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Haben sie ein Gewicht von mindestens 25 Kilo erreicht, werden sie ausgewildert.

Haben sie ein Gewicht von mindestens 25 Kilo erreicht, werden sie ausgewildert. © I.Wagner/Archiv

Tiere

Seehundstation kann viele Heuler auswildern

Liebevoll ziehen Tierschützer jedes Jahr verwaiste Seehundbabys auf. Streicheln ist aber streng verboten. Die niedlichen Tiere sollen sich nicht an Menschen gewöhnen - und können durchaus kräftig zubeißen.

Norden. Nahrhafte Milch und kiloweise Hering: 100 Heuler haben sich in diesem Jahr in der Seehundstation in Norden ordentlich Fett anfuttern können. Von den verwaisten Jungtieren überlebten in dieser Saison besonders viele. Etwa 12 Prozent mussten die Tierpfleger einschläfern, weil diese zu schwer verletzt oder stark ausgetrocknet waren. Sonst seien es durchschnittlich 30 Prozent, sagt Stationsleiter Peter Lienau. Fast zehn Wochen bleiben die Pflegetiere in der Station, dann geht es zurück für sie ins Wattenmeer.

Zurzeit leben 20 Seehunde in der Station im Nordener Stadtteil Norddeich. Sie sind entweder verletzt oder mit Parasiten wie Lungenwürmern befallen. Hochsaison herrscht immer Sommer, wenn von Anfang Juni bis August die Seehundbabys zur Welt kommen. "Diese werden von ihren Müttern nicht verlassen, sondern getrennt", erklärt Lienau. Dafür verantwortlich können Sturm und Unwetter sein oder Touristen, die die empfindlichen Tiere stören.

In der ersten Zeit bekommen die Heuler fünfmal am Tag fette Ersatz-Milch - per Magensonde. Der Grund: "Wir haben so wenig Kontakt zu den Tieren wie möglich, damit sie sich nicht an Menschen gewöhnen", sagt Lienau. Außerdem könnten diese auch kräftig zubeißen. Nach etwa zwei Wochen bekommen die Seehunde ihren ersten Fisch und verputzen dann bis zu 2,5 Kilo Hering pro Tag. Wenn die Babys in die Station kommen, wiegen sie meist 8 bis 9 Kilo. Haben sie ein Gewicht von mindestens 25 Kilo erreicht, wildern die Tierpfleger sie aus.

Die Seehundstation Friedrichskoog in Schleswig-Holstein hatte im vergangenen Jahr etwas mehr zu tun als die Kollegen in Niedersachsen: Sie konnte 184 Heuler aufziehen, damit überlebten etwa 90 Prozent der aufgenommenen Tiere. Die Seehundbabys kommen wie in Norddeich erstmal in Quarantäne, wo sie auf Krankheiten untersucht werden. Dann ziehen sie in kleinen Gruppen in die Aufzuchtbecken um. "In dieser Zeit suchen sie noch den Kontakt zu ihren Artgenossen", sagt Stationsleiterin Tanja Rosenberger. Auf den Liegeflächen drängen sie sich eng aneinander.

Zu Einzelgängern werden die Seehunde ihren Angaben nach erst, wenn sie abgestillt sind - was sich auch in der Station in Friedrichskoog beobachten lässt: "Im Auswilderungsbecken halten sie Abstand zueinander und klatschen mit den Flossen, wenn jemand ihnen zu nahe kommt: Sie zeigen das normale Sozialverhalten." Nicht nur deshalb haben sie in diesen Becken mehr Platz für sich: Dort sollen sie viel Schwimmen können, um ihre Muskeln für die Rückkehr ins Meer trainieren zu können.

In Friedrichskoog sind inzwischen auch die ersten verwaisten Kegelrobbenbabys eingetroffen. Sie werden mitten im Winter geboren. In Norddeich gab es um Weihnachten herum ebenfalls vier Meldungen. Die Tierpfleger sperrten daraufhin das Gebiet um die Jungtiere ab, in allen Fällen kehrte die Mutter wieder zurück. Bei Kegelrobben sei es anders als bei Seehunden, sagt Lienau. "Seehundmütter lassen ihre Jungen nicht lange alleine." Bei den Kegelrobben müsse man dagegen schon 24 Stunden abwarten, ob diese zurückkommen.

dpa


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