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Die Menschen im Armenviertel von Nairobi stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. © dpa

Kenia

Bis zu 120 Opfer nach Pipeline-Explosion

Kenia blickt am Tag nach der Brandkatastrophe fassungslos nach Nairobi. Viele Menschen im Sinai-Slum haben alles verloren. Während die Retter noch nach weiteren Opfern suchen, droht bereits eine humanitäre Notlage. Lokale Medien sprachen von bis zu 120 Opfern

Addis Abeba/Nairobi. Trauer und Entsetzen in Kenia: Am Tag nach dem Flammeninferno in einem Armenviertel von Nairobi zeigte sich am Dienstag das ganze Ausmaß der Katastrophe. Zahlreiche Familien in dem Slum haben Medienangaben zufolge bei dem verheerenden Brand alles verloren und mussten die Nacht im Freien zwischen den Trümmern verbringen. Zudem war weiter unklar, wie viele Menschen in dem Feuer ums Leben gekommen sind. Lokale Medien sprachen von bis zu 120 Opfern, jedoch konnten viele Leichen noch nicht geborgen werden, weil die Suchaktion der Einsatzkräfte bei Anbruch der Dunkelheit unterbrochen werden musste. "Wir haben bis Montagabend 76 Körper gefunden, aber wir glauben, dass noch viele weitere in dem Fluss treiben, der durch den Slum führt", sagte Polizeichef Thomas Atuti dem Radiosender "Capital FM".

Am Morgen setzten Helfer ihre Arbeit fort. Es werde erwartet, dass viele Familien in der örtlichen Leichenhalle nach den Überresten ihrer Angehörigen suchen werden, hieß es weiter. Jedoch seien die meisten Opfer bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, so dass DNA-Tests nötig seien, um ihre Identität zu bestätigen. Nach Polizeiangaben wurden am Dienstag noch 112 Verletzte im Kenyatta National Hospital behandelt. Etwa 40 von ihnen lägen wegen ihrer schweren Verbrennungen auf der Intensivstation. Unterdessen stieg die Sorge über eine drohende humanitäre Krise in dem Gebiet: "Männer, Frauen und Kinder mussten die Nacht in der Kälte verbringen, nachdem ihre selbstgebauten Hütten abgebrannt waren", berichtete "Capital FM".

Die Regierung kündigte an, Zelte für die betroffenen Familien im Sinai-Slum aufstellen zu wollen. Das kenianische Rote Kreuz schickte Mitarbeiter in das Unglücksgebiet, die den traumatisierten Überlebenden zur Seite stehen sollen. Ministerpräsident Raila Odinga sicherte den Bewohnern Entschädigungszahlungen zu. Er bezeichnete das Unglück als "schockierend" und bestätigte dem Sender BBC, dass das Flammeninferno durch ein Pipeline-Leck auf dem Gelände der Kenya Pipeline Company (KPC) ausgelöst wurde. Der Kraftstoff war dann in den Abflusskanal des Slums geflossen. Anwohner hatten versucht, Benzin für den Eigengebrauch abzuschöpfen, als Feuerbälle in den Himmel schossen.

Odinga versprach, dass es Ermittlungen zur genauen Unglücksursache geben werde. "Es gab solche Unfälle in der Vergangenheit, aber die Leute wollen einfach nicht lernen", erklärte Odinga. "Wir haben ihnen gesagt, dass sie sich bei solchen Unfällen nicht dem Treibstoff nähern sollen." Es wurde auch immer mehr Kritik an der Betreiberfirma der Pipeline laut. Medienangaben zufolge waren die Rohre veraltet, marode und verrostet. "KPC hat den Rat von Experten ignoriert, die das Unternehmen aufgefordert hatten, die Killer-Pipeline zu ersetzen", schrieb die Zeitung The Standard.

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