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VW hat einige Umweltziele drei Jahre vor dem Soll erreicht.

VW hat einige Umweltziele drei Jahre vor dem Soll erreicht. © Adam Glanzman/Archiv

Umwelt

VW erreicht Umweltziele: Ressourcenschonung spart Millionen

Nachhaltigkeit wird in der Autobranche gern belächelt - als etwas, das man macht, weil es zum guten Ton gehört. Spätestens seit dem Diesel-Skandal aber stehen die Umwelteinflüsse von Mobilität im Brennpunkt. Die Autobauer denken dabei über die Abgasbilanzen hinaus.

Wolfsburg. Seit dem Abgas-Skandal bei Volkswagen schauen alle auf den Auspuff. Stickoxide, Feinstaub, CO2 - der Ausstoß am Endrohr steht im Fokus, es toben Debatten über schärfere Grenzwerte und realitätsnähere Messverfahren. Was dabei gern vergessen wird: Die Umweltbelastungen im Autobau starten lange vor dem Blechpressen in den Fabriken, und sie reichen weiter bis zum Recycling der Altwagen.

Deutschlands Autobauer haben sich daher ganzheitlichen Umweltbilanzen verschrieben. Und ausgerechnet der krisengeschüttelte VW-Konzern hat dabei mitten im Diesel-Debakel einen Meilenstein erreicht: Schon Ende 2015 - und damit drei Jahre vor dem ursprünglichen Ziel - hat es Volkswagen geschafft, fünf zentrale Umweltkennziffern in Summe um 25 Prozent unter das Niveau von 2010 zu drücken. Wasserverbrauch und Lösungsmittel-Emissionen liegen zwar noch unter dem Soll, dafür sind CO2-Ausstoß leicht und Abfall weit über dem Ziel. Die Energie schafft eine Punktlandung. Gerechnet wird der Aufwand pro produziertem Auto.

In Wolfsburg lenkt Prozessoptimierer Peter Bosch das Thema, das VW unter das Motto "Think Blue. Factory" gestellt hat. Bosch wirbt dabei für Pragmatismus: "Dem Thema Ressourceneffizienz haftet manchmal eine gewisse esoterische Ebene an. Es geht eher darum, ganz handfest einfach zu "machen", wenn auch nach einem festen Plan." Dabei habe Ressourcenschonung meist auch finanzielle Effekte. "Ökologie zahlt sich dann ganz oft auch ökonomisch aus", sagt der 42-Jährige, der als Diplom-Ingenieur und -Kaufmann schon per Vita beide Seiten vereint.

Laut Bosch hat das Umweltprogramm bei VW seit 2010 weit mehr als 100 Millionen Euro eingespart - mit Investitionen, die sich zum allergrößten Teil schon amortisiert haben. "Think Blue" steht dabei zunächst nur für die Kernmarke VW-Pkw um Golf und Passat, doch auch aus Konzernsicht gebe es sichtbare Fortschritte. Ende 2015 schlugen hier immerhin bereits gut 20 Prozent Umweltentlastung zu Buche.

Bei BMW gibt es ähnliche Ansätze. Das Basisjahr ist bei den Münchnern 2006, Zieljahr 2020 - in diesem Korridor soll der Ressourcenhunger pro gebauten Wagen um 45 Prozent sinken. Bei den CO2-Emissionen sind schon 46 Prozent erreicht, wie ein Sprecher berichtet. Neben dem Wasserverbrauch (31 Prozent) liegt der Energieverbrauch mit bisher 36 Prozent noch unter dem Sollwert für das Jahr 2020. Zuletzt 2015 gelangen knapp 3 Prozent Energieeinsparung gegenüber dem Vorjahr.

Auch bei BMW lässt der Spareffekt zwei Seiten profitieren, etwa bei der Energie. "Die damit einhergehende Reduzierung der Energiekosten bei mittelfristig steigenden Energiepreisen leistet einen spürbaren Beitrag zur Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit", sagt der Konzernsprecher. "Seit 2006 haben wir mit Ressourceneffizienz in der Produktion in Summe mehr als 158 Millionen Euro eingespart."

Langfristig plane BMW, weltweit ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen einzusetzen. Änderungen im Wirtschaftlichkeitsplan und mögliche neue Amortisierungshürden würden dabei laufend überprüft. So stecke BMW etwa nur dann Geld in Projekte wie Windkraftanlagen, wenn sich diese langfristig tragen und die Perspektive dazu nicht stirbt.

Daimler will beispielsweise den Energieverbrauch seiner Autosparte von 2015 bis 2022 um 25 Prozent senken. Allein die Kosten für Umweltschutzanlagen des Konzerns beliefen sich zuletzt auf rund 100 Millionen Euro pro Jahr. 91 Prozent der Abfälle verwertet Daimler weiter, falls sie nicht gleich im Vorhinein vermieden werden können.

"Bei Umweltthemen erlauben wir uns mitunter auch eine etwas längerfristige Amortisierung", sagt VW-Prozessoptimierer Bosch. "Die niedrig hängenden Früchte sind zwar inzwischen geerntet, aber auf der anderen Seite ist auch unsere längerfristige Pipeline so voll, dass wir wissen: Wir können die Umwelt immer weiter entlasten."

Dabei sei der Wissenstransfer zwischen den Werken und Regionen keine Einbahnstraße. "Auch Deutschland lernt zum Beispiel von Indien. Etwa, dass Roboter auch ganz hervorragend ohne Licht arbeiten können. Wir hatten hier oft gleißend helle Hallen auch in den Abschnitten, wo nur Roboter waren. Das sah zwar toll aus, aber das Arbeitsergebnis der Roboter ist auch ohne die Festbeleuchtung dasselbe", sagt Bosch.

Das Thema Umweltbilanzen bleibt den Herstellern gerade mit Blick auf alternative Antriebe erhalten. Laut VW entfallen derzeit drei Viertel des CO2-Ausstoßes auf die Gebrauchsphase eines Autolebens. Wenn der Strommix nur grün genug ist, könnte dieser dicke Batzen bei E-Autos komplett entfallen. Umso maßgeblicher wäre dann die Produktion.

Angesichts der strengen EU-Abgasvorgaben mehren sich in der Branche auch Stimmen für einen ganzheitlicheren Ansatz. So kritisiert etwa VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh das bisherige EU-Vorgehen. Denn entscheidend sei eben nicht nur, was an CO2 aus dem Auspuff komme. Es sei daher nur fair, die Mühen etwa für CO2-arme Fabriken, nachhaltige Rohstoffbeschaffung oder das Recycling stärker zu würdigen.

Durch die Bank ist das Thema Ressourcenschonung bei den Führungskräften der deutschen Autobauer bonusrelevant. Der Einsatz für die Ziele kann also auch an diesem Punkt bares Geld wert sein.

dpa


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