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VOR DEM AUS: Nick Durke (links) und Metin Demir arbeiten im Genlabor des Laatzener Erich-Kästner-Schulzentrums. Die Förderung dafür soll gestrichen werden.

VOR DEM AUS: Nick Durke (links) und Metin Demir arbeiten im Genlabor des Laatzener Erich-Kästner-Schulzentrums. Die Förderung dafür soll gestrichen werden.© Daniel Junker

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Bildung

SPD öffnet Tür für "HannoverGen"

Das Aus für das Schulprojekt "HannoverGen" schlägt hohe Wellen. Schüler und Lehrer protestieren, Wissenschaftler warnen vor ideologischem Umgang mit Gentechnik.

Hannover. Hoffnung für „HannoverGen“: In der rot-grünen Koalition gibt es offenbar noch Beratungsbedarf über das umstrittene Modellprojekt, mit dem Schüler in Hannover seit 2008 an Gentechnik herangeführt werden. „Ich kann mir vorstellen, darüber noch mal ein Gespräch zu führen“, sagte Claus Peter Poppe, kultuspolitischer Sprecher der SPD-Landagsfraktion. Man wolle „dialogiorientiert“ nach einer „Regelungsmöglichkeit“ suchen.

Rot-Grün hatte sich im Koali-tionsvertrag auf das Ende der Landesförderung für „HannoverGen“ verständigt. Bei den Grünen will man an dem Beschluss dagegen festhalten: „Wir wollen die Landesmittel neu verteilen“, sagte der agrarpolitische Sprecher Hans-Joachim Janßen.

Mehr als eine Million Euro sind bislang in den Unterricht geflossen, der mehr als 8000 Schüler durch Experimente an das komplexe Thema herangeführt hat. Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hatte noch eine Ausdehnung von vier auf rund 50 Schulen landesweit geplant.

Die Projektverantwortliche Wiebke Rathje wirft Rot-Grün vor, die Entscheidung an Schülern und Lehrern vorbei getroffen zu haben - aus rein „politisch-ideologischen Gründen“.

Gentechnik-Gegner hätten „HannoverGen“ zu Unrecht unterstellt, im Sinne der Indu-strie zu unterrichten, so Rathje. Sie verweist auf ein kritisches Gutachten, das sich aber gar nicht mit den Unterrichtsmaterialien beschäftigt habe.

Tatsächlich wird der Koali-tionsbeschluss bei Greenpeace als Erfolg und Schritt hin zur Agrarwende gefeiert. Dort sieht man sich durch Umfragen bestärkt, in denen sich eine Mehrheit der Bevölkerung gegen Gentechnik ausspricht.

Gerade weil das Thema umstritten sei, gehöre es in den Unterricht, meint hingegen die Wissenschaftlerin Rathje: „Schüler haben ein Recht, informiert zu werden und sich eine eigene Meinung zu bilden.“ In einer Online-Petition haben sie und ihre Kollegen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) aufgefordert, sich selbst ein Bild vom Erfolg des Gentechnikprojektes zu machen, bevor das Aus amtlich ist. Mehr als 2700 Unterstützer hat die Petition bereits gefunden. In den Kommentaren wird vor einem Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit gewarnt, und Schüler beklagen, dass sie von der Politik entmündigt werden.

In der Wissenschaftsszene wird der Streit in Niedersachsen sehr aufmerksam verfolgt. Der Kasseler Biologe Wolfgang Nellen, selbst Initiator eines Gentechnik-Schulprojektes in Hessen, beklagt eine Ideologisierung der Bildungsdebatte. Gentechnik in der Medizin werde begrüßt, in der Landwirtschaft dagegen verteufelt, so Nellen. Ihn erinnere das an die Anhänger der Schöpfungslehre in den USA, „die ihre Gegner als Ketzer verdammen“.


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