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Niedersachsen Verbände fordern bessere Bedingungen für Pfleger
Nachrichten Niedersachsen Verbände fordern bessere Bedingungen für Pfleger
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18:09 29.05.2018
ZU VIEL ARBEIT: Verbände fordern, dass sich die Politik mit den Arbeitsbedingungen der Pfleger befasst. Quelle: dpa
Hannover

 Die Pflegebranche in Deutschland sieht alt aus. Pflegepersonal fehlt, Mehrarbeit gehört längst zum Alltag und inzwischen müssen ambulante Pflegedienste sogar schon die Annahme von neuen Patienten stoppen.

Frustrationslevel bei Pflegern ist hoch

„Für viele Beschäftigte ist Pflege Sklaverei“, beschrieb Martin Dichter am Dienstag den Landtagsabgeordneten bei einer Anhörung zum Thema Pflege die Stimmung in der Branche. „Seit Jahren wird in die Verbesserung der Pflege investiert, die Pflegenden werden aber vergessen“ , sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes für Pflegeberufe Nordwest. Erst kürzlich habe er ein Krankenhaus mit einem Frühstückskorb besucht. „Die Tische im Pausenraum mussten dann erst mal ausgiebig geschrubbt werden.“ Wochenlang hatte dort keine Pause stattgefunden. Es müsse ein Personalschlüssel her, der die Beschäftigten entlaste und „sie nicht krank macht“.

Viele Pfleger arbeiten unfreiwillig in Teilzeit

Anette Klausing von der Verdi ging es daneben auch um eine bessere Bezahlung. „Man muss von diesem Job eine Familie ernähren können.“ Das werde angesichts des ohnehin schon ungleichen Lohns aber noch schwieriger, wenn man in Teilzeit arbeite. Laut Klausing ist das bei rund zwei Drittel aller Teilzeit-Beschäftigten eine unfreiwillige Entscheidung. Rund die Hälfte von ihnen kann körperlich einfach nicht mehr leisten. Neben ihr machten sich auch die einzelnen Vertreter der Pflegeverbände für einen flächendeckenden Tarifvertrag stark.

Krankenkassen schieben Verantwortung an Betriebe

 Anders sahen das die Vertreter der Krankenkassen. Helmut Glenewinkel von der AOK-Niedersachsen war überzeugt, man müsse nicht alles kritisieren. Schließlich habe man die Vergütung 2017 bei einigen Pflegern um 3,6 Prozent angehoben. Vielmehr sollten sich die einzelnen Betriebe professioneller aufstellen, um Nachwuchs zu gewinnen.

Roland Richter, Rechtsanwalt für Sozialrecht, sah neben dem fehlenden Personal vor allem das Krankenkassensystem kritisch. „Ich wäre froh, wenn wir überhaupt eine Teilkaskoversicherung hätten.“ Stattdessen übernehme man nur einzelne Posten.

SPD-Parlamentarier hält Debatte für unehrlich

Für den Landtagsabgeordneten Uwe Schwarz (SPD) war am Ende klar: „Die gegenwärtige Debatte ist extrem unehrlich.“ Die Verantwortung werde nur zwischen den Trägern hin und her geschoben. Vielmehr sollte man über ein neues Krankenkassensystem nachdenken.

Von Mandy Sarti

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