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Soziales

Sachbearbeiterin lässt Millionenbetrug platzen

Durch ihre Arbeit als Polizisten wussten die mutmaßlichen Betrüger, wie täuschend echte Dokumente aussehen müssen. Eine Sachbearbeiterin in Celle aber guckte genau hin und hakte nach - und ein Betrug um 4,9 Millionen Euro platzte. Was machte die Angestellte misstrauisch?

Hannover. Heike Schneider hat eigentlich einen Routinejob in der Elterngeldstelle der Stadt Celle - weil sie genau hingeguckt und nachgehakt hat, hat sie aber einen bundesweiten Betrugsversuch um Elterngeld in Höhe von 4,9 Millionen Euro vereitelt. Deshalb hat Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) die Mitarbeiterin am Mittwoch ins Ministerium eingeladen und sich bei ihr bedankt. "Hier hat jemand nicht nur seinen Job gemacht, sondern besonders gut seinen Job gemacht", lobte sie den Einsatz der wachsamen Sachbearbeiterin. "Das ist ein Highlight, was ihnen da gelungen ist, einen Millionenbetrug aufzudecken."

"Mir ist es zuerst an der Urkunde aufgefallen, die anders aussieht, als üblich", sagte Schneider zu ihrem ersten Verdachtsmoment, als sie die gefälschte Geburtsurkunde eines fiktiven Kindes in der Hand hielt. Da der Antragsteller auf Elterngeld nicht in Celle gemeldet war, rief sie beim Standesamt in Braunschweig an, wo die Urkunde herkommen sollte. Die Beamtin, die das Papier angeblich ausgestellt hatte, war dort nicht bekannt - auch eine Krankenkassenbescheinigung und eine vorgelegte Gehaltsabrechnung erwiesen sich nach einigen Telefonaten und Datenabgleichen von Schneider als professionelle Fälschungen.

Deshalb vermutete sie hinter dem Betrugsversuch keinen Einzelfall, die Stadt schaltete das Ministerium und dieses die Behörden bundesweit ein. Am Ende kam heraus, dass ein Polizeibeamter aus Hessen und sein Ex-Kollege mit fingierten Papieren in über 200 Elterngeldstellen bundesweit versucht hatten, an Geld zu kommen.

"Für uns war am Anfang nicht klar, wie groß der Betrug war, dass da ein Millionenbetrug hinter steckt", sagte Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Er lobte die Angestellte Schneider stellvertretend für alle Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, die oftmals in ein schlechtes Licht gerückt würden. "Das ist eine Routinearbeit, die man hellwach erledigen muss."

Eine Geldprämie für ihre erfolgreiche Arbeit konnte Schneider zwar nicht einstreichen. Neben Blumensträußen des Oberbürgermeisters und der Ministerin gab es für sie aber einen Gutschein der Stadt Celle.

dpa


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