Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Böhse-Onkelz-Sänger wegen Unfallflucht vor Gericht
Nachrichten Panorama Böhse-Onkelz-Sänger wegen Unfallflucht vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:38 19.09.2010
Feuerwehrleute löschen den brennenden Kleinwagen, in dem zwei junge Männer lebensgefährlich verletzt wurden Quelle: dpa
Anzeige

Es ist der frostige Silvesterabend 2009, als ein schwarzes Sportcoupé über die A66 bei Frankfurt rast. Mit 230 Stundenkilometern setzt es zum Überholen an. Beim Einscheren rammt das 420-PS-Gefährt einen Opel Astra. Beide Autos geraten ins Schleudern, der Opel knallt gegen die Leitplanke und geht in Flammen auf. Ersthelfer können zwei junge Männer (19 und 21) gerade noch aus dem Autowrack ziehen.

Bei dem Unfallverursacher, der zu Fuß flüchtet, soll es sich um Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell (46) handeln. Wegen fahrlässiger Straßengefährdung, fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht steht er von Freitag an vor dem Frankfurter Landgericht. Im Fall einer Verurteilung drohen Russell bis zu fünf Jahre Haft.

Es werde mit großem Medienandrang gerechnet, erklärte ein Gerichtssprecher. Daher wurde extra ein Raum mit etwa 60 Presse- Plätzen ausgewählt. Der Prozess ist spektakulär. Auch weil die Böhsen Onkelz bis zu ihrem Ende 2005 mit ihrer 180-Grad-Wende von der Skinhead-Kultgruppe zu erklärten Antifaschisten skandalumwittert waren. Und weil Russell, der während der 25-jährigen Bandgeschichte immer wieder mit Alkohol- und Heroinabhängigkeit zu kämpfen hatte, wie eine tragische Figur erscheint.

Der Sohn eines britischen Lufthansa-Piloten und einer (nach Russells Darstellung) Alkoholikerin, die sich scheiden ließen, war immer bekannt für seine Wutausbrüche. Um Russells eigenen kleinen Sohn kümmert sich sein Bruder. Auch an jenem Silvesterabend soll Russell am Lenkrad des geliehenen Sportwagens unter Einfluss von Kokain, Methadon und des Psychopharmakons Diazepam gestanden haben. Festgenommen wurde Russell am Neujahrstag in einem 5-Sterne-Hotel im Taunus, in dem er seit Monaten eine Suite bewohnt haben soll.

Bislang bestreitet Russell die Tat. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft auch vorgeworfen, der Polizei einen anderen Mann als Unfallfahrer präsentiert zu haben. Dieser soll sich in Begleitung von Russells Manager als Unfallfahrer ausgegeben haben.

Anklage konnte vor allem deshalb erhoben werden, weil DNA-Spuren Russells am Airbag des Unfallautos festgestellt wurden. Nach der Festnahme kam der gebürtige Hamburger gegen eine Sicherheitsleistung von 50 000 Euro wieder auf freien Fuß. Wegen eines früheren Drogendelikts hat er laut Anklagebehörde noch eine Bewährungsstrafe.

Für die Opfer hatte der Unfall schwerwiegende Folgen: „Der Fahrer trug Verbrennungen an mehreren Körperstellen, eine Leberblutung, eine Milzruptur sowie eine Verletzung der linken Niere davon“, schrieb die Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Anklage. Der Beifahrer habe Verbrennungen erlitten, zudem sei ihm eine Hand amputiert worden.

„Der Angeschuldigte soll kurz auf das brennende Fahrzeug geschaut und dann zu Fuß die Unfallstelle verlassen haben“, beschrieb die Staatsanwaltschaft die Situation nach dem Horror-Crash. Russell sei erst geflüchtet, als bereits Ersthelfer zur Stelle waren. „Daher musste er nicht davon ausgehen, dass er die Unfallopfer in einer hilflosen Lage zurücklassen werde.“ Deshalb wurde der Musiker nicht wegen versuchter Tötung durch Unterlassen und unterlassener Hilfe angeklagt. Es sind zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt.

(Inga Radel, dpa)

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fünf Monate nach der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko hat BP das lecke Bohrloch endgültig versiegelt. Nach einem letzten Drucktest erklärte der Koordinator der US-Regierung, Thad Allen, das Bohrloch am Sonntag offiziell für „tot“.

19.09.2010

Fünf Monate nach Beginn der schwersten Ölpest der US-Geschichte ist die defekte Ölquelle im Golf von Mexiko endgültig versiegelt.

19.09.2010

Seit Samstag pilgern wieder die Massen aufs Oktoberfest. Einen Leitfaden für Wiesn-Amateure gibt es hier.

19.09.2010
Anzeige