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Bernd Osterloh, Betriebsratschef bei Volkswagen.

Bernd Osterloh, Betriebsratschef bei Volkswagen. © Julian Stratenschulte/Archiv

Auto

VW-Betriebsrat: Falsche Verbrauchsangaben größte Gefahr

Wie viele Kunden verabschieden sich im Abgas-Skandal von VW? Die Frage beschäftigt nicht nur das Management in Wolfsburg. VW-Betriebsratschef Osterloh sorgt sich vor allem wegen falscher Angaben zum Spritverbrauch - und verlangt auch Opfer vom Vorstand.

Wolfsburg. Die falschen Angaben zum Spritverbrauch sind im Abgas-Skandal nach Einschätzung von Betriebsratschef Bernd Osterloh die größte Gefahr für die Verkäufe der Marke VW. "Das Thema CO2 hat eine Vertrauenskrise ausgelöst", sagte Osterloh am Freitag in Wolfsburg. Für die Kunden seien die zu niedrig angegebenen CO2- und damit auch Spritverbrauchswerte bei 800 000 Autos des VW-Konzerns viel entscheidender als die Manipulationen beim Stickoxidausstoß, die zuerst bekannt geworden waren. "Es gibt eine Kaufzurückhaltung", sagte Osterloh.

Mit den erwarteten Verkaufsrückgängen hänge auch die Entscheidung zusammen, die Mitarbeiter des Wolfsburger Werks länger in den Urlaub zu schicken als üblich. "Wir wollen die Lager nicht zu voll fahren", sagte Osterloh. VW-Tochter Audi will die Werksferien nach Angaben eines Sprechers dagegen nicht verlängern.

Bereits im Oktober hatte die Marke Volkswagen mehr als fünf Prozent weniger Autos an die Kunden ausgeliefert als ein Jahr zuvor. In der Regel vergehen allerdings zwischen Bestellung und Auslieferung mehrere Wochen und Monate. Das dicke Ende könnte also noch kommen.

Die rund 120 000 Mitarbeiter im Haustarifvertrag von Volkswagen müssen als Folge des Abgas-Skandals auf eine üppige Bonuszahlung verzichten. "Zehn Prozent von null ist null", sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh am Freitag in Wolfsburg. Normalerweise werden im Frühjahr zehn Prozent des operativen Gewinns der Pkw-Kernmarke auf die Haustarif-Beschäftigten aufgeteilt. Er erwarte aber im Gegenzug vom Vorstand, dass auch dessen Mitglieder bei ihren Bonuszahlungen deutlich zurückstecken, sagte Osterloh. Das Management habe eine "moralische Verpflichtung" gegenüber den Beschäftigten.

Für das Jahr 2014 hatte Volkswagen im vergangenen März rückwirkend je 5900 Euro Prämie an seine Haustarif-Mitarbeiter ausgeschüttet. Knapp 1500 Euro, die VW-Beschäftigte bereits als Abschlag für 2015 erhalten haben, müssten sie aber nicht zurückzahlen, sagte ein Sprecher.

Für die Tarifverhandlungen im kommenden Jahr kündigte er bereits Gegenwehr an, wenn der Vorstand nicht auch an den eigenen Bezügen spare. Dann solle "bloß keiner auf die Idee kommen", dass die Belegschaft für die Abgaskrise zahle.

Beim Sparen im Konzern kommt der Konzern Osterloh zufolge voran. Der Betriebsrat hatte dem Vorstand Ende 2014 mehrere Ordner mit Sparvorschlägen übergeben. Von diesen Vorschlägen wolle der Vorstand bislang Einsparungen im Wert von 1,9 Milliarden Euro angehen. Aber in den Ordnern stecke Potenzial für Einsparungen deutlich über fünf Milliarden Euro. Vor allem ging es bei den Vorschlägen um weniger Variantenvielfalt für einzelne Bauteile von Modellen, zum Beispiel bei Lenkrädern oder Außenspiegeln.

Bei der weiteren Aufarbeitung der Affäre sieht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Fortschritte. "Ich habe den Eindruck, dass auch dem VW-Management selbst alles daran gelegen ist, den Fall schnell und restlos aufzuklären", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Wir haben den Konzern zudem aufgefordert, ein Kundeninformationszentrum zu schaffen."

Die ab Januar anstehende Rückrufaktion treibt bereits auch die Händler um. Der Abgas-Skandal werde eine logistische Herausforderung für den Service, erklärte der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) in Mannheim. Der Rückruf dürfe weder zulasten der Kunden noch zulasten der Betriebe gehen, forderte der Verband. Nach Informationen der "Automobilwoche" hatte VW seinen deutschen Händlern bereits zugesichert, ihnen Kosten aus Gewährleistungsansprüchen abzunehmen.

dpa


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