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Am Flughafen Hannover wurden am Freitag sämtliche Flüge gestrichen. Am Abend sollte es weitergehen.© dpa

Vulkanausbruch

Aschewolke stürzt Europas Luftverkehr ins Chaos

Ratlosigkeit, Frustration und gewaltige Warteschlangen - europaweit hat das Chaos im Luftverkehr wegen der Vulkanasche aus Island hunderttausende Menschen stranden lassen.

Auf Busse, Bahn, Mietwagen und Fähren setzte ein Massenansturm ein. Mehr als ein Dutzend Länder sperrten ihren Luftraum ganz oder teilweise - 60 Prozent aller Flüge in Europa fielen am Freitag aus, teilte die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mit.

Experten sprachen von einem für Europa bisher einmaligen Vorgang. „Das ist in der Konsequenz ein schlimmerer Eingriff, als wir das nach dem 11. September 2001 hatten“, meinte Berlins Flughafenchef Rainer Schwarz mit Blick auf die Luftfahrt-Restriktionen nach dem Anschlag aufs World Trade Center am 11. September 2001. „In Europa hat es noch niemals eine vulkanische Eruption gegeben, die zu solch einer großen Aschewolke führte“, sagte Eurocontrol-Chef Brian Flynn. Am Freitag gaben nach den westlichen Ländern auch Polen, Tschechien, Bulgarien und Österreich Sperrungen bekannt. Sogar in Russland zwangen die Aschepartikel aus Island etliche Maschinen auf den Boden.


Hunderttausende Reisende aßen in Großbritannien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden an den Flughäfen fest - nachdem sie teils bereits eine Nacht in den Wartehallen zugebracht hatten. Nicht nur Urlauber, sondern auch Teilnehmer von Sportveranstaltungen und Konferenzen erreichten ihre Ziel nicht. Auf den Anzeigetafeln deutscher Flughäfen stand am Freitag vor allem eine Flugangabe:
„Annulliert“, ratlos betrachtet von immensen Menschentrauben.

Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt hatte am Morgen schließen müssen. An rund einem Dutzend internationaler Flughäfen - darunter Hamburg, Berlin, Hannover und Düsseldorf - ging nichts mehr. Am Münchner Flughafen sollte ein Viertel der geplanten 1200 Flüge ausfallen, die Aschewolke des Vulkans am isländischen Eyjafjalla- Gletscher sollte ihn am Abend erreichen.

In Europa starten und landen täglich normalerweise etwa 28 000 Flugzeuge - für Freitag rechnete Eurocontrol mit 11 000 Flugbewegungen. Von den normalerweise 300 Transatlantikflügen, die vormittags in Europa landen, kamen demnach nur etwa ein Drittel an. Wegen der umfassenden Flugverbote droht Europas Luftfahrtindustrie ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro am Tag, teilte der Verband der europäischen Fluggesellschaften AEA in Brüssel mit.

Reiseprobleme hatte auch so mancher Spitzenpolitiker. Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg landete am Freitag nach einem Besuch in den USA in Madrid statt in Oslo. Die Entfernung zwischen den Hauptstädten Spaniens und Norwegens beträgt 3000 Kilometer. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte betroffen sein: Am Morgen war noch unklar, ob ihr aus den USA kommender Flieger am Nachmittag in Berlin landen kann oder einen Ausweichflughafen ansteuern muss.

In Frankreich verstärkten die Schließungen ohnehin vorhandenes Chaos: Bei der Staatsbahn SNCF wird seit Tagen gestreikt, zudem beginnen in einem Teil des Landes die Frühlingsferien, in einem anderen enden sie. Am Morgen machten dann auch noch 25 Flughäfen dicht, darunter die beiden Großflughäfen von Paris. Am Flughafen Amsterdam Schiphol seien 1500 Notbetten aufgestellt worden, teilte das Rote Kreuz mit. Verärgert zeigten sich viele Menschen über die Hoteliers der Umgebung: Die Preise selbst der billigsten Hotelzimmer seien sofort in die Höhe geschossen, berichtete der Nachrichtensender NOS. Eine Übernachtung habe teils statt 60 bis zu 200 Euro gekostet.

