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Panorama Aktion "Kinder beschenken Kinder" hilft Bedürftigen
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23:20 05.12.2009
Das hilft: Kinder beschenken Kinder Quelle: ddp
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Dank der Aktion „Kinder beschenken Kinder“ wird sie nun aber doch Spielzeug unter den Tannenbaum legen können - für ihre Enkel, die beiden Kinder ihrer zweiten Tochter. Seit drei Jahren spenden Osnabrücker Kinder Spielzeug, das sie selbst nicht mehr gebrauchen können. Noch bis zum 18. Dezember wird es an Bedürftige in der Stadt verteilt.

Die Idee für „Kinder beschenken Kinder“ sei ihr vor drei Jahren gekommen, sagt die Verwaltungsangestellte Dorina Müller. „Ich kenne aus meiner Verwandtschaft Kinder, deren Zimmer übervoll mit Spielzeug sind, und andere Kinder, die wenig besitzen.“ Mit ihrer Idee sei sie zunächst zu einem großen Osnabrücker Modehaus gegangen, dort aber abgewiesen worden, sagt die 50-Jährige. Beim Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) habe sie dagegen Gehör gefunden. Er habe den Kontakt zur Osnabrücker Freiwilligenagentur hergestellt. In diesem Jahr nun finde die Aktion bereits zum dritten Mal statt, sagt Müller, die sich Nachahmer ihrer Idee wünscht.

Vor der Osnabrücker Tafel, wo Bedürftige Lebensmittel erhalten, steht eine Bude mit Spielzeug. Zwei Studentinnen verteilen die Dinge an Menschen, deren Geld nicht für Weihnachtsgeschenke reicht. Der Andrang ist groß. Kerstin K. sucht sich Bücher, ein Puzzle und eine Spieluhr aus. Das sei für die zwei Jahre sowie sechs Monate alten Kinder ihrer 16-jährigen Tochter, die nicht mehr in ihrem Haushalt lebt. „Ich wünsche mir gar nichts zu Weihnachten“, sagt derweil die 17-jährige Vanessa, die zweite Tochter von Kerstin K. Sie fände es nicht gut, wenn ihre Mutter Geld für sie ausgäbe. „Das tut mir im Herz weh“, sagt sie.

Kerstin K. erzählt, ihre Töchter trügen auch gebrauchte Kleidung. „Ohne zu murren“, fügt sie an. Sie habe die leise Hoffnung, bis zum Fest 50 Euro zusammenkratzen zu können. Das Geld wolle sie ihren Töchtern an Heiligabend schenken. „Davon sollen sie mal shoppen gehen“, sagt sie.

Ungefähr drei- bis viertausend Spielzeuge seien in diesem Jahr gespendet worden, sagt Ulrich Freisel, Leiter der Freiwilligenagentur in Osnabrück. Die Stücke lagern bei einer Spedition und werden in den nächsten Tagen noch von 50 ehrenamtlichen Helfern an Inhaber des sogenannten Osnabrück-Passes ausgegeben. Den erhalten Osnabrücker mit geringem Einkommen. Die Inhaber erhalten vergünstigt Essen oder Schulbücher. 2000 Familien in Osnabrück besäßen diesen Pass, sagt Freisel. Wie viele Familien das Angebot von „Kinder beschenken Kinder“ nutzen, vermag er jedoch nicht zu sagen.

Laut Caritasverband für die Diözese Osnabrück leben in Stadt und Landkreis Osnabrück 10 459 Kinder unter 15 Jahren von ALG-II-Leistungen. Dazu komme eine Dunkelziffer von Personen, deren Einkommen knapp über den einschlägigen Bemessungsgrenzen liegen und die keine Ansprüche geltend machen können, sagt Caritasmitarbeiter Roland Knillmann. Er geht davon aus, dass „vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und kommenden Arbeitsmarktkrise die Zahl derer, die Weihnachtsgeschenke nicht mehr selbst bezahlen können, steigen wird“.

Durch die ALG-II-Regelungen und die Berechnungsmodalitäten der Grundsicherung bestünden keine Ansprüche mehr auf „einmalige Beihilfen“, sagt Knillmann. Die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke hätten im Laufe eines Jahres angespart werden müssen. „Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass dies aufgrund der Höhe der Regelleistungen faktisch nicht möglich ist“, betont er. Da spiele besonders die Höhe des Kinderregelsatzes eine entscheidende Rolle, da dieser weder ausreichend noch rechtmäßig sei. Familien seien also nicht deshalb auf Hilfen angewiesen, weil sie das Geld „zweckentfremdet für Flachbildschirme“ ausgäben, sondern weil die monatlichen Transferleistungen schlicht nicht ausreichend seien.

(Thomas Wübker, ddp)

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