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Panorama Berlins jüngster Drogendealer ist ganz schön alt
Nachrichten Panorama Berlins jüngster Drogendealer ist ganz schön alt
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16:52 08.10.2010
Kampf gegen Drogen: Berlin wehrt sich Quelle: dpa

Im Sommer sorgten Drogenhändler in Berlin für Aufsehen, die angeblich erst 11 und 13 Jahre alt waren und daher nie verurteilt werden konnten. Nun bestätigte sich der Verdacht der Polizei: Ein angeblich 13-Jährige arabischer Herkunft ist laut einer medizinischen Untersuchung mindestens 21 Jahre alt, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Damit ist er voll strafmündig. Gegen ihn wurde Untersuchungshaft angeordnet. Eine weitere Untersuchung läuft noch.

Die gerichtsmedizinische Analyse per Röntgenbild habe ergeben: „Der Beschuldigte ist nicht 13 Jahre alt, sondern mindestens 21 Jahre, möglicherweise sogar noch deutlich älter“. Bis sie 14 Jahre alt sind, gelten Kinder in Deutschland als strafunmündig. Die Polizei muss sie nach Festnahmen wieder laufen lassen. Gerichte können sie nicht bestrafen.

Justizsprecher Martin Steltner erläuterte, dass der Drogendealer nicht so alt wirkte. „Vom optischen Eindruck her wirkte er zwar nicht wie ein Kind, aber doch wie ein Jugendlicher.“ Die Sicherheitsbehörden hatten dem Vernehmen nach erwartet, dass die Untersuchungen ein Alter von 15 oder 16 Jahren ergeben würden.

Insgesamt wollten Polizei und Staatsanwaltschaft seit Ende Juli das Alter von fünf jugendlichen Kriminellen per Röntgenbild klären. Es ging um den angeblich 13-Jährigen, einen vermeintlich 11-Jährigen und drei andere Verdächtige. Sie waren ohne Pässe zumeist aus dem Libanon eingereist, hatten sich als elternlose Minderjährige ausgegeben und Asyl beantragt.

Die Rauschgifthändler wurden seit 2009 immer beim Verkauf von Heroin, das sie in kleinen Kugeln im Mund aufbewahrten, erwischt. Weil sie wegen ihres angeblichen Alters nicht bestraft werden können, brachte die Polizei sie zu Verwandten oder in Kinderheime, wo sie meist sofort wieder verschwanden.

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr diese Jahres in Berlin 26 Kinder unter 14 beim Verkauf von Drogen erwischt, 20 hatten eine deutsche Staatsangehörigkeit und waren größtenteils arabischer Herkunft, sechs waren Ausländer und ihre Herkunft teilweise ungeklärt.

Die Fälle hatten eine große politische Debatte über Strafmündigkeit und geschlossene Kinder- und Erziehungsheime ausgelöst. Polizei, Justiz und Behörden sahen sich beim Kampf gegen schwerkriminelle Täter im Kindesalter machtlos. dpa

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