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Tierisch

Wolfsexperte Karlsson spürt "Kurti" auf

Jens Karlsson ist extra aus Schweden gekommen. Er soll den verhaltensauffälligen Wolf in der Heide vergrämen, der jede Scheu vor Menschen verloren hatte. Doch der von seinen Anhängern "Kurti" genannte Rüde hält Abstand und bekommt keine Gummigeschosse ab.

Reinsehlen. Jens Karlsson ist Wolfsexperte. Der Schwede ist spezialisiert auf Wölfe, die dem Menschen zu nahe kommen, er kümmert sich im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums um den verhaltensauffälligen Wolf von Munster. Klarer Blick, kurzer Bart und Polohemd - der 44 Jahre alte Biologe wirkt auch auf dem Pressetermin mit dem Minister ein wenig so, als würde er gleich wieder draußen der Fährte eines Raubtieres folgen.

Gemeinsam mit Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) stellt Karlsson spät am Abend den Journalisten die getroffenen Maßnahmen vor. Der Ort des Pressetermins passt zum Thema - ein abgelegener Tagungsort bei Reinsehlen, tief in der Lüneburger Heide, draußen ist es zappenduster. "Wir haben jetzt drei Tage lang hier in der Heide Maßnahmen durchgeführt", sagt Wenzel.

Es geht um den Wolf "MT06", den seine Anhänger ebenso liebevoll wie verniedlichend "Kurti" nennen. Mehr als 6000 Unterschriften haben sie gegen eine mögliche Tötung gesammelt und Wenzel Ende Februar übergeben. Ein Abschuss des geschützten Tieres ist für den Grünen-Politiker das letzte denkbare Mittel.

Zunächst setzt er auf Karlsson und die Vergrämung, etwa durch Lärm oder Gummigeschosse. Doch kann das Tier nicht wieder auf Distanz zum Menschen gebracht werden, so könnte es auch eingefangen und in ein Gehege gebracht oder gar getötet werden. "Die Sicherheit des Menschen steht immer an erster Stelle", hat Wenzel mehrfach betont.

Das Ganze ist laut Ministerium eine Premiere: Seit Rückkehr der Wölfe ist es das erste Mal, dass gegen eines der Tiere vorgegangen wird. Vergrämung also als erster Schritt, doch hat es geklappt? Am Sonntag ist der Rüde per Funkpeilung von einem Flugzeug aus geortet worden, er trägt ein Halsband mit Sender. Noch am gleichen Tag versucht Karlsson drei Mal, sich dem Tier zu nähern, doch ausgerechnet jetzt zeigt es sich scheu. Mehrfach hat sich der Wolf in den vergangenen Monaten Menschen bis auf wenige Meter genähert, zuletzt ist er gar einer Spaziergängerin mit Kinderwagen und Hund hinterhergelaufen.

Doch auch am Montag zeigt "Kurti" sich plötzlich wolfstypisch scheu und trollt sich bei fünf Begegnungen mit Karlsson. Gummigeschosse bleiben dem Wolf erspart, Karlsson kommt meist nicht näher als 200 Meter heran. Hintergrund des neuen Verhaltens könnte sein, dass der mit einem Sender versehene Rüde bei Karlssons Aktion in Begleitung eines zweiten Wolfes war.

"Bei Paarbildung kann das Verhalten des einen Tieres unter Umständen auf das andere abfärben", sagt Wenzel dazu. Bei den Annäherungen sei zum Teil gesprochen und geschrien worden, berichtet Karlsson, der nach dem Termin zunächst wieder nach Schweden fährt. Er arbeitet für das Swedish Wildlife Damage Centre in Grimsö, laut Umweltministerium die einzige Institution in Europa, die über entsprechende Erfahrung mit Wölfen verfügt.

Die Tiere sind in Deutschland streng geschützt und dürfen nicht gejagt werden. Die Diskussion über ihre Rückkehr wird hierzulande hitzig geführt, doch soll es in Schweden nicht anders sein. "In Nordschweden ist es mehr an der Sache, in Südschweden ist es so emotional wie hier", sagt Karlsson, der auch den Wolf von Munster nicht für gefährlich hält. Der Begriff "Problemwolf" fällt nicht an diesem Abend. Eine Vergrämung sei letztlich nur in deutlich weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich, sagt Karlsson einschränkend. "Schwer zu sagen", antwortet Stefan Wenzel auf die Frage, wie es mit dem Wolf möglicherweise enden wird. "Ich hoffe, dass die Maßnahme wirkt.

Gegebenenfalls werden wir Herrn Karlsson bitten, ein zweites Mal zu kommen." Und so bleibt das Schicksal von "MT06" alias "Kurti" an diesem Abend offen, nicht nur für Karlsson. Das Tier werde weiterhin intensiv beobachtet, meldet das Umweltministerium am Dienstag. Bei Bedarf sei eine Wiederholung der Aktion, unter Umständen auch mit härteren Vergrämungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Karlsson nicht ausgeschlossen. "Die Anordnung des Ministeriums zur Vorbereitung einer möglichen Entnahme des Tiers aus der Natur behält bis auf weiteres ihre Gültigkeit", heißt es am Ende ein wenig drohend. dpa


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