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Wolfsburg

Spekulationen um Ex-Kripo-Chefin in Wolfsburg

Die Ablösung von Wolfsburgs Polizeichef Hans-Ulrich Podehl sorgt weiter für Wirbel. Rätsel gibt es um die Rolle seiner Ex-Kripo-Chefin in der Affäre.

Wolfsburg. Die Ablösung 
des Wolfsburger Polizeichefs Hans-Ulrich Podehl (60) zieht immer größere Kreise. In der Belegschaft der Dienststelle rumort es auch fast eine Woche noch, nachdem der Inspek-tionsleiter seinen Schreibtisch räumen musste. Mitarbeiter machen schon im Internet ihrem Ärger Luft, weil sie wissen wollen, weshalb gegen den 60-Jährigen eine Anzeige vorliegt. Doch das Innenministerium mauert weiter. Auch auf erneute NP-Nachfrage am Dienstag blieb es bei nebulösen Andeutungen. Angeblich wegen „schutzwürdiger Belange der Betroffenen“. Dass der Strafantrag gegen Podehl einen sexuellen Hintergrund haben könnte (NP berichtete), dafür gibt es immer mehr Anzeichen. In diesem Zusammenhang kursieren Spekulationen um die bisherige Kripo-Chefin in Wolfsburg und ihre Rolle in der Affäre.

In den Chats spekulieren Mitarbeiter der Inspektion schon seit Tagen über den Verbleib der Kriminalrätin. Sie soll vor einer Weile unter mysteriösen Umständen aus der Dienststelle abgerufen worden
sein. In einem Forum heißt es dazu: „Aber wo ist in Wolfsburg eigentlich die Kripo-Chefin hin? Die ist urplötzlich vor Wochen hier verschwunden. Insofern sollten mal einige Informationen kommen (auch intern), da die Spekulationen hier ins Kraut schießen.“ Ein anderer User schreibt: „Die arme Frau ist bereits abkommandiert worden und dann legt man das Schweigemäntelchen drüber.“

Svenja Mischel, Sprecherin
des Innenministeriums, erklärte gestern, dass die leitende Beamtin seit dem 1. August „übergangsweise“ im Ministerium arbeite, wo sie „ab sofort die landesweite Implementierung einer Fachstrategie ,Neue Medien‘ für die Polizei Niedersachsen betreibt“. Aber ist das wirklich eine so wichtige und dringende Aufgabe, dass die Kripo-Chefin einer 125 000-Einwohner-Stadt mal eben ihren Schreibtisch verlassen muss?

Dass die Vorwürfe gegen Podehl einen sexuellen Hintergrund haben könnten, darüber wird auch in den Chats spekuliert: „Gehört hat man hinter vorgehaltener Hand viel. Unter uns Frauen war es ja recht konkret“ ist da etwa zu lesen. Seit Jahren soll Podehl vor allem gegenüber jungen Mitarbeiterinnen wenig Distanz gewahrt haben – von Umarmungen, Küsschen, anzüglichen Bemerkungen und mehr ist die Rede.

Laut Ministerium prüft die Staatsanwaltschaft Braunschweig, ob die Vorwürfe gegen den 60-Jährigen strafrechtlich relevant sind. Offenbar eine Falschinformation: „Wir kennen diesen Vorgang nur aus den Medien, aber bei uns wurde bislang nichts vorgelegt“, so Sprecherin Birgit Seel gestern. Der Landtagsabgeordneten Angelika Jahns (CDU) reicht das Vorgehen des Ministeriums jetzt. Sie hat in der Affäre um die Ablösung Podehls eine Unterrichtung beantragt.

Der Kommentar der Autorin Britta Mahrholz:

Wolfsburgs Polizei steht seit Tagen kopf. Seit bekannt ist, dass der abgelöste Leiter Hans-Ulrich Podehl angezeigt wurde, geht es rund im Dienstgebäude. Was der 60-Jährige verbrochen haben soll, ist offiziell nicht bekannt. Das Innenministerium macht nur vage Andeutungen, dass es etwas mit innerdienstlichen, verhaltensbezogenen Dingen zu tun habe. Angeblich sollen beteiligte Personen so geschützt werden. Das Gegenteil ist aber der Fall.
In der Inspektion brodelt die Gerüchteküche. Und was noch viel schlimmer
ist: Inzwischen lassen Mitarbeiter der Wolfsburger Polizei maßgeblich in einem Internetforum ihren Frust über die Informationspolitik von Boris Pistorius’ Ministerium freien Lauf. Sehr zum Schaden der beteiligten Personen, die man angeblich schützen will. Und sogar zum Schaden der ganzen niedersächsischen Polizei.

Inzwischen kann jedermann in öffentlichen Chats Andeutungen darüber finden, wie Podehl angeblich um junge Kolleginnen herumscharwenzelt sei, dass er sich Anzüglichkeiten geleistet haben soll – und es taucht die Frage auf, ob es die plötzlich aus der Dienststelle verschwundene attraktive Kripo-Chefin gewesen ist, die ihn angezeigt hat.

Das Ausbreiten interner Vorgänge einer Dienststelle in einem für jedermann zugänglichen Forum wirft kein gutes Licht auf den Zustand der Wolfsburger Polizei. Für den ist natürlich auch Podehl verantwortlich. Schließlich hatte er dort fast 15 Jahre die Fäden in der Hand. Dass Mitarbeiter aber in Chats nun die Öffentlichkeit an Spekulationen um den Ex-Chef teilhaben lassen, ist nicht dem abgelösten Inspektionsleiter anzulasten. Es zeigt aber, dass das Verschweigen des Grundes für die Anzeige gegen Podehl bei den Bediensteten die falsche Taktik war. In diesem wichtigen
Punkt wäre Offenheit das Richtige gewesen. Der vermeintliche Schutz für beteiligte Personen lief ins Leere. Auslöser dafür ist ein dilettantisches Krisenmanagement.


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