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Polizisten tragen einen Demonstranten aus der Linken Szene vom Bahnsteig.

Polizisten tragen einen Demonstranten aus der Linken Szene vom Bahnsteig.© Alexander Körner

Extremismus

Protest bremst Aufmarsch von Rechtsextremen aus

Mit der Blockade des Bahnhofes von Bad Nenndorf haben rund 200 Demonstranten den alljährlichen Aufmarsch von Rechtsradikalen in dem Kurort bei Hannover am Samstag ausgebremst.

Bad Nenndorf. Die Demonstranten aus dem linken Spektrum hätten bei der Ankunft in Bad Nenndorf die Türen der S-Bahn blockiert und so die Abfahrt verhindert, teilte die Polizei mit. Während Beamte den Zug räumten, konnte der nachfolgende Zug, mit dem die Neonazis anreisen wollten, nicht fahren. Von Haste aus traten deshalb rund 100 Rechtsextreme unter Polizeibegleitung den rund sieben Kilometer langen Fußmarsch nach Bad Nenndorf an. An einer Gegendemonstration unter dem Motto "Bunt statt braun" beteiligten sich rund 700 Menschen.

Die Bürgerproteste gegen den Aufmarsch haben am Morgen mit einem ökumenischen Gottesdienst begonnen. Der ehemalige Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, bezeichnete den sogenannten Trauermarsch der Neonazis als "eine perverse Verdrehung der Wirklichkeit und böse Propaganda". Es sei eine menschliche Pflicht und ein Anliegen aller Demokraten, "dem mit offenem Herzen entschieden entgegenzutreten", sagte der evangelische Theologe. Die Protestaktionen des Bürgerbündnisses "Bad Nenndorf ist bunt" seien in den zehn Jahren seit Beginn der Aufmärsche immer "bunter, fantasiereicher und entschiedener" geworden. "Sie zeigen auch positiv auf, worauf es ankommt für ein gelingendes Leben und eine freie und demokratische Gesellschaft", betonte der Ruhestandsbischof und fügte  hinzu: "Ohne Freiheit und gegenseitige Teilhabe, ohne Respekt und Toleranz können wir nicht leben."

Das Wincklerbad

Das "Wincklerbad" in Bad Nenndorf ist seit 2006 das Ziel für "Trauermärsche" von Neonazis. In dem früheren Kurbad, das heute Arztpraxen beherbergt, befand sich von 1945 bis 1947 ein Internierungslager und Verhörzentrum der britischen Armee für Nazis. In dem Lager sollen zahlreiche Gefangene gefoltert worden sein, es gab mindestens drei Todesopfer. Die Misshandlungen wurden nach Angaben von Historikern damals vom britischen Staat umgehend geahndet und von der Öffentlichkeit verurteilt. Insgesamt waren im Wincklerbad mehr als 400 Männer und Frauen inhaftiert, unter ihnen SS-Obergruppenführer Oswald Pohl (1892-1951).

Pohl war als Chef des "SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes" maßgeblich an der Organisation der Konzentrationslager und des Holocaust beteiligt. Er wurde 1947 in Nürnberg als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und 1951 hingerichtet. Die Rechtsextremisten haben bis 2030 Märsche zum Wincklerbad angemeldet. Ein Bürgerbündnis befürchtet, dass sie Bad Nenndorf zu einer Wallfahrtsstätte machen wollen, um die Nazi-Verbrechen zu verharmlosen. Nachdem 2011 das Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß im oberfränkischen Wunsiedel aufgelöst wurde, ist Bad Nenndorf eines der letzten möglichen Ziele für Neonazis. In den vergangenen Jahren hat das Interesse an dem "Trauermarsch" in der rechten Szene nach Angaben der Polizei allerdings merklich nachgelassen.


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