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Niedersachsen Teils heftige Stickstoffdioxidbelastung in Hannover
Nachrichten Niedersachsen Teils heftige Stickstoffdioxidbelastung in Hannover
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15:08 02.03.2018
AUGENFÄLLIG: Feinstaub und Stickoxide in Hannover seit Weihnachten  Quelle: Daten: Messstationen, Umweltbundesamt Grafik: Fleischhauer
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Hannover

 In der Diskussion um Straßenverkehr, Dieselmotoren, Luftverschmutzung und Fahrverbote tauchen meist die Begriffe Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM 10, also maximale Teilchengröße 10 Mikrometer, also Millionstel Meter) auf. Während die Feinstaubbelastung der Luft in deutschen Städten an den Messpunkten in den vergangenen Jahren deutlich rückläufig war, gilt das für die Stickoxide nicht im gleichen Maße. Die NP hat sich das einmal für Hannover angesehen.

Der Grenzwert für Feinstaub beträgt laut EU-Vorgabe 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft, für das Stickstoffdioxid sind es 40 Mikrogramm (das sind Millionstel Gramm). Während etwa in Hannover an der Messstelle „Verkehr“ an der Göttinger Straße (B3, B6, etwa auf Höhe Hanomag) im vergangenen Jahr der Feinstaub-Wert an zwölf Tagen überschritten wurde (erlaubt sind 35 Tage), gab es beim Stickstoffdioxidgehalt der Luft dort nur wenige Tage, wo es nicht zu stark erhöhter Schadstoffkonzentration kam. Allein seit Weihnachten gab es mindestens 25 Tage, an denen die Stickstoffdioxid-Belastung in manchen Stunden mehr als doppelt so hohe Werte erreichte, ja teils fast dreifach so hoch war, wie der für den Tagesdurchschnitt geltende Grenzwert (siehe Grafik). Da jedoch ein Tagesmittelwert berechnet wird, kommt das Gewerbeaufsichtsamt etwa für das Jahr 2017 auf einen Tagesdurchschnitt von 44 Mikrogramm (Vorjahr: 47) – doch auch das heißt: Im Schnitt wird der Grenzwert, ab dem es heißt „gesundheitsgefährdend“, 365-mal im Jahr überschritten, also täglich – zumindest statistisch betrachtet. Der Ein-Stunden-Grenzwert von 200 Mikrogramm darf 18-mal überschritten werden. In Hannover geschah dies im vergangenen Jahr nicht. „Spitzenreiter“ im abgelaufenen Jahr ist München (Landshuter Allee) mit zwölf Überschreitungen beim Stickstoffdioxid. Am berüchtigten Neckartor in Stuttgart dagegen war das nach 35-mal im Jahr 2016, vergangenes Jahr nur noch an drei Tagen der fall (wobei dort der Feinstaubwert an 45 Tagen nicht eingehalten wurde). Insgesamt wurde an keiner Messstelle im Land dieser Jahresgrenzwert überschritten.

Neben den beiden Messstationen, die in Hannover aktuelle Werte liefern, gibt es vier weitere im Stadtgebiet, wo sich der Dreck in Röhrchen ansammelt, die dann monatlich im Labor ausgewertet werden. Ergebnis hier laut Umweltbundesamt: Alle vier Stellen lagen 2017 über dem Jahresgrenzwert, die Werte liegen zwischen 41 und 48 Mikrogramm.

Feinstaub, Stickoxid und ihr Zusammenhang mit der Gesundheit stehen zur Debatte

Feinstaub-Quellen sind laut Umweltbundsamt Emissionen etwa aus Kraftfahrzeugen (vorrangig Dieselmotoren), Kraft- und Fernheizwerken, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern; auch beim Umschlagen von Schüttgütern entsteht Feinstaub. In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die dominierende Staubquelle. Auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche gelangt Feinstaub in die Luft. Eine weitere wichtige Quelle ist die Landwirtschaft, insbesondere Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung.

Stickstoffoxide entstehen bei Verbrennungsprozessen. Hauptquellen sind Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle. In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die bedeutendste Quelle, besonders Fahrzeuge mit Dieselmotor.

Das NO2 greift das Atemsystem von Menschen und Tieren an, schädigt Pflanzen, überdüngt und übersäuert Böden und Gewässer. Feinstaub kann tief in die Lunge vordringen, dadurch sogar in den Blutkreislauf gelangen. Möglich sind Reizungen, Entzündungen, Ablagerungen in den Blutgefäßen, Thrombosen, Änderungen der Herzschlag-Stabilität.

Von Ralph Hübner

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