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Panorama Der Elefant ist ganz schön grau geworden
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10:25 06.07.2017
Törööö! Benjamin Blümchen wird 40. Da darf man ruhig ein paar graue Haare haben. Quelle: Foto: dpa/iStock
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Hannover

„Törööö!“ Wie sonst soll ein Text zum 40. Geburtstag von Benjamin Blümchen anfangen? Obwohl es ja eindeutig ein „Trörööö“, ist, das erste „r“ ist in Michael Thilos Blümchen-Lied aus den frühen Tagen des Hörspiel-Elefanten noch deutlich zu hören. Benjamins Begeisterungs- und Siegesgebläse schaffte im Nu den Sprung von den Kassetten in die Kindergärten und Grundschulen. Man begrüßte sich in der Schneckengruppe und der 2b von 1977 an mit „Trörööö“ respektive „Törööö“. Was auch heute noch vorkommt.

Benjamin Bartholomäus Blümchen, 40 Jahre alt, ist ein Elefant im Neustädter Zoo und ein Antro- pomorph. Heißt: ein Tier, das aufrecht geht wie ein Mensch, das sich in menschlicher Sprache verständlich macht und das Scham empfinden kann, weshalb es Kleider trägt. Zwar war auf den frühen Kassetten ein „splitterfasernackter“ Elefant zu sehen, das aber ist inzwischen vergessen. Bekannt ist heute das Outfit mit blauer Hose, Schiebermütze und einer roten Jacke, die sich nahtgefährdend über der Dickhäuterwampe spannt. Dazu immer ein Lächeln auf den Lippen. Die anfangs kräftigen Stoßzähne wurden erst gestutzt, dann waren sie ganz weg. Als harmloser Zeitgenosse sollte Benny aus Afrika erscheinen.

Benjamin Blümchen und seine Freunde feiern Geburtstag. Quelle: KIDDINX Studio GmbH, Berlin

Den hatte Elfie Donnelly, Benjamins (und auch Bibi Blocksbergs) literarische Mutter bei einem Spaziergang „erfunden“, als sie das Fehlen des Hahns auf einem Kirchturm im Allgäu bemerkte. Der leicht psychedelische Gedanke, da oben könne sich ein Elefant im Wind drehen, drängte sich der Mitarbeiterin des Senders Freies Berlin da auf. Und damit war die Idee zu Benjamin Blümchen in der Welt. Die literarische Geburt des berüsselten Helden war am 7. Juli 1977, als Donnelly mit dem Hör-lies-Verlag die Produktion des ersten Hörspiels beschloss. Der SFB hatte die bestellte Arbeit zuvor als „zu fern von der kindlichen Erfahrungswelt“ zurückgewiesen. Die Absage kam von einer Frau namens Karla, die von Donnelly prompt in der unsympathisch exaltierten Reporterin Karla Kolumna verewigt wurde. Bei 65 Millionen verkauften Kassetten bisher, 14 Millionen Büchern, einer Fernsehserie ist das ein Nein, das den SFB bis heute ärgern dürfte.

Elefanten-Mutter: Elfie Donelly erfand Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Quelle: dpa

Der Name Blümchen klingt spießig, soll aber wohl eher auf die elefantöse Flowerpower des Protagonisten hinweisen. Denn Benjamin ist ein Macher, hilfsbereit, versucht sich in allen Berufen und ist dabei in der Regel erfolgreich (was ein triumphierendes „Törööö“ nach sich zieht). Er liebt Gott und die Welt, „sogar die Polizei“ (wie es im Lied heißt). Und wenn er mal nichts zu tun hat, liegt er auf dem Rücken in der Sonne, kaut an einem Gänseblümchen und freut sich des Lebens. Eine rundum positive Figur, ein Identifikationsstifter, der seit 40 Jahren ein Herz und eine Seele mit dem ewigen Jungen Otto ist, der in der inzwischen dritten Sprechergeneration seit Folge 34 von einer Frau gesprochen wird. Von Benjamin lernen heißt Selbstvertrauen und den Wert der Freundschaft kennenlernen.

135 Hörspiele gibt es bisher, drei bis vier neue Abenteuer werden pro Jahr veröffentlicht. Im Herbst erscheint das Jubiläumshörspiel „Ein Törööö für alle Fälle“. Alle B-B-Geschichten werden weiterhin auch auf dem totgesagten Audioformat Kassette veröffentlicht. Für all die unkaputtbaren, klobigen Plastikkassettenrekorder mit den breiten, bunten Tasten, die bis heute in den Kinderzimmern lärmen. 2018 will Benjamin dann auf die Leinwand. In dem geplanten Kinofilm spielen Heike Makatsch und Didi Hallervorden mit, Benjamin wird computeranimiert.

Beste Freundin: Benjamin und Bibi reiten zusammen auf dem Besen. Quelle: Jugendfilm

Darüber, wie der Jubilar am Freitag feiern will, wurde nichts laut. Vermutlich ähnlich wie 1980 auf dem Hörspiel „Benjamin Blümchen hat Geburtstag“. Da kamen 284 (oder 285) Verwandte aus Tansania in Neustadt an, und der verängstigte Bürgermeister gab Elefantenalarm. Aber am Ende spielte die Blasmusik, Elefanten tanzten mit Menschen und alle waren gut drauf. Und nachts träumte das Geburtstagskind dann von seinen geliebten Zuckerstückchen, so groß wie der Kölner Dom. Wahrscheinlich hat er auch ein glückliches „Törööö“ geträumt.

Von Matthias Halbig/RND

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