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Razzia in Hildesheim: Islamisten im Fadenkreuz

Alles geht blitzschnell: Zivilwagen mit dem Spezialeinsatzkommando (SEK) des LKA und Einsatzfahrzeuge der Bereitschaftspolizei kommen aus allen Richtungen angerast. Es ist 19 Uhr, als die Razzia gegen den Deutschsprachigen Islamkreis (DIK) Hildesheim an der Martin-Luther-Straße in der Hildesheimer Nordstadt beginnt. Die Beamten haben gestern von Innenminister Boris Pistorius den Marschbefehl bekommen: Sie sollen in der Salafisten-Moschee belastendes Material finden. Er will den Verein verbieten (NP berichtete).

Hildesheim. Die Martin-Luther-Straße ist weiträumig abgesperrt, als mit Maschinenpistolen bewaffnete SEK-Kräfte die Scheiben des Eingangs für die weiblichen Gläubigen einschlagen. Das gleiche passiert in der Seitenstraße Hochkamp. Von dort aus gelangen die Männer in die Gebetsräume. „Zeitgleich werden acht weitere Objekte in Hildesheim durchsucht“, so Polizeisprecher Axel Bergmann. Es handelt sich um die Wohnungen von DIK-Vorstandsmitgliedern. Bis zu 400 Beamte sind an der Razzia beteiligt.

Während des Zugriffs befinden sich wenige Personen in der Moschee. Dort und in einer Wohnung gegenüber, wo eine der acht weiteren Durchsuchungen stattfindet, kommt es zu tumultartigen Szenen und lautstarken Protesten der Salafisten. Ohne Erfolg. Die Beamten ziehen ihre Maßnahmen ohne Verzögerung durch.

Auf den Straßen beobachten zahlreiche Schaulustige das Treiben. „Ich könnte jubeln. Endlich passiert etwas“, sagt eine von drei muslimischen Frauen. Die 37-Jährige wohnt unweit der DIK-Moschee und fühlt sich wie zwei weitere Muslima (38, 39) schon lange von den Extremisten bedroht: „Die Polizei ist hier jeden Tag vorbei gefahren. Ich habe nie verstanden, warum sie bisher nichts gegen die Salafisten unternommen hat.“ Auch Nachbar Sascha Schneeberg (29) ist froh, dass die Sicherheitsbehörden nun zum Schlag gegen den Islamkreis ausgeholt haben: „Ich bin froh, dass die Polizei jetzt endlich agiert.“ Michael Wefelshütten (41) kennt die zahlreichen Presseberichte über die islamistischen Hardliner.

Deshalb hat er in der Vergangenheit auch DIK-Mitglieder angesprochen: „Ich habe sie gefragt, ob sie in der Moschee Bomben bauen“, berichtet er. Die Antwort, die er bekam, sei immer die gleiche gewesen: „Nein. Wir beten nur“, hieß es. Wohl nicht ganz. Der DIK steht in Verdacht, Kämpfer für den Islamischen Staat (IS) rekrutiert und in Predigten, Seminaren und Vorträgen zu Hass gegenüber „Ungläubigen“ aufgerufen zu haben. Minister Pistorius: „Wir nehmen es nicht hin, wenn salafistische Vereine und ihre Hintermänner die bei uns geltenden Regeln ignorieren, sogar die verfassungsmäßige Ordnung in Frage stellen, und junge Menschen davon überzeugen wollen, sich dem selbsternannten IS anzuschließen.“

Drei Stunden dauert die Razzia beim DIK. Am Ende tragen die Polizisten Kartons mit dem sichergestellten Material raus. Der DIK wird aufgelöst, da ist sich Wefelshütten sicher – und froh: „Das war es für die.“

Britta Mahrholz


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