Navigation:
Auf den Spuren

Römische Legion läuft nach Kalkriese

"Die Römer sind da!" - In den Jahren zwischen 14 und 16 verbreitete dieser Ruf in Westfalen Angst und Schrecken. Rund 48 000 römische Soldaten in acht Legionen zogen mordend und brandschatzend durch die Siedlungsgebiete germanischer Stämme in Nordwestdeutschland. Ihr Auftrag: Rache nehmen für den Untergang dreier römischer Legionen in der Varus-Schlacht. 2000 Jahre später kommen zur Eröffnung einer Sonderausstellung im Varusschlacht-Museum in Kalkriese bei Osnabrück wieder schwer bepackte Legionäre in die Region - diesmal freilich in friedlicher Absicht.

Münster. 16 italienische Legionärsdarsteller der Reenactment-Gruppe "Legio I Italica" marschieren in diesen Tagen von Haltern am See bis nach Kalkriese - von Kopf bis Fuß ausstaffiert mit Kleidung, Waffen und Schutzpanzern, wie sie römische Legionäre zur Zeit von Kaiser Augustus trugen. Zum Abschluss jeder Tagesetappe geben die Geschichtsbegeisterten an der jeweiligen Lagerstätte eine anschauliche Einführung in den harten Legionärsalltag.

Im Ostbevern bei Münster begeistern sich zahlreiche Kinder an der Waffen- und Formationsvorführung der Italiener. Einige zwängen sich danach in römisches Rüstzeug, um in einen spielerischen Wettstreit mit den "Legionären" zu treten. Andere kosten mit ihren Eltern römischen Dinkelbrei und bestaunen die umfangreiche und 30 Kilogramm schwere Ausrüstung der Italiener, die auch "Gladius" (Kurzschwert) und "Pilum" (Wurfspeer) umfasst.

"Es gibt Leute, die interessieren sich für Kunst oder Fußball. Wir interessieren uns für die Geschichte", sagt Marco Zanchini, in Deutschland aufgewachsenes Mitglied der "Legio I Italica". Während er und seine Mitstreiter die sommerliche Hitze der letzten Tage laut eigenem Bekunden gut wegsteckten, haben ihnen auf den Märschen vor allem die römischen Nagelschuhe Probleme bereitet. Längere Asphaltstrecken und durch das Fußbett treibende Nägel sorgten für Schmerzen bei den Hobby-Legionären.

"Das ist eine ungewöhnliche Aktion, um auf unsere Ausstellung aufmerksam zu machen", sagt Joseph Rottmann, Leiter des Varusschlacht-Museums in Kalkriese. Unter dem Titel "Ich Germanicus. Feldherr - Priester - Superstar" widmet sich sein Haus ab Samstag dem Augustus-Großneffen Germanicus, den der römische Kaiser Tiberius mit einer großen Streitmacht nach Germanien entsandte, um die verheerende Niederlage des Feldherren Publius Quinctilius Varus im Jahre 9 zu rächen.

Anders als die Soldaten in der Antike müssen die Neuzeit-Legionäre um Zanchini zumindest auf gewisse Annehmlichkeiten der Moderne nicht verzichten. Anstatt eines Maulesels bringt ein Kleintransporter die Verpflegung und im bereits von Helfern aufgebauten Zelt wartet am Abend nicht der blanke Boden, sondern zumindest ein Feldbett. Am Mittwoch erreichen die Legionäre auf ihrem Marsch Niedersachsen. Bad Iburg und Belm sind die weiteren Tagesziele, in Osnabrück erhält die Gruppe einen Empfang im Rathaus. Am Freitagabend schließlich sollen die Männer zur Ausstellungseröffnung in Kalkriese ankommen.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Die Bahn verspricht, pünktlicher zu werden - schafft sie das?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie