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Landtagspräsident Bernd Busemann.

Landtagspräsident Bernd Busemann. © Holger Hollemann/Archiv

Geschichte

Stasi spähte in Niedersachsen zahlreiche Ziele aus

Ministerien, Universitäten, Privatpersonen - in Niedersachsen gab es viele Ziele der Stasispitzel. Eine Enquetekommission des Landtags kümmert sich seit einem Jahr um die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Machenschaften. Vor allem Salzgitter war ein zentrales Ziel.

Hannover. Spitzel, Abhöraktionen und Entführungen - Niedersachsen ist in besonderem Maße Schauplatz von Stasiaktivitäten in der Bundesrepublik gewesen. "Das hatte vor allem damit zu tun, dass Niedersachsen die mit Abstand längste Grenze zur DDR hatte", sagte Landtagspräsident Bernd Busemann am Freitag bei einer Tagung der Enquetekommission zur Aufarbeitung von Stasiaktivitäten in Niedersachsen. Nach einem Jahr Forschung präsentierten die Kommissionsmitglieder bei einem wissenschaftlichen Symposium in Hannover erste Ergebnisse.

Demnach war vor allem die zentrale Erfassungsstelle in Salzgitter ein zentrales Spionageziel der Stasi in Niedersachsen. Die Einrichtung dokumentierte bis 1992 unter anderem Unrechtsurteile der DDR-Justiz sowie Fälle von Verschleppungen und politischer Verfolgung durch die DDR. "Salzgitter stand dafür, dass Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen in der DDR nicht ungestraft bleiben sollten", sagte Busemann.

Doch auch darüber hinaus waren die Machenschaften der Stasi in Niedersachsen breit gestreut. Zu den Zielen hätten Ministerien, Universitäten und Unternehmen gehört, darunter wohl auch Volkswagen in Wolfsburg. "Unklar ist allerdings weiterhin, wie und in welchem Ausmaß diese Unternehmen ausspioniert wurden", sagte Historikerin Daniela Münkel bei der Tagung. Auch Privatpersonen gerieten immer wieder ins Visier der Stasi.

Um an Informationen zu gelangen, setzte die Stasi in der Bundesrepublik nicht nur Spitzel ein. Seit den späten siebziger Jahren sei die Funkaufklärung ein wesentlicher Bestandteil der Spionageaktivitäten gewesen. "Und bis zum Bau der Mauer wurden immer wieder Menschen vom Geheimdienst verschleppt", sagte Münkel.

Ein weiterer Vortrag des Symposiums beschäftigte sich am Freitag mit dem Schicksal des DDR-Sportlers Lutz Eigendorf. Der damals 26-jährige war 1983 bei einem Verkehrsunfall in Braunschweig ums Leben gekommen. Er hatte sechs Länderspiele für die DDR-Nationalmannschaft bestritten, bevor er sich 1979 in die Bundesrepublik abgesetzt hatte. Bis heute ist umstritten, welche Rolle die Stasi bei Eigendorfs Unfalltod spielte.

Die Kommission wird noch für ein weiteres Jahr weiter forschen. In den kommenden Monaten sind Gespräche mit Zeitzeugen geplant, darunter auch mit Spionageopfern der Stasi.

dpa


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