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Mohammed Nassar mit Kirsten Stumper.© dpa

Schicksal

Warum sich Mohammed auf Weihnachten freut

Weihnachten ist für Mohammed Nassar eine neue Erfahrung. Bunte Lichter, fröhliche Menschen, Geschenke und viel Essen - all das gefällt dem jungen Flüchtling gut. Fehlt nur noch der Schnee. 

Bremen. Bis Mohammed Nassar Deutschland, seine Kultur und Sprache vollständig versteht, wird es wohl noch etwas dauern. Doch eins weiß er schon mit Sicherheit: Er mag Weihnachten.

Nassar ist 18 Jahre alt, Muslim und stammt aus Ägypten. Weihnachten hat er dort nie gefeiert. Trotzdem erinnert es ihn an seine Heimat. "Es sind viele Leute draußen unterwegs, sie gehen Einkaufen oder auf den Weihnachtsmarkt." Nassar liebt es, wenn die Straßen voller Menschen sind, es etwas zu sehen gibt, wenn er auf einem seiner vielen Spaziergänge durch die Stadt streift. Das fühlt sich für ihn dann ein bisschen an wie in Ägypten, wo sich das Leben abends immer draußen abspielt.

Ein Leben, das er hinter sich lassen musste. Seine Zukunft sieht er jetzt in Deutschland. Weihnachten wird er in diesem Jahr wieder mit Kirsten und Michael Stumper feiern, die wie eine Familie für ihn sind. "Michael ist mein Vater, Kirsten meine Mutter", sagt Nassar und grinst die beiden an. Der junge Mann lacht generell sehr viel, seine grünbraunen Augen strahlen dabei. Er wirkt zufrieden und zuversichtlich.

Im vergangenen Jahr war das noch ganz anders. Seine Wahl-Eltern deuten nur an, was Nassar in der zurückliegenden Zeit erlebt hat. Seit zwei Jahren lebt er in Bremen. Er ist allein aus Ägypten nach Deutschland geflüchtet. Eine Familie hat er nicht mehr. Im vergangenen Jahr wohnte er in verschiedenen Unterkünften, die zum Teil so überfüllt waren, dass er auf einer Matratze unter der Treppe schlafen musste. Er hatte keine Papiere, niemanden, der sich um ihn kümmerte, wusste nicht, wie es mit ihm weitergehen würde.

Doch dann lernte er Kirsten Stumper über ein Mentoren-Programm für minderjährige Flüchtlinge kennen. Die Mentoren sollen den jungen Leuten bei Behördengängen helfen, sie zum Arzt begleiten, ihnen die deutsche Kultur näher bringen und bei allen anderen Fragen zur Seite stehen.

Mohammed wuchs der Zahntechnikerin und ihrem Mann schnell ans Herz. "Es ist für uns sehr schön, dass er da ist", sagt die 57-Jährige. Wie im vergangenen Jahr hat sie Mohammed einen Adventskalender gebastelt. Ein Brauch, der bei dem jungen Mann besonders gut ankommt. "Nach Mitternacht habe ich sofort die erste Tüte geöffnet", sagt er. Auch seine Wohnung hat er weihnachtlich geschmückt - und zwar schon im November.

Diesmal freut sich Nassar richtig auf die Feiertage, darauf mit der ganzen Familie Stumper zusammenzukommen, auf das Essen und natürlich die Geschenke. "Ich weiß jetzt, was Weihnachten in Deutschland bedeutet." Das Weihnachtsfest im vergangenen Jahr - sein erstes in Deutschland - hat er in nicht so guter Erinnerung. "Es war ein kompliziertes Jahr", sagt Nassar. Er litt sehr unter der Unsicherheit, war viel krank.

Auch über die Feiertage mussten Stumpers mehrmals mit ihm zum Arzt, weil er heftige Bauchschmerzen hatte. "Das war der Stress, das ungewohnte Essen, und ich denke auch, weil es ein Familienfest ist", sagt Kirsten Stumper. "Das kam alles zusammen."

In diesem Jahr hat sich für Nassar vieles zum Guten gewendet. Er hat eine Aufenthaltsgenehmigung mit Abschiebungsverbot. Er hat eine eigene Wohnung. Zurzeit macht er ein Praktikum und geht zur Berufsschule. "Mohammed ist sehr ehrgeizig", sagt Michael Stumper. "Er hat gleich begriffen, dass er gut Deutsch können muss."

In seiner Klasse ist Nassar der einzige Ausländer. Trotzdem kommt er ziemlich gut mit. Wenn alles wie geplant läuft, wird er im nächsten Sommer eine Ausbildung beginnen. Und was wünscht er sich zu Weihnachten? Schnee - auch wenn es nur ein paar Flocken sind. "Schnee kenne ich nicht aus meiner Heimat. Sobald es schneit, muss ich immer Fotos machen." Vielleicht, meint Kirsten Stumper, könnten sie alle mal zusammen in den Harz fahren. Zum Rodeln. Auch das hat Mohammed Nassar noch nie gemacht.

Irena Güttel, dpa


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