Anlage wegen schwerer Pannen kurz nach Inbetriebnahme gleich wieder abgestellt werden müssen. Beim Neustart lief der LHC zunächst nur mit gebremster Kraft an. Seitdem wurden Energie und Beschleunigung der Teilchen in der unterirdischen Anlage nahe der französisch-schweizerischen Grenze stetig erhöht. afp


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