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Der Präsident des Sparkassenverbands Niedersachsen, Thomas Mang.

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Banken

Sparkassen planen Filialschließungen und neue Gebühren

Die niedersächsischen Sparkassen schlagen Alarm. Sie fühlen sich durch immer neue Regularien gegängelt und um ihr Geschäftsmodell gebracht. Die Konsequenz: Das Betriebsergebnis schmilzt. Nun sollen neue Gebühren und Filialschließungen helfen, das Gröbste zu verhindern.

Hannover. Neue Gebühren, ausgedünntes Filialnetz, sinkende Mitarbeiterzahl: Niedersachsens 46 Sparkassen wappnen sich für schwierige Zeiten. "2016 wird vermutlich das letzte noch auskömmliche Jahr sein - danach werden wir in schwieriges Terrain kommen", sagte der Präsident des Sparkassenverbands Niedersachsen, Thomas Mang, am späten Donnerstagabend vor Journalisten in Hannover.

2015 sei die Geschäftsentwicklung des Verbandes wohl "noch zufriedenstellend", das Betriebsergebnis dürfte vor Bewertung um acht Prozent gegenüber 2014 auf 840 Millionen Euro sinken (2014: 910 Mio). Die Sparkassen müssten daher ihre Ertragssituation stabilisieren, erklärte Mang, der auch Vize-Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands ist. "Das heißt: Wir müssen Dienstleistungen, die wir anbieten, auch entsprechend bepreisen; warum sollen Banken Dienstleistungen umsonst anbieten?". Dazu gehöre auch das Girokonto: "Auch bisher kostenlose online-Konten verursachen ja Kosten."

Zudem müsse das Filialnetz mit seinen 1100 Geschäftsstellen in Niedersachsen - darunter 90 Kleinstfilialen - überprüft werden. Es würde nicht "mit dem Rasenmäher" abgebaut werden. Allerdings, so Mang: "Kleinstfilialen werden von der Bildfläche verschwinden." Betriebsbedingte Kündigungen soll es deshalb aber nicht geben.

Der Personalstand sank seit 2014 von 25 000 auf heute 24 500 Mitarbeiter. Beim Schrumpfungskurs solle auf kreative Lösungen gesetzt werden. Fusionstendenzen, wie sie im Weserbergland sowie der Region Peine-Hildesheim-Goslar bestünden, würden unterstützt. Mang, der "eine flächendeckende Präsenz zu vertretbaren Kosten" anstrebt, will zudem die Investitionen bündeln und die Produktpalette eindampfen. Er kritisierte erneut eine überbordende Regulierungswut der Behörden und warnte eindringlich vor entstehenden Engpässen bei der Kreditfinanzierung für kleine und mittelständische Unternehmen. "Wenn die Regulierung so weiter geht, befürchten wir, dass wir in Deutschland in eine Kreditklemme kommen."

Die EU-Behörden produzierten "unglaubliche Datenfriedhöfe" und drehten damit auch erheblich an der Kostenschraube. Gerade kleinere Sparkassen gerieten dadurch zunehmend unter Druck. "Das Maß ist voll", kritisierte Mang, "man darf die Regulierung nicht überstrapazieren; die Kreditinstitute werden durch die Regulierung immer mehr ihrer Kernfunktion beraubt." Zur aktuellen Geschäftsentwicklung wies Mang auf stark steigende Darlehenszusagen bei Privatleuten (33 Prozent) wie auch Betrieben (17 Prozent) hin. Wegen vieler Tilgungsrückflüsse habe sich der Bestand aber nur leicht erhöht. Der Zinsüberschuss der Sparkassen dürfte 2015 mit 2,19 Prozent relativ stabil sein (Vorjahr: 2,19). Sogenannte Sichteinlagen - wie Tagesgelder - machten heute 60 Prozent der Einlagen aus. Sie stiegen im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent.

dpa


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