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Schulleiter fordern Unterstützung statt mehr Bürokratie

Niedersachsens Kultusministerin Heiligenstadt lobt das große Engagement der Führungsteams an den Schulen. Bei einer Tagung mit rund 400 Schulleitern in Celle wird die SPD-Politikerin aber eher frostig empfangen. Viele Direktoren fühlen sich überarbeitet.

Celle. Die niedersächsischen Schulleiter beklagen, dass sie vom Land zunehmend mit bürokratischen Verpflichtungen belastet werden. Angesichts großer Herausforderungen wie der Integration von Flüchtlingskindern sei es ein Unding, dass die Führungsteams ständig weitere Verwaltungsaufgaben übernehmen sollten, sagte Landeschefin Brigitte Naber bei einer Tagung des Schulleitungsverbandes in Celle. "Mega-Reformen wie die Inklusion oder die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren lassen sich nicht nebenbei abwickeln", betonte die Leiterin der Integrierten Gesamtschule Roderbruch aus Hannover am Mittwoch vor gut 400 Mitgliedern von Schulleitungen.

Die Rektoren setzen sich unter anderem dagegen zur Wehr, dass sie vom nächsten Jahr an Schulgiro-Konten führen sollen. Diese Aufgaben müssten Verwaltungsfachkräfte in den Sekretariaten übernehmen, sagte Naber. "Besonders in kleinen Systemen wird der Schulleiter sonst zum Obersachbearbeiter degradiert und die Zeit für eigentliche Aufgaben geht verloren." In ihrer kämpferischen Rede mahnte die Verbandsvorsitzende die Fürsorgepflicht des Dienstherren an. Naber forderte von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), den Schulleitern mehr Zeit für Leitungsaufgaben zu gewähren und verlässliche Strukturen für die großen Reformen aufzubauen.

Die Ministerin wurde von den Tagungsteilnehmern eher kühl empfangen. Obwohl sich Heiligenstadt immer wieder für das große Engagement der Schulleiter bedankte und sie lobte, erhielt sie nur spärlichen Beifall. Zu den Schulgiro-Konten sagte die SPD-Politikerin, dass eine Software-Lösung mit dem Niedersächsischen Sparkassenverband entwickelt werde. Die Pilotphase dafür werde Anfang 2016 starten.

Darüber ging die Ministerin besonders auf die Schritte zur Integration Tausender Flüchtlingskinder ein. Applaus erntete Heiligenstadt für die Ankündigung, künftig zu ermöglichen, dass sich Förderschullehrer auch an Regelschulen bewerben können.

Bei der Tagung wurde die erste empirische Untersuchung zur Arbeitsbelastung und Gesundheit von Schulleitern in Niedersachsen vorgestellt. An der Online-Studie von Gesundheitswissenschaftlern der Universität Lüneburg nahmen landesweit rund 1300 Leitungskräfte teil. Vergleichsstudien aus Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Brandenburg liegen bereits vor - danach fühlen sich Niedersachsen tendenziell gestresster als Kollegen in anderen Bundesländern.

Rund 80 Prozent der niedersächsischen Schulleiter sehen sich wegen ihres hohen Arbeitsaufkommens stark belastet. Darüber hinaus empfinden 76 Prozent die zahlreichen Verwaltungsvorschriften vorgesetzter Behörden als Stress-Faktoren. Grundschulleiter, die weniger delegieren können, weisen tendenziell höhere Arbeitsbelastungen und emotionale Erschöpfungsmuster auf, wie Studienleiter Kevin Dadaczynski erläuterte. Der Forscher nannte als Lösungsmöglichkeiten, Stressbewältigungsprogramme zu etablieren und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Zum Abschluss der Tagung stellte Brigitte Naber noch Frank Stöber von der IGS Uetze als ihren designierten Nachfolger an der Spitze des niedersächsischen Schulleitungsverbandes vor.

dpa


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