Navigation:
Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). © Holger Hollemann/Archiv

Landtag

Regierungschef Weil: Spätes VW-Geständnis war schwerer Fehler

Seit mehr als drei Wochen beherrscht der Abgas-Skandal von VW die Schlagzeilen rund um den Erdball. Auch im VW-Heimatland Niedersachsen sind die Sorgen groß. Die Folgen der Krise sind noch immer nicht absehbar. Regierungschef Weil geht im Landtag auf Ursachensuche.

Hannover. VW hätte die Abgas-Manipulation bei Dieselfahrzeugen aus Sicht von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) schon viel früher zugeben müssen. Im Herbst vergangenen Jahres seien erstmals Abweichungen zwischen Labortests und Straßentests bei VW-Dieselfahrzeugen in den USA festgestellt worden, sagte Weil am Dienstag im Landtag in Hannover. Danach habe es mehr als ein Jahr Gespräche zwischen US-Behörden und Volkswagen gegeben, bis VW die Manipulation eingeräumt habe.

"Dieses Eingeständnis hätte klar und deutlich sehr viel früher erfolgen müssen - ein weiterer schwerer Fehler", sagte Weil. Der SPD-Politiker ist Mitglied des VW-Aufsichtsrates, das Land Niedersachsen hält rund 20 Prozent an dem Autobauer.

Weil sagte, wer für das Verhalten von VW verantwortlich sei, werde nun untersucht. Er selbst habe genau wie Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) erst aus den Medien vom Abgas-Skandal erfahren. Am 18. September hatten die US-Behörden das Eingeständnis von VW veröffentlicht, Werte manipuliert zu haben. Weil rechnet damit, dass die Untersuchung der vom Aufsichtsrat engagierten US-Anwaltskanzlei Jones Day wegen des großen Umfangs einige Monate dauern werden.

Der Aufsichtsrat habe in den vergangenen Wochen bereits eine Vielzahl von Beschlüssen gefällt, um den Konzern aus der Krise zu steuern, betonte Weil. Offen sei, ob es VW gelingen werde, sich das Vertrauen seiner Kunden zu erhalten und an den unterschiedlichen Märkten auf der Welt erfolgreich zu bleiben. "Es ist ein langer und harter Weg, der vor Volkswagen liegt - daran ist nichts zu beschönigen", sagte Weil. "Das Unternehmen wird in all seiner Kompetenz und wirtschaftlichen Substanz gefordert sein, diese Herausforderung zu meistern."

Während im Landtag in Hannover die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen den Einsatz von Weil und Wirtschaftsminister Lies im VW-Aufsichtsrat lobten, gingen CDU und FDP hart mit den beiden Politikern ins Gericht. "Sollte der Verdacht entstehen, dass einzelne Mitglieder des Vorstandes oder des Aufsichtsrates doch von diesen Manipulationen Kenntnis hatten, wird die Staatsanwaltschaft entsprechende Ermittlungen aufnehmen müssen", sagte Dirk Toepffer (CDU). Es sei ein Systemfehler, der künftig vermieden werden müsse, dass der Aufsichtsrat erst Mitte September von den Manipulationen erfahren habe.

"In jeder x-beliebigen Zeitung konnte man mehr lesen als das, was sie hier von sich gegeben haben", sagte FDP-Fraktionsvize und Ex-VW-Aufsichtsrat Jörg Bode. Er kritisierte, Weil versuche in seiner Rolle als Aufsichtsrat zu verharmlosen, statt aufklärend auf den "größten Wirtschaftsbetrug in der Geschichte" einzugehen.

Seit nunmehr rund drei Wochen ist bekannt, dass Volkswagen bei rund elf Millionen Diesel-Fahrzeugen verbotenerweise mit einer Software die Abgaswerte nach unten korrigiert hat. Seither kommt der Konzern nicht aus der Krise. In mehreren Ländern, darunter in den USA und Deutschland, drohen Klagen. Behörden und Justiz ermitteln gegen das Unternehmen, finanzieller Schaden in Milliardenhöhe wird befürchtet.

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Die Bahn verspricht, pünktlicher zu werden - schafft sie das?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie