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Panorama Bestürzung über tödliche Loveparade
Nachrichten Panorama Bestürzung über tödliche Loveparade
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12:20 25.07.2010
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Von Bianca Belouanas und Tonia Haag


Duisburg. Diese entstand durch die Überfüllung des eigentlichen Veranstaltungsgeländes der größten Musikparty der Welt auf dem alten Güterbahnhof in einem Zugangstunnel. Bundespräsident Christian Wulff forderte eine rückhaltlose Aufklärung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere führende Politiker äußerten sich bestürzt über das Unglück.

Gegen die Veranstalter wurden inzwischen schwere Vorwürfe erhoben. Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sprach dagegen von einem stichhaltigen Sicherheitskonzept und machte „individuelle Schwächen“ für die Katastrophe verantwortlich. Mittlerweile hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen.

Insgesamt besuchten rund anderthalb Millionen Menschen die dritte Loveparade im Ruhrgebiet. Um eine weitere Panik zu vermeiden, wurde die Technoparty nach dem tödlichen Zwischenfall gegen 17.30 Uhr nicht sofort abgebrochen und aus Sicherheitsgründen erst gegen 23.00 Uhr beendet. Die zum Abzug der Fans benutzte Autobahn 59 wurde bis Sonntag wieder freigegeben.

Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen in dem als Zugang zum eigentlichen Veranstaltungsort genutzten Tunnel. Dort habe es kaum noch Luft gegeben, Menschen seien von hinten nachgedrängt, während vorne schon niemand mehr herausgekommen sei. Im dichten Gedränge sei man nicht mehr vor oder zurück gekommen. Dadurch sollen einige in Panik geraten sein und geschrien haben, was sich dann zu der Massenpanik ausgewachsen habe. Mehrere Besucher seien umgekippt, und schließlich hätten viele junge Leute übereinander gelegen, zehn hätten wiederbelebt werden müssen. Rettungskräfte seien kaum durchgekommen.

Vertreter von Polizei und Stadt Duisburg berichteten auf einer Pressekonferenz, eine Reihe von Besuchern sei auf eine schmale Treppe, die aus dem Tunnel herausführte, geklettert und abgestürzt. Auch hätten mehrere vergeblich versucht, die Sicherheitszäune um das abgesperrte Festgelände zu überklettern.

Bei der Loveparade in Duisburg hat es nach Angaben der Polizei bei einer Massenpanik mindestens 15 Tote gegeben. Vor dem Eingang zum Gelände sei es bei den Wartenden in einem Tunnel zur Panik gekommen.

Der Gründer der Loveparade, Dr. Motte, kritisierte die Veranstalter in Duisburg scharf. „Das Gelände abzusperren, war ein Fehler“, schrieb der DJ, der mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh heißt, auf seiner Website. „Ein einziger Zugang durch einen Tunnel birgt die Katastrophe in sich.“ Auch die Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund (DPolG) erhob schwere Vorwürfe. Polizei, Feuerwehr und alle mit der Planung befassten Sicherheitskräfte hätten zuvor stets ihre Vorbehalte geäußert, erklärte ihr Duisburger Kreisvorsitzender Wolfgang Orscheschek. Die Veranstalter hätten aber Druck ausgeübt.

Die Polizei war am Samstag mit mehr als 2.000 Landes- und 1.200 Bundespolizisten vor Ort. Unmittelbar vor der Meldung über die Massenpanik hatte die Polizei um 17.34 Uhr berichtet, das Veranstaltungsgelände sei wegen Überfüllung geschlossen worden. „Die Polizei gibt über Lautsprecher Hinweise an die Teilnehmer und bittet sie, zurück in Richtung Hauptbahnhof zu gehen.“ Dieser musste am Abend ebenfalls für längere Zeit wegen Überfüllung geschlossen werden. 120 Busse wurden eingesetzt. Die Notausgänge des Loveparade-Geländes wurden nach dem tragischen Unfall geöffnet. Die Zuschauer wurden nach Angaben der Stadt Duisburg über die A59 abgeleitet.

Dass die Veranstalter die Musikparty zunächst weiterlaufen ließen, erklärte der Pressesprecher der Stadt Duisburg, Frank Kopatschek, mit der Sorge um die Sicherheit der Besucher. Es seien noch zu viele Menschen auf dem Gelände gewesen. Stundenlang lief die Musik weiter, während die Besucher das Gelände verließen. Viele von ihnen hatten erst spät von dem tragischen Unglück erfahren.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso übermittelte Deutschland und den Angehörigen der Opfer sein tief empfundenes Mitgefühl. Bundespräsident Wulff erklärte: „Eine solche Katastrophe, die während eines friedlichen Festes fröhlicher junger Menschen aus vielen Ländern Tod, Leid und Schmerz verursacht, ist furchtbar.“ Er hoffe, dass die Ursachen rückhaltlos aufgeklärt würden.

Bundeskanzlerin Merkel erklärte: „Zum Feiern waren die jungen Menschen gekommen, stattdessen gibt es Tote und Verletzte. Ich bin entsetzt und traurig angesichts des Leids und des Schmerzes.“ Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte: „Unser Entsetzen über das schreckliche Unglück bei der Loveparade in Duisburg lässt uns verstummen.“ Das ganze Land trauere um die jungen Frauen und Männer, die friedlich feiern wollten und bei diesem grauenhaften Drama ihr Leben verloren hätten.

Die insgesamt dritte Loveparade im Ruhrgebiet war am Nachmittag friedlich gestartet. Ab 14.00 Uhr rollten 15 sogenannte Floats (riesige Paradewagen) über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs der Ruhrgebietsstadt. Erstmals fuhren sie nicht wie in früheren Jahren durch die Innenstadt, sondern auf einem abgesperrten Gelände im Kreis.

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