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Panorama 3 D fürs Wohnzimmer: Zu schön, um wahr zu sein?
Nachrichten Panorama 3 D fürs Wohnzimmer: Zu schön, um wahr zu sein?
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10:47 09.07.2010
Avatar hat das Thema 3-D-Filme enorm vorangebracht - aber gucken sich die Zuschauer den Streifen auch Zuhause an?

Von Fabian Mast

Hamburg. „Schärfer, flacher, besser“: Wann immer in der vergangenen Zeit neue Fernseher vorgestellt wurden, ließ sich das Vokabular dazu auf einem Bierdeckel zusammenfassen – und Jahr für Jahr wiederverwenden. Verbesserungen in der Auflösung und den Kontrasten ließen sich zwar nicht von der Hand weisen, eine neue Ära der TV-Welt wurde aber schon länger nicht mehr eingeläutet. Bis jetzt.

Das glauben oder hoffen zumindest jene Anbieter, die spätestens zur IFA in Berlin 3-D-Fernsehgeräte auf den Markt bringen. „Das wird der nächste große Schritt von uns sein“, sagt Frank Bolten, Manager Director bei Sharp bei einer Vorabschau der IFA in Hamburg. Toshiba beispielsweise rechnet damit, zum Weihnachtsgeschäft schon jeden fünften Euro im TV-Segment mit dreidimensionalen Fernsehern zu verdienen. Umfragen werden zitiert, wonach 64 Prozent der Deutschen ein 3-D-Gerät haben möchten. „Der Kundenwunsch ist da“, schlussfolgert Sascha Lange, Marketingleiter bei Toshiba.

Dass es darauf allein nicht ankommt, beweist jedoch das Thema „High Definition“ (HD). In Millionen Haushalten stehen seit Jahren hochauflösende Fernsehgeräte – doch die Sender schickten aus Kostengründen stur ihr altes PAL-Signal ins Land. Erst in diesem Jahr stellen die wichtigsten Kanäle auf HD-Betrieb um, aber nur Satelliten-Kunden haben mittlerweile eine vernünftige Auswahl an HD-Anbietern.

Schwer zu glauben also, dass „Tatort“ oder „DSDS“ in absehbarer Zeit dreidimensional geguckt werden können. „Wir müssen da noch jede Menge Hausaufgaben machen“, gibt auch Stephan Heimbecher vom Münchener Bezahlsender „Sky“ zu. Und: „Ein Anbieter tut sich damit schwer, so lange der Markt nicht die kritische Masse erreicht hat – und umgekehrt kaufen die Kunden sich nur 3-D-Geräte, wenn es dafür auch Inhalte gibt.“ Ein Teufelskreis also.

Bislang wurden europaweit gerade einmal wenige Tausend 3-D-Geräte verkauft. Zwar behauptet die Industrie, dass in wenigen Jahren ohnehin 3 D in jedem neuen Gerät steckt, ob der Kunde das nun ausdrücklich wünscht oder nicht – die 2-D-Fähigkeiten bleiben den Schirmen ja erhalten. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sich die neue Technik auch etabliert.

Negativbeispiele gibt es genug, zum Beispiel das 7.1-Soundsystem, das den wenigsten Lust darauf machte, sich acht Boxen ins Wohnzimmer zu stellen. Und der Beweis, dass sich Kunden vor ihrem heimischen TV klaglos eine klobige Brille aufsetzen, muss erst noch erbracht werden.

Geräte wie der „Cell TV“ von Toshiba bieten immerhin die Möglichkeit, herkömmliche 2-D-Signale in 3 D umzuwandeln. „Da wird eine Tiefenschärfe hineingerechnet, die ursprünglich gar nicht da ist“, erläutert Lange. Ähnliches wurde bereits bei Kinofilmen wie „Kampf der Titanen“ gemacht – allerdings mit wenig berauschendem Ergebnis. Die dritte Dimension wirkt aufgesetzt, unpassend, überflüssig.

Je mehr 3 D, desto besser? Diese Formel haut nicht hin. Die zusätzliche Dimension ist kein Selbstzweck, sondern dramaturgisches Mittel, das bewusst eingesetzt werden will. „Wir müssen aufpassen, dass wir 3 D jetzt vernünftig nutzen – sonst vergraulen wir die Kunden“, warnt Bolten in seiner Funktion als Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). Das könnte vor allem schwierig werden, wenn Hollywood weiter auf Filmschnitte im Stakkato-Tempo setzt – mit zusätzlichem 3-D-Effekt wäre das Auge wohl endgültig überfordert.

Dass 3 D keine Erfolgsgarantie besitzt, zeigte auch der erste Abend der IFA-Schau: Die Veranstalter übertrugen das WM-Halbfinale live in der dritten Dimension. Der gnadenlose Sturmlauf der Spanier gegen die Deutschen wurde dadurch allerdings noch furchterregender – schon in der Halbzeit hatten sich die Plätze deutlich geleert. Die dritte Dimension ersetzt eben keine vernünftige Handlung.

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