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NAH DRAN: Wildschweine haben wenig Angst vor Menschen und wagen sich auch in Siedlungen hinein.

NAH DRAN: Wildschweine haben wenig Angst vor Menschen und wagen sich auch in Siedlungen hinein.© Steffen Rasche

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Wald und Wiese

Wildtiere breiten sich in Niedersachsen aus

Wo sie wühlen, wächst kein Gras mehr - Wildschweine können großen Schaden anrichten. Seit Jahren wächst der Bestand in Niedersachsen, weshalb Agrarminister Gert Lindemann von den Jägern höhere Abschusszahlen fordert.

Hannover. Es war morgens und noch dunkel, als am vergangenen Dienstag ein Autofahrer bei Goslar auf eine Wildschweinrotte traf, die die Straße überqueren wollte. Der 52-Jährige konnte nicht mehr ausweichen. Ein Tier starb bei dem Zusammenprall, das Auto hat nur noch Schrottwert. Längst kein Einzelfall: Wildschweine breiten sich seit Jahren immer stärker in Niedersachsen aus, heißt es im Landesjagdbericht, den Agrarminister Gert Lindemann (CDU) vorstellte.

Die Schwarzkittel gibt es vor allem in der Lüneburger Heide, dem Weserbergland und dem Harz, doch kommen sie mittlerweile fast in ganz Niedersachsen vor, so Lindemann. Dabei dringen sie auch in die Städte vor, wo sie reichlich Nahrung finden. „Das ist ein Problem“, weiß auch Minister Lindemann, „wir können den Jägern schließlich nicht sagen: Schießt doch auch mal in den Vorgärten der am Stadtrand lebenden Bürger.“

Grundsätzlich müssten aber die Abschusszahlen bei Wildschweinen und auch beim Damwild steigen, meint Lindemann. Dafür will er auch die Jagdregeln lockern.

So soll künftig ein Jäger nicht mehr mit einem Bußgeld rechnen müssen, wenn er die vorgeschriebenen Abschusszahlen leicht überschreitet, „sofern wir darin keinen Vorsatz erkennen“, so Lindemann.

Tatsächlich liegt es in der Verantwortung der rund 60000 Jäger in Niedersachsen, die Wildtierpopulationen unter Kontrolle zu halten. Und sie haften persönlich für „ihre“ Tiere: Wühlen etwa Wildschweine auf dem gepachteten Jagdgrund Felder und Gärten auf, muss der Jäger dafür bezahlen.

Doch nicht nur die Ausbreitung bis in die Städte macht die Jagd nach Wildschweinenschwierig: Es gibt immer mehr Maisfelder, in denen die Allesfresser reichlich Nahrung und gleichzeitig Schutz vor Jägern finden. Gibt es dazu reichlich Eicheln und Bucheckern in den Wäldern, gehen die Wildschweine im Herbst nicht auf das gemähte Feld. So lag die Zahl der geschossenen Tiere im vergangenen Jahr bei 38500 Stück und damit 30 Prozent unter der des Vorjahres. Minister und Landesjägerschaft gehen aber davon aus, dass sich die Gesamtzahl der Schweine nicht verringert hat.

Naturschützer glauben nicht, dass mehr Abschüsse daran etwas ändern würden: „Das Problem werden Jäger nie lösen können“, sagt Ingo Ludwichowski, Sprecher des Naturschutzbundes (NABU). Der Zuwachs an Wildschweinen sei einfach zu groß: Die Vermehrungsraten liegen zwischen 200 und 300 Prozent - das heißt, dass von einem Jahr zum nächsten eine Wildschweinrotte auf das Doppelte oder Dreifache anwachsen kann.

Das hat auch das Land Niedersachsen erkannt. Im Jagdbericht heißt es, dass „mit der zeitaufwendigen Einzeljagd allein die Schwarzwildbestände nicht reguliert werden können“. Es müsse daher leichter werden, große Treibjagden zu organisieren und nicht nur in einzelnen Revieren Tiere zu schießen. Außerdem erforscht die Tierärztliche Hochschule, wie man mit Jagden den Bestand an weiblichen Tieren gezielt eindämmen kann. Gefragt seien auch die Landwirte, die auf ihren Feldern mit Schneisen die Jagd erleichtern könnten, so Lindemann.


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