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Stephan Weil spricht während einer Pressekonferenz.

Stephan Weil spricht während einer Pressekonferenz. © Holger Hollemann/Archiv

Regierung

Weil fordert Landarzt-Quote für Medizinstudenten

In vielen ländlichen Regionen fehlen Ärzte - Mediziner zieht es eher in die Städte. Niedersachsens Ministerpräsident will das mit einer Landarzt-Quote für Medizinstudenten ändern. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht den Vorschlag positiv.

Hannover. Über eine Landarzt-Quote will Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Medizinstudenten für eine befristete Zeit zum Einsatz auf dem Land verpflichten. Es gebe einerseits in ländlichen Regionen Klagen über zu wenige Ärzte, andererseits eine deutlich höhere Zahl von Medizinern in den Städten, sagte Weil der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. "Wenn sich das nicht in überschaubarer Zeit durch Anreizprogramme der Kassenärztlichen Vereinigung ändert, werden wir eine Landarzt-Quote in der medizinischen Ausbildung in Niedersachsen einführen."

Zehn Prozent der Studienplätze sollten künftig an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, anschließend für zehn Jahre als Allgemeinmediziner im unterversorgten Raum zu arbeiten. "Das ist rechtlich möglich und von der Sache her geboten", sagte Weil. Die Verpflichtung solle für einen Zeitraum von zehn Jahren gelten.

"Eine medizinische Ausbildung ist ein hohes Investment des Staates. Sie kostet alles in allem wahrscheinlich eine Viertelmillion Euro", sagte der SPD-Politiker. Es sei deshalb angemessen, wenn der Staat steuere, an welchen Stellen diese jungen Mediziner gebraucht werden. "Wenn sich die Betreffenden ihrer Verpflichtung entziehen, sollte es eine Rückzahlungspflicht geben." Über die genaue Höhe müsse noch diskutiert werden. Man werde alles dafür tun, dass ländliche Räume keine Wohnorte zweiter Klasse werden, wenn es um die medizinische Versorgung gehe. Diese Diskussion werde auch in anderen Bundesländern geführt.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung steht man Weils Vorschlag positiv gegenüber: "Eine Landarzt-Quote ist ein Baustein von vielen zur Lösung des Problems", sagte Sprecher Detlef Haffke. Selbst wenn die Landarzt-Quote rasch eingeführt und umgesetzt werde, werde es zwölf Jahre dauern, bis erste Effekte in der Praxis spürbar seien. "So lange dauert die Ausbildung von Medizinern, bis sie überhaupt die Entscheidung treffen können, sich als Arzt auf dem Land niederzulassen", sagte Haffke. Daher seien weitere Fördermaßnahmen nötig, bevor die Landarzt-Quote greife. Schon jetzt fördere die Kassenärztliche Vereinigung die Niederlassung auf dem Land mit 60 000 Euro Startkapital. Gemeinden und Kommunen könnten zusätzliche Anreize für junge Ärzte schaffen, wenn sie günstiges Bauland oder Immobilien zur Verfügung stellen, schlug Haffke vor.

Der Medizinstudium ist begehrt, der Zugang schwierig. Bundesweit drängen sich fast 62 000 Bewerber auf knapp 11 000 Studienplätze im Fach Medizin. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe prüft derzeit das geltende Auswahlverfahren für das Studium. Aktuell werden 20 Prozent der Studienplätze nach Abiturnote vergeben, 20 Prozent nach Wartezeit und der Rest in einem Auswahlverfahren direkt an den Hochschulen. Im Wartezeitverfahren dauert es 14 bis 15 Semester bis zur Zulassung. Zwei Bewerber haben geklagt, weil sie sich in ihrem Grundrecht auf freie Berufswahl eingeschränkt sehen. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wird erst in einigen Monaten erwartet.

dpa


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