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Niedersachsen Trump und Fachkräftemangel treiben Metallindustrie um
Nachrichten Niedersachsen Trump und Fachkräftemangel treiben Metallindustrie um
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16:03 09.03.2018
Donald Trump (M), Präsident der USA. Quelle: Susan Wals
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Hannover

Niedersachsens exportgetriebene Metallindustrie befürchtet durch den Handelsstreit mit den USA über Strafzölle sowie eine erhebliche Zuspitzung des Fachkräftemangels eine Wachstumsdelle. "Wir rechnen in diesem Jahr mit nicht mehr als 1,0 bis 1,5 Prozent Wachstum", sagte der Chef des Metallarbeitgeber-Verbandes NiedersachsenMetall, Volker Schmidt, am Freitag in Hannover. "Dabei haben wir schon einen Wachstumsschub, den wir in dieses Jahr mitnehmen: der sichert auf jeden Fall bereits ein Prozent Wachstum."

In den vergangenen zehn Tagen sei die optimistische Stimmung in der Branche eingeknickt, erklärte der Verbandschef bei der Vorstellung einer Konjunkturumfrage unter rund 900 Mitgliedsbetrieben. Die Branche, die zu über 80 Prozent für den Export produziert, ist von erheblicher Unsicherheit geprägt. "Das ist deutlich messbar", so Schmidt, "seit Ankündigung der Strafzölle vergangenen Woche haben sich die Erwartungen in Bezug auf neue Aufträge und die Exportchancen beinahe halbiert." Die US-Strafzölle bei Stahl und Aluminium stellten eine Zäsur nach 70 Jahren freiem Welthandel dar, die Sorge vor einer Eskalationsspirale im Welthandel verunsichere die Betriebe spürbar.

Gesteigert wird die Unsicherheit auch durch die Diesel-Debatte, die bei einigen der 180 Automobilzulieferer im Lande deutliche Spuren hinterliesse. Hinzu kommt eine extreme Verschärfung des Fachkräftemangels, der schon bei einem Drittel der befragten Betriebe zu Produktionseinschränkungen führt. Rund 71 Prozent aller Industriebetriebe haben mittlerweile Probleme, frei werdende Stellen nachzubesetzen - auf dem Land liege der Wert bei knapp 90 Prozent.

Ohne ein Gegensteuern der Politik drohe in 20 Jahren eine Stadt-Land-Kluft wie etwa in Mecklenburg-Vorpommern, so Schmidt. "Der Arbeitsmarkt hat vollkommen gedreht", sagte er. Die Zahl der offenen Stellen in der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie schätzte er auf 37 000 schätzte, da die Zahlen der der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen nur die Hälfte der realen Nachfrage widerspiegele.

Die Lage habe sich in den vergangenen zwölf Monaten dramatisch zugespitzt: "Das, was wir bisher an Fachkräftemangel gespürt haben, ist ein laues Lüftchen gegenüber dem, was uns da ins Haus steht; das bekommt jetzt eine völlig neue Dimension." Der Arbeitsmarkt sei komplett leer gefegt; die Branche drifte auf eine demografische Klippe zu, da die geburtenstarken Jahrgänge nun in großer Zahl in Rente gingen. Diese Situation drohe ganze Regionen abzuhängen und auch die Digitalisierung auszubremsen. Rund 70 Prozent der befragten Betriebe setzten mittlerweile auf eine bessere Einbindung älterer Mitarbeiter.

Bei der Einstellung von Flüchtlingen hat eine gewisse Ernüchterung der Betriebe eingesetzt angesichts weiterhin großer Sprachprobleme. Die Unternehmen bräuchten mehr Klarheit über den Aufenthaltsstatus. Schmidt: "Wir meinen: Wer als eingeschränkt geduldeter Asylbewerber seine Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen hat, soll in Deutschland bleiben dürfen, wenn er denn will." Umgekehrt forderte er aber analog zum dänischen Modell eine ans Bleiberecht gekoppelte Verpflichtung der Flüchtlinge zur Absolvierung von Sprachkursen. Nur so könnten sie auch für anspruchsvolle Arbeiten ausgebildet werden.

"Mit Helfertätigkeiten ist diesen Menschen ja nicht geholfen - die werden bei der Digitalisierung als erste wegfallen", meinte Schmidt. Oft würden Flüchtlinge heute schon an der ersten Hürde - der Bewerbung - sprachbedingt scheitern.

dpa

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