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Ein Spezialeinsatzkommando dringt in die Hildesheimer Moschee ein.© Wilde

Sicherheit

Salafisten-Razzia: Minister greift Neue Presse an

Nach der Razzia am Mittwochabend beim Deutschsprachigen Islamkreis (DIK) Hildesheim (NP berichtete) hat Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Donnerstag zu einem weiteren Schlag ausgeholt. Nicht gegen Islamisten, sondern gegen die Neue Presse. 

Hannover/Hildesheim. Er beschuldigt die NP, mit einem Anruf beim Verein, die muslimischen Hardliner vor der Durchsuchung  gewarnt zu haben. Eine falsche Anschuldigung, die Pistorius so nicht wiederholen wird, wie er am Donnerstag in einem Telefonat mit der NP versicherte. Er sei falsch informiert worden. Mehrere Medien, allen voran der NDR („Zeitung warnt Salafisten“), verbreiteten die Falschmeldung aber ungeprüft weiter.
Was war passiert? Die NP hatte am Mittwoch über das drohende Vereinsverbot gegen den DIK und einen Schlag gegen die Extremisten möglicherweise in wenigen Tagen berichtet. Daraufhin entschieden sich die Sicherheitsbehörden, die Razzia auf Mittwoch vorzuziehen.
Fakt ist, dass die Polizei mit ihrer Aktion schon recht spät dran war. Spätestens Donnerstag vergangener Woche, als gegen eines der Mitglieder vor dem Verwaltungsgericht verhandelt wurde, dürften die Salafisten auf die Razzia in ihrer  Moschee gewartet haben. In dem öffentlichen Prozess hatten Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden aufgezählt, was sie gegen den DIK in der Hand haben. Aus ihrer Sicht ist der Verein der „dschihadistisch-salafistische Hotspot der Republik“.
Die NP hat seit Monate über die Versäumnisse bei der Abwehr islamistischen Terrors in Niedersachsen berichtet. Das führte dazu, dass inzwischen ein Untersuchungsausschuss eingerichtet wurde. Vor dem wird Pistorius in Kürze erstmals erscheinen müssen. bm

Noch mehr Berichte in der Freitagausgabe der NP!

Ein Kommentar von Chefredakteur Bodo Krüger

Dass am Ende immer die Medien schuld sind, ist nichts Neues. In der Antike konnte es den Überbringer schlechter Nachrichten sogar leicht mal den Kopf kosten. So gesehen, durften wir bei der Neuen Presse am Donnerstag vielleicht noch froh sein, dass es Innenminister Boris Pistorius bei einer öffentlichen Rüge beließ. Behinderung der Polizeiarbeit lautete sein in Suggestivfragen verkleideter Vorwurf. Ein NP-Bericht über den Salafisten-Verein DIK in Hildesheim habe den Erfolg einer seit Monaten vorbereiteten Razzia gefährdet. Und: Ein Anruf aus der Redaktion habe die Salafisten aufgescheucht.
Nun, mittlerweile weiß der Minister, dass er an der Wahrheit vorbeigeschrammt ist. Und er wird den Vorwurf in dieser Form nicht wiederholen. Aber darum geht es nur am Rande.
Die Neue Presse berichtet seit Monaten über die vielfältigen salafistischen Bedrohungen in Niedersachsen. Immer wieder im Blickfeld war dabei der mysteriöse Verein in Hildesheim, der in der vergangenen Woche von einem hohen Verfassungsschützer öffentlich als der „dschihadistisch-salafistische Hotspot der Republik“ bezeichnet wurde.
Die Gefahr war also bekannt. Auch im Innenministerium, wo, wie wir mittlerweile wissen, bereits seit Monaten ein Schlag gegen die Salafisten vorbereitet wurde. Und davon sollen die DIK-Mitglieder nichts mitbekommen haben? Wie naiv muss man sein, um das zu glauben?
Nach Ansicht der NP war die Gefahrenlage jedenfalls so konkret, dass ein Einschreiten der Sicherheitsbehörden längst überfällig erschien. Entsprechend kritisch wurde die Arbeit des Innenministers in einem Kommentar bewertet. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert.


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