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Niedersachsen Polizei will gegen rücksichtslose "Elterntaxis" vorgehen
Nachrichten Niedersachsen Polizei will gegen rücksichtslose "Elterntaxis" vorgehen
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17:28 21.02.2018
Schülerinnen stehen auf einem Gehweg, auf dem ein Elterntaxi steht. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Göttingen

Freitag kurz vor 13 Uhr in der Göttinger Immanuel-Kant-Straße: Vor dem Gebäude, in dem eine Grundschule und eine gymnasiale Unterstufe beheimatet sind, stehen die ersten Jungen und Mädchen und warten darauf, mit dem Auto abgeholt zu werden. Die Straße ist eng, direkt vor der Schule herrscht vor und hinter einem Zebrastreifen absolutes Halteverbot.

Macht nichts: Schon hält ein Kombi in falscher Richtung, zwei Räder auf dem Gehweg. Dahinter stoppt eine Limousine. Zwei, drei weitere Fahrzeuge scheren sich ebenfalls nicht um das Halteverbot. Ihre Fahrer werden von Polizisten verwarnt: 10 Euro. Viele weitere "Elterntaxis" fahren auffällig langsam an der Schule vorbei und biegen dann in Seitenstraßen ein.

"An anderen Tagen ist hier alles voll", sagt Grundschulleiter Christopher Franzmann-Korf. Der Fußweg, die Straße, die Einfahrt, der enge Vorplatz der Schule. "Manche Eltern halten sogar mitten auf dem Zebrastreifen", beklagt der Pädagoge. Es habe schon viele Beinahe-Unfälle gegeben. "Einmal musste ich ein Kind im letzten Moment wegziehen, sonst wäre es überfahren worden."

Dass sie andere Kinder gefährden, wenn sie ihre eigenen Sprösslinge bis direkt vor die Schule fahren, wollten viele Eltern nicht hören, hat Franzmann-Korf festgestellt. "Bin gleich weg" oder "nur einen Moment", das seien die harmloseren Reaktionen. Er habe auch schon "Halt die Klappe" gehört und Schläge angedroht bekommen. Eine "zunehmende Aggressivität" der "Elterntaxi"-Fahrer hat auch Angelika Reese von der benachbarten gymnasialen Unterstufe beobachtet. "Wir werden das aber nicht hinnehmen", sagt die Gymnasiallehrerin.

Die Polizei in Göttingen will mit verstärkten Kontrollen reagieren. Auch in anderen niedersächsischen Städten sind die "Elterntaxis" immer wieder ein Thema - in Hannover etwa gab es im vergangenen Sommer dazu eine Aktion der Polizei, auch in Osnabrück ist das Thema immer wieder in der Debatte.

Die Polizei beklagt eine zunehmend Rücksichtslosigkeit der "Elterntaxis", mit denen nach Schätzungen mittlerweile rund die Hälfte der jüngeren Kinder transportiert werden. Durch ihre Fahrweise gefährdeten sie immer öfter Jungen und Mädchen, die zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, sagt Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke am Freitag in Göttingen. Die Polizei appelliert an die Eltern, die Kinder alleine zur Schule zu schicken. Nicht der Schulweg sei gefährlich, sondern oft die Fahrt im Elternauto, meint Arnecke.

Auch die Landesverkehrswacht Niedersachsen hat festgestellt, dass viele Eltern ihre Kinder bis direkt vor den Eingang bringen wollen. Dies sei ein großes Problem, weil es zu riskanten Halte- und Wendemanövern führe. Hinzu komme, dass viele Eltern unbelehrbar und uneinsichtig seien, wenn sie auf die Gefahr hingewiesen werden, die sie verursachen, sagt Verkehrssicherheitsberater Arnecke. Typisch dafür war die Reaktion einer Mutter, die am Freitag von der Polizei wegen Haltens im Halteverbot vor der Schule kostenpflichtig verwarnt wurde: "Wieso, das machen die anderen doch auch."

Unabhängig von den Gefahren, die "Elterntaxis" für andere Kinder verursachen, warnt die Psychologin Jessica Westmann vor den Risiken, die der tägliche Transport zur Schule für die chauffierten Kinder mit sich bringt: Wenn Kinder mit dem Auto statt zu Fuß, mit dem Rad oder im Bus zur Schule kämen, verlören sie die Chance, die Umgebung auszukundschaften und mit anderen in Kontakt zu kommen, meint die Forscherin. Dadurch werden die Mädchen und Jungen auch weniger selbstständig und weniger sicher in ihrer Umgebung.

dpa

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