Die winzigen Partikel der Vulkanasche sind für Flugzeuge so gefährlich, weil sie Triebwerke ausfallen lassen können und wie ein Sandstrahler wirken. „Sie können damit wunderbar ein Flugzeug farblos kriegen“, sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. Die Fenster zerkratzen, die Sicht wird beeinträchtigt. Zudem können die Sensoren der Messgeräte für Höhe und Geschwindigkeit ausfallen. Für Mensch und Tier ist die Asche Experten zufolge nicht gefährlich. Auch massiver Ascheregen sei nicht zu befürchten.

Unterdessen gaben die Behörden in Schweden und Norwegen den Flugverkehr in den jeweils nördlichen Landesteilen wieder begrenzt frei. Die Konzentration von Lavaasche in der Luft habe deutlich abgenommen, hieß es. In der Region hatten zeitweise auch keine Rettungshubschrauber oder -flugzeuge mehr abheben dürfen - fatal vor allem für Kranke und Verletzte in dünn besiedelten Gebieten. Für Rettungsflieger in Deutschland steht ein Flugverbot derzeit nicht zur Debatte. „Wir fliegen unter 1000 Fuß. Die Aschewolke ist viel weiter oben“, sagte eine ADAC-Sprecherin in München.

Klar war am Freitagmittag, dass zumindest der britische Luftverkehr mindestens bis Samstagmorgen stillgelegt bleibt. Am Freitag herrschte auf dem Londoner Flughafen Heathrow - einem der wichtigsten Drehkreuze der Welt - gespenstische Stille. Und auch der Eurostar war keine Ausweg: Alle Züge waren von Brüssel oder Paris nach London auch am Freitag ausgebucht. Dies gelte auch für den Samstag und in umgekehrte Richtung, sagte ein Sprecher. „Der Ansturm ist gigantisch.“

Auch in Deutschland drängten sich in vielen Zügen und Bussen die Reisenden dicht an dicht. Wegen der Nachfrage werde die Kapazität bei Linienbussen um teils 500 Prozent aufgestockt, teilte die Deutsche Touring in Frankfurt mit. Die Aschewolke hatte selbst auf dem Börsenparkett in Frankfurt Konsequenzen: Luftverkehrswerte wie Lufthansa und Fraport zeigten sich unter Druck. Wie lange die Sperrungen noch andauern werden, konnten die Experten zunächst nicht abschätzen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellte für die wichtige Luftverkehrsdrehscheibe Frankfurt auch für Samstag und eventuell sogar Sonntag weitere Einschränkungen in Aussicht.

Der Vulkan stößt derzeit allerdings weniger gefährliche Stoffe aus und hat an Kraft verloren. Das ergab ein nächtlicher Überwachungsflug der isländischen Küstenwacht. Die Aschewolke habe jetzt eine „reinere“ Zusammensetzung, sie bestehe fast nur noch aus Wasser sowie Steinpartikeln. Dies bedeutete aber nicht, dass sich ein Ende des Ausbruchs abzeichne. Vulkanexperten in Reykjavik verwiesen darauf, dass der letzte Ausbruch des Vulkans im Jahr 1821 erst nach zwei Jahren endete - wobei Phasen mit starker und schwacher oder gar keiner Aktivität sich einander ablösten.

Die deutschen Fluglotsen verschoben ihren ursprünglich für Dienstag geplanten geplanten Streik wegen der Verkehrsbehinderung durch die Aschewolke. Die hat nach Einschätzung des Hamburger Max- Planck-Instituts für Meteorologie keine Auswirkungen auf das weltweite Klima. „Die Asche selbst macht nicht viel“, sagte die Physikerin Claudia Timmreck. In Deutschland waren auf den Hauptstrecken zwischen den Ballungszentren viele Züge brechend voll, obwohl die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben ihren gesamten Wagenpark mobilisierte. „Alles was rollen kann, rollt“, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. dpa


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