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Foto: Der Landesparteitag der Piratenpartei in Nienburg.

Der Landesparteitag der Piratenpartei in Nienburg.© dpa

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Parteitag

Piraten stellen Landesliste auf

Die niedersächsische Piratenpartei geht mit Meinhart Krischke Ramaswamy als Spitzenkandidat in die Landtagswahl. Der 58 Jahre alte Göttinger hat sich in Nienburg gegen 37 Mitbewerber durchgesetzt. Die Partei absolvierte insgesamt einen eher ungewöhnlichen Parteitag.

Nienburg. Der Pranger steht gleich vorn, neben dem Podium. Auf einer großen Leinwand wird für alle sichtbar übertragen, welche Kommentare aus der Versammlung über „Twitter“ verbreitet werden. Die meisten Anwesenden brauchen diese Hilfe nicht, denn sie schauen sowieso dauernd auf ihren Laptop.

Für die Piraten, die sich am Wochenende in Nienburg zum Landesparteitag getroffen haben, ist die offizielle Tagesordnung nur der eine Teil der Wirklichkeit. Der andere ist der ständige Blick ins Internet.

„So eine Nazischeiße“, heißt es auf Twitter von anonymer Quelle, als der hannoversche Kandidat Carsten Schulz nach vorn tritt. Das ist jener Schulz, der gegen die Strafverfolgung der Holocaust-Leugnung argumentierte und damit beim Landesvorstand in Ungnade fiel.

Der Umgangston im anderen Teil der Wirklichkeit, beim offiziellen Programm, ist dagegen über weite Strecken betont höflich. Und es geht streng basisdemokratisch zu, für alle soll alles sichtbar sein. Am Vormittag, als die Veranstaltung schon eine Stunde dauert, kommt vom Tagungspräsidenten die freundliche Aufforderung: „Wer noch auf Platz eins der Landesliste antreten möchte, sollte jetzt bitte nach vorn gehen und sich eine Nummer geben lassen.“

Absonderlichkeiten häufen sich hier: Jedes der 2000 Mitglieder des Landesverbandes konnte zum Parteitag kommen, ein Delegiertensystem kennen die Piraten bisher nicht. Rund 300 sind gekommen: Die meisten sind Männer zwischen 30 und 40, einige unterstreichen ihre politische Ausrichtung mit einem orangefarbenden Piraten-T-Shirt.

Dennoch: Theatralische Auftritte wie der des Wolfenbüttelers Volker Tschirner (41), der mit einem Besen nach vorn geht und erklärt, er wolle „den Landtag auskehren“, kommen hier nicht gut an. Ein Murren geht durch den Saal.

Mehr Applaus finden Leute wie Steven Maaß aus Hemmingen (Region Hannover), der bei seiner Vorstellung eher leise bekennt, „im Internet geboren“ zu sein. Oder Katharina Nocun aus Osnabrück, die in Polen zur Welt kam und in Deutschland aufwuchs. „Wirklich zu Hause aber bin ich im Internet“, bekennt sie. Beifall ertönt.

Als Sieger bei der Spitzenkandidatur steht schließlich der Göttinger Werbegraphiker Meinhart Ramaswamy (58) fest, Schatzmeister der Piraten - ein seit Jahren in der Bildungspolitik aktiver Mann, den man sich auch bei Rot-Grün vorstellen könnte. Fast wäre die Wahl noch im Debakel geendet, denn der Hildesheimer Kaufmann Christian Koch bekommt die gleiche Stimmenzahl wie Ramaswamy. Nur weil Koch verzichtet, bleibt dem Parteitag eine Stichwahl erspart - und Koch rettet für sich Platz zwei.


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