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Niels Stolberg.

Niels Stolberg. © Mohssen Assanimoghaddam

Prozesse

Anklage fordert viereinhalb Jahre Haft für Ex-Beluga-Chef

Der Beluga-Prozess dürfte zu den längsten Wirtschaftsstrafverfahren in der Geschichte des Bremer Landgerichtes gehören. Nach mehr als 65 Verhandlungstagen geht es nun auf die Zielgerade. Die ersten Plädoyers sind gehalten.

Bremen. In dem seit über zwei Jahren laufenden Prozess um den Niedergang der Bremer Beluga-Reederei hat die Staatsanwaltschaft für den früheren Unternehmenschef Niels Stolberg eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren gefordert. Staatsanwältin Silke Noltensmeier attestierte Stolberg am Donnerstag in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Bremen eine "hohe kriminelle Energie" und nur wenig Reue und Einsicht. Stolbergs Verteidiger Bernd Groß nannte das geforderte Strafmaß "völlig überzogen". Angemessen sei eine Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren. "Herr Stolberg ist längst genug bestraft", sagte Groß.

Die Anklagevertreterin sah es als erwiesen, dass Stolberg sich im Rahmen seines Schiffsneubauprogramms des Kreditbetruges in 18 Fällen schuldig gemacht habe. Hinzu kämen die Straftatbestände Untreue und Bilanzfälschung. Stolberg habe sich zwar teilweise geständig gezeigt, aber wenig Unrechtsbewusstsein erkennen lassen, sagte Noltensmeier, die Stolberg auch persönlich anging. Er sei nicht der "gutmütige, naive und leicht tollpatschige Kapitän" gewesen, sondern der Stratege, der "gnadenlos mit Zuckerbrot und Peitsche" geführt habe.

Groß kritisierte diese Darstellung als Versuch, den Angeklagten lächerlich zu machen. Er und sein Verteidiger-Kollege Oliver Sahan sahen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich ihr Mandat des Kreditbetruges schuldig gemacht habe. Den Banken sei die Schiffsfinanzierung bei Beluga seinerzeit bekannt gewesen. Das Modell sei branchenüblich, für Beluga als Kreditnehmer weder vorteilhaft noch für die Banken entscheidungserheblich gewesen, betonte Sahan.

Neben Stolberg sind in dem seit Januar 2016 laufenden Prozess auch drei Ex-Beluga-Manager angeklagt. Für sie forderte die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen zwischen elf Monaten und einem Jahr und zehn Monaten. Ihnen bescheinigte Noltensmeier, durch Geständnisse und durch die Kooperation bei der Aufklärung geholfen zu haben. Auch Stolberg habe sich grundsätzlich geständig gezeigt, aber nicht in diesem Ausmaß.

Der Prozess hatte sich nach einer ernsthaften Erkrankung Stolbergs in die Länge gezogen, da der 57-Jährige maximal eine Stunde pro Verhandlungstag teilnehmen kann. Die Plädoyers für die drei Mitangeklagten sollen am 8. März gehalten und die Urteile voraussichtlich am 15. März verkündet werden.

dpa


